Die Übernahme der Basler Zeitung durch Christoph Blocher war für Basel ein Schock. Vor sechs Jahren ging ein Aufschrei durch Basel, Komitees wurden gegründet, die Tageswoche entstand. Mit dem Verkauf der BaZ an Tamedia endete heute Mittwoch der Traum einer rechtsnationalen Zeitung, die eine Ausstrahlung auf die ganze Schweiz hätte entwickeln sollen.

"Von Basel aus können wir keine nationale Zeitung machen, insofern muss man sagen, dass dieser Aspekt gescheitert ist", sagte Christoph Blocher an einer Medienkonferenz am Mittwochmittag. Basel wolle nicht schweizerisch sein, eine nationale Ausstrahlung mit einer rein baslerischen Medienmarke zu etablieren, das gehe nicht.

Umsatz mit lokalen Stoffen statt Regionalzeitungen

Ansonsten sprach Blocher von weitreichenden Sanierungserfolgen, von einer gut gemachten Zeitung, ja, der Leistungsausweis stimmte seiner Ansicht nach. Nur: Eine regional gefertigte Tageszeitung sei alleine "zum Tode verurteilt", wenn sie nicht in einem grösseren Verbund sei. Deshalb konzentriert sich Blocher mit seiner Zeitungshaus AG auf die Lokalzeitungen. Hier will er mit vordergründig lokalsten Stoffen Umsatz und Gewinn mit Kleininserenten machen: "Mit dem Dorfmetzger, zum Beispiel."

Blocher zum Verkauf der Basler Zeitung an Tamedia

Blocher zum Verkauf der Basler Zeitung an Tamedia

Im Interview äussert sich Christoph Blocher nur vage zu seinem Vorhaben, lässt aber durchblicken: Politisch und personell wird er bei den Zeitungen seine eigene Linie fahren.

Auf die BaZ habe er nie direkten politischen Einfluss genommen, sagte Blocher. Aber "das richtige Personal" sei für ihn ausschlaggebend. So werde man bei seinen Lokalzeitungen "sicher keine Linken" auf den Redaktionen vorfinden. Zu den neuen Zeitungen gehört unter anderem das Tagblatt der Stadt Zürich, das Blocher im Rahmen des Tamedia-Deals übernimmt.

Reaktionen besorgter Bürger

Erste Reaktionen aus Basel waren teils geharnischt. Bürgerliche Parteivertreter der FDP und der SVP befürchten nun einen Linksrutsch in der politischen Ausrichtung des Blattes. LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein gab sich moderater: Sie bedauere, dass nun keine Zeitung mehr gänzlich in Basel hergestellt werde, sagte sie am Morgen gegenüber der bz.

Tweet: Rettet Basel

Und die Linke? Die freute sich zwar, doch gab gerade SP-Nationalrat Beat Jans zu bedenken, dass Tamedia nun die grössten Tageszeitungen der wichtigsten Schweizer Städte besitze. Dennoch sei er froh, dass die Ära Blocher nun ihr Ende findet. Der Baselbieter Medien- und Finanzminister Anton Lauber (CVP) sagte gegenüber der bz, dass er nun hoffe, dass die Zeitung keine Zürcher Perspektive einnehme.

Eine Auszeit für Markus Somm

Chefredaktor Markus Somm wird noch ein halbes Jahr in Funktion bleiben und nach einer Auszeit Autor beim Tages-Anzeiger. Wie sich das ausgestalte, könne er sich noch nicht genau vorstellen, sagte er an der Medienkonferenz. Auch, ob er weiterhin an der Zeitungshaus AG beteiligt sein werde, müsse sich noch zeigen.

Tamedia-Verleger Pietro Supino liess sich letztlich nicht in die Karten blicken, was aus der Basler Zeitung werden soll. Er beliess es bei allgemeinen Aussagen, dass die BaZ gut ins Portfolio der Tamedia-Zeitungen passe. Zur inhaltlichen Ausrichtung des Blattes gab er keinerlei Kommentar ab, vom Label "rechtsnational" wollte er nichts wissen: "Die Basler Zeitung ist sehr gut gemacht und ergänzt unser Zeitungsangebot bestens."

Bereits diverse Kooperationen mit Tamedia

Über den Kaufpreis und weitere Details des Deals wurde Stillschweigen vereinbart. Immer wieder wurde jedoch betont, dass eine Monopolsituation hatte vermieden werden können, indem nicht die AZ Medien AG die Basler Zeitung kaufen konnten.

BaZ-Übernahme: Tamedia VR-Präsident nimmt Stellung

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Immerhin: Dass die Basler Zeitung und Tamedia bereits in verschiedensten Bereichen wie Druck, Anzeigen und Online-Auftritt zusammenarbeiteten wurde nicht verschwiegen. Daher sei der Schritt ebenfalls nahegelegen, sagten Käufer und Verkäufer gleichermassen.

Personelle Folgen offen

Klar ist, dass die Basler Zeitung nun auch auf den Digitalisierungs-Dampfer der Tamedia aufspringen wird. Denn das Medienhaus verfolgt eine umfassende Technologisierungs-Strategie in der Schweizer Medienszene, wie der Produktverantwortliche vor den Medien sagte. 

Zu den personellen Folgen gab es ebenfalls keine Auskünfte. Die zahlreich erschienen Mitarbeiter der Basler Zeitung waren nach Eintreffen der Nachricht froh, überhaupt zu wissen, wer das Medium übernimmt.