Unispital Basel

Allgemeinversicherte müssen ihr Gipfeli nun extra bezahlen

Das Gipfeli müssen Allgemeinversicherte selbst bezahlen. Oder darauf verzichten.

Das Gipfeli müssen Allgemeinversicherte selbst bezahlen. Oder darauf verzichten.

Die Zweiklassengesellschaft in der Medizin hat nun auch die Gastronomie erreicht. Am Universitätsspital Basel müssen Allgemeinversicherte in Zukunft bezahlen, wenn sie die gleiche Auswahl bei den Menüs haben wollen, wie Halbprivat- oder gar Privatpatienten.

Ein Gipfeli zum Frühstück, um sich über die Tatsache hinwegzutrösten, dass man im Spital liegt. Das ist für Patienten mit einer Halbprivatversicherung im Basler Unispital kein Problem. Für die Allgemeinversicherten aber kostet das Croissant seit Montag extra. Ebenfalls bezahlen müsste man für ein Birchermiesli oder Cornflakes. Und auch bei den anderen Hauptmahlzeiten gilt neuerdings: Allgemeinversicherte bezahlen einen Zuschlag, wenn sie vom Grundmenüplan abweichen wollen. Will man das «Feinschmeckermenu» auf dem Beistelltischchen sehen, dann bezahlen auch Halbprivate zehn Franken extra, Allgemeinversicherte gar 16 Franken. «Bei der Umstellung der Getränke- und Speisekarte wurde auch auf eine stärkere Differenzierung zwischen Allgemein-, Halbprivat- und Privatversicherten geachtet», lässt Mediensprecher Martin Jordan wissen. Man habe nämlich bis anhin die «Unterschiede bei den Versicherungsklassen beim Verpflegungsangebot zu wenig berücksichtigt.» Ausserdem habe man die Speisekarte deutlich verkleinert, da viele Angebote nicht oder nicht mehr nachgefragt worden seien.

Bis zu ihm seien bisher keine Klagen gedrungen, sagt Jordan auf Anfrage. Quellen im USB sprechen allerdings davon, dass zwei Personen nahezu den ganzen Tag damit beschäftigt seien, Reklamationen von Patienten zu diesem Thema zu bearbeiten.

Allgemeine Praxis

In der unterschiedlichen Behandlung nach Versicherungsklassen ziehe das Universitätsspital lediglich nach, bei den Privatspitälern sei das schon lange so. In der Tat bestätigt Trix Sonderegger vom Claraspital: «Bei den Zusatzversicherten sind gewisse Zusatzangebote gratis, die für Allgemeinversicherte kostenpflichtig sind.» Das Grundangebot unterscheide sich aber nicht. Das System funktioniert also ähnlich wie im USB seit Anfang Woche: ein Grundangebot, das die oberen Versicherungsklassen ergänzen können.

Baselland schert aus

Auch im Bethesdaspital macht man Unterschiede zwischen den Versichertenklassen. Die Privatversicherten bekommen ein zusätzliches Menü angeboten und darüber hinaus einen À-la-carte-Service. Spitaldirektor Thomas Rudin fügt an: «Selbstverständlich besteht das Angebot des Supplement-Menüs und des À-la-carte-Menüs auch für Halbprivat- und Allgemeinversicherte. Diese Leistungen werden ihnen jedoch zusätzlich verrechnet.» Nur an einem Ort in der Region bekommen noch alle Patienten weitgehend dasselbe Essensangebot. Ausgerechnet dort, wo man es angesichts der Finanzlage erwarten könnte, dass Extraleistungen auch extra kosten, ist dies nicht der Fall: Im Kantonsspital Baselland herrscht kulinarische Gleichberechtigung. So, wie das am Unispital bis vor kurzem auch noch der Fall war. Doch Sprecherin Anita Kuoni lässt durchblicken, das könne sich auch bald ändern: «Im Zuge der Bestrebungen, das gastronomische Angebot für die Patientinnen und Patienten an unseren drei Standorten zu vereinheitlichen, werden momentan Differenzierungen geprüft.»

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