Basler Pop-Preis 2018

Alma Negra: Vom Clubprojekt zum Live-Format

Sind zum zweiten Mal in Folge nominiert: Alma Negra alias Mario Robles (Mitte), flankiert von Diego und Dersu Figueira.

Sind zum zweiten Mal in Folge nominiert: Alma Negra alias Mario Robles (Mitte), flankiert von Diego und Dersu Figueira.

Alma Negra suchen die musikalische Weltformel – und sind dabei im Umbruch.

Die letztjährige Pop-Preis-Nominierung kam nicht nur für Szene-Insider, sondern auch für Alma Negra selbst überraschend. Ein DJ- und Produzentenkollektiv, das auf eine Kreuzung aus World Music und Clubsound setzt, als Pop-Preisträger? Das konnte sich bis vor kurzem noch kaum jemand vorstellen. Bei der Preis-Verleihung 2017 gingen Alma Negra denn auch leer aus. Wie erwartet.

Dieses Jahr ist das nicht so sicher. Zumindest werden ihnen von Experten gute Aussenseiterchancen eingeräumt. Dass die Nominierung hochverdient ist, haben Alma Negra bewiesen: Mit Headliner-Gigs an internationalen Festivals, ausverkauften DJ-Sets in Grossclubs im Ausland und der Gründung des hochgelobten, eigenen Vinyl-Labels hat sich das Basler Projekt zu veritablen Überfliegern entwickelt.

Die Sehnsucht nach Ekstase

Urchige Stammesrhythmen im zeitgemässen Klang-Gewand: Das ist die Zauberformel von Diaspora Disco, welche die einstige World Music aus den verstaubten Regalen zurück an die Regler geholt hat. Ein bisschen wie eine Beschwörung des alten Voodoo-Geistes, der durch «Black Music»-Genres wie Funk, Disco oder Techno spukt. Und dabei die urmenschliche Sehnsucht nach Ekstase, Trance-Tanz und Gemeinschaftsgefühl verkörpert – wenn auch nur für die Dauer einer schweisstreibenden Clubnacht, wo sich die einzelnen Körper im Corpus einer Community auflösen. Weltformel heisst das in der Alchemie, zumindest ist es das Erfolgsrezept für die zweite Nominierung in Folge.

Das Kollektiv im Wandel

«Mit Alma Negra geht die Sonne auf», betitelte die bz bereits 2017 den steilen Aufstieg des Kollektivs, das sich einst im Kleinbasler Hotspot «Lady Bar» über den Weg lief, gerne zusammen bis in die frühen Morgenstunden feierte, und sich nach der dunklen Seele ihrer Nachtmusik benannte.

Vor einem Jahr war es dabei Dario Rohrbach, Kreativ- und Querkopf, der beim Interview in der Kaserne zu spät kam. Diesmal ist es Mario Robles, der eine Viertelstunde nach Fototermin dahergehastet kommt. «Rhythm Child» Dario Rohrbach dagegen taucht nicht auf. Er mache momentan grad Pause, erklärt Mario Robles, der als Architekt des Alma-Negra-Erfolgs gilt. Mehr will Robles dazu nicht sagen, auch wenn Gerüchte über den Ausstieg Rohrbachs schon länger die Runde machen.

Vorerst ist das Kollektiv Alma Negra mit Robles und den kapverdischen Zwillingsbrüdern Diego und Dersu Figueira, die mit ihren dunklen Sonnenbrillen und coolen Sprüchen ein wenig an die Blues Brothers erinnern, nun also zum Trio geschrumpft.
Live allerdings hat das Projekt mit personeller Verstärkung durch Drummer Luca Glausen und Keyboarder Cédric Vogel zahlenmässig sogar dazu gewonnen: Als Alma Negra & Band traten sie am Hamburger Reeperbahn Festival auf, wo sie gemeinsam mit Anna Aaron die Kulturstadt Basel vertraten.

Hat die Premiere funktioniert? «Vor dem Auftritt waren wir sehr nervös», gibt Robles zu. «Beim Soundcheck wars entsprechend hektisch», bekräftigt Dersu Figuera. Dann aber ein Blickwechsel – und alle drei strahlen wieder. «Doch doch, lief am Ende ganz gut», grinst Dersus Bruder Diego, der Mann im Hintergrund bei Alma Negra, der sich gerne im Understatement übt.

Kreativer Euphorieschub

Nicht, dass irgendjemand ernsthaft daran gezweifelt hätte, dass Alma Negra das Zeug zur erfolgreichen Band mitbringt. Dennoch ist die Erleichterung spürbar. Mehr noch: «Seit Hamburg haben wir einen richtigen Euphorieschub. Wir sind seither quasi nonstop in der ‹Jukebox›, wo wir proben, aufnehmen und abmischen», meint Robles. «Wir wollen in Zukunft unsere eigenen Musik-Ideen verwirklichen», ergänzt Dersu.

Das Preisgeld würde Alma Negra deshalb gelegen kommen, um es in den Ausbau ihres bisherigen Erfolgsrezepts – umjubelte DJ-Gigs und hochgelobte VinylReleases – zu stecken sowie in ein waschechtes Studioalbum. Denn das ist immer noch der grosse Traum jedes ambitionierten Musikers. So schliesst sich der Kreis vom innovativen Roots-Club-Projekt zum potentiellen Pop-Preisträger. «Wir sind alles Autodidakten», bekräftigt Dersu: «Uns interessieren Rhythmen – ob getrommelt oder programmiert. Pop ist für uns daher kein fester Stil, sondern etwas Lebendiges. Ganz einfach Musik, die viele Menschen erreicht.»

Zunächst mal in ihrer Heimatstadt. Denn hier, in der einstigen Indie-Pop-Hochburg Kaserne, die immer mehr auf globale Sounds setzt, feiern die einstigen Aussenseiter bald ihren bisher grössten Triumph: Als Headliner des nächsten BScene-Festivals. Vielleicht sind sie dann bereits Pop-Preisträger. Für die Soundnomaden wäre dies ein doppelter Ritterschlag. Und beides hochverdient.

Wer von den fünf Nominierten steht beim Basler Pop-Preis in der Gunst des Publikums? Die bz präsentiert das Voting und den Publikumspreis. Über das Onlineformular (unten) können Sie Ihre Stimme abgeben.

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