«Besinnliches und ein neuer Almi» wurden einfach zusammengefasst zur neuen Vorfasnacht «S’Läggerli» versprochen. Und Patrick «Almi» Allmandinger hat geliefert: Das Publikum bekommt vermehrt den nachdenklichen, verletzlichen Almi zu sehen.

Optisch mit Perücke, Brille und Spitzbärtchen auftretend, singt und spielt er sinnlich-nachdenkliche Nummern. Trotzdem bleibt er seinem Kerngeschäft treu und bringt die einfachen Gags. Er scheint die Trennung von seinem ehemaligen Bühnenpartner Renato Salvi und dem «Fasnachtskiechli» vollführt zu haben. Zusammen mit Priska Caccivio und Rolf Boss bildet er ein Trio, das den Abend zusammen mit den Musikern Reto Schäublin und Wolfgang von Dechend bestreitet.

Es ist keine Aneinanderreihung von einzelnen «Stiggli» oder Nummern, sondern die Geschichte einer Familie, die eine Stubete vorbereitet. Eingeflochten sind kleinere (Neben-)Geschichten und musikalische Träumereien: Nachdenklich, wenn Babbe Ueli (Boss) in der alten Kostümkiste in Erinnerungen schwelgt. Verträumt, wenn Freddy (Almi) eine Ode an die Pauke und an die Guggen hält. Kritisch, wenn Gritli (Caccivio) vom «gässle» singt – dem einzigen, was an der Fasnacht noch gratis sei.

Der «Finanz-Club Burgener» bekommt sein Fett weg

Die drei Familienmitglieder organisieren Stühle, Dekorationen und Essen, während mal wieder der Nachbar vorbeikommt und reklamiert. Zwischendurch klingelt das Mobiltelefon und die Tochter ruft aus ihrem Sprachaufenthalt in den USA an. Ein Anlass für die drei, einen witzigen «Handy-Gospel-Song» zu intonieren: ein Halleluja an die mobile Kommunikation.
Almi imitiert weiter die Baselbieter Regierungsrätin Sabine Pegoraro und Nati-Trainer Vladimir Petkovic, die ebenfalls an die Stubete kommen.

Aber auch Boss und Caccivio haben ihre Glanznummer: Als Zürcherin, die von der Basler Fasnacht schwärmt und als Basler, der vom «Sächsilüüte» begeistert ist. Dabei wird die Geldmacherei an der Fasnacht und beim FCB (Finanz-Club Burgener) kritisiert. «Zürich ist eine Weltstadt und Basel eine Stadt auf dieser Welt», ärgert sich der Basler. Einzig die Züricherin widerspricht.

Kritik einstecken muss auch das Schweizer Fernsehen: «Usschnitt statt Querschnitt». Die Befürchtung wird laut, dass bald der SWR übernimmt. Als deutscher Aussenreporter bringt Almi seine legendäre «Fasnacht total»-Nummer. Er spielt in Personalunion jede Figur, die am Cortège teilnimmt. Eine Geste und eine Mimik: das Publikum weiss sofort, was er meint und beginnt zu lachen. Der «alte» Almi in Hochform. Auch musikalisch ist «S’Läggerli» in Form. Die beiden Begleitmusiker überbrücken jede Pause hervorragend und unterstützen die Gesänge. Futuristisch und à la Jean-Michel Jarre wird auch die Laser-Orgel gespielt, der einzige Ausflug aus dem Fasnachtskosmos heraus.

Die Stubete nimmt nach Pause erst richtig Tempo auf

«S’Läggerli» ist eine Vorfasnacht, die als zusammenhängendes (Theater-)Stück neue Wege geht. Almi hat sich modernisiert, ohne seine Wurzeln zu vergessen. Witzig auch sein eigener Humor, als seine Figur Freddy sagt: «Fasnachtskiechli ligge mer immer so uf».

Schade, dass die Stubete erst nach der Pause so richtig Tempo aufnimmt. Der «Nüsslisong» vor der Pause geht akustisch unter, leider auch sonst mal das eine oder andere Wort. Das sind Dinge, die aber bereits auf die nächste Vorstellung hin verbessert werden können.

Der Lohn am Schluss war die Standing Ovation des Premièren-Publikums. Dazu haben auch die Texter Aernschd Born, Martin Schwitter und Markus Back, der auch Regie führte, sowie die Kompositionen von Arth Paul, Phil Danker und Urs Rudin beigetragen.