Almi und Salvi stehen gleich zu Beginn vor einem unlösbaren Rätsel: Wie findet man heraus, wem eine Fasnachtslaterne gehört, wenn darauf der Cliquenname fehlt? Sie probieren es, in dem sie die Verse auf der Laterne zu deuten versuchen: «Liebe Conti, ich ha e Bitt – nimm die Andere au grad mit.»

Der Cliquenname bleibt auch nach einem bösen Seitenhieb an eine Bank mit Hauptsitz am Aeschenplatz ungelöst: «Ob ich arm bi oder rich – weiss mi Nochber mehr als ich.» Das Rahmestiggli «Scheeni Fasnacht» lädt das Publikum des Fasnachtskiechli im Scala Basel auf eine zweistündige Reise durch Basel und die Fasnacht ein.

Dabei halten Almi und Salvi zusammen mit Regisseur Aernschd Born das, was sie in den Wochen vor der Premiere am Dienstagabend versprachen: Lacher für jeden Geschmack – laut, leise und nachdenklich. Dabei sorgt das Bühnenbild in Form einer grossen Laterne für passende Sujethintergründe.

Das Fasnachtskiechli kommt rasant daher. Almi und Salvi geben sich nicht lange Zeit, um zwischen den Darbietungen durchzuatmen. Es macht es umso sympathischer, dass die Umbauarbeiten der beiden Helfer auf der Bühne nicht hinter dem Vorhang oder in der Dunkelheit stattfinden. Die Anzahl und Grösse der Requisiten bleibt dabei meistens klein. Das Fasnachtskiechli ist Almi und Salvi pur. Die Bissigkeit, die das Duo schon immer auszeichnete, ergänzt es mittlerweile mit sanften, zum Nachdenken anregenden Tönen.

Diese haben Almi und Salvi am diesjährigen Fasnachtskiechli auf ein neues Niveau gehoben. Besonders hervorzuheben ist dabei die Darbietung von Almi als Fährimaa. Dieser will als König von Basel neue Reglemente einführen, mit denen alles perfekt würde. I

Im Zentrum stehen dabei Verbote und Abrisse von Institutionen. Kein Dreck, keine Partys, kein Verkehr. Die Einsicht der toten Stadt trifft ihn am Ende. Das Premierenpublikum dankte dem Fährimaa für dessen nachdenklich stimmende Verse mit lautem Applaus.

Almi als Hofgarde der Queen

Nahezu vom Hocker rissen das Publikum Ruedi, der zum ersten Mal ans Basel Tattoo will, und Megge, der ihn von seinen Eindrücken aus den vergangenen Jahren erzählt. Die Persiflage auf Erik Julliard’s Tattoo ist schlicht grandios. Almi macht sich dabei in grossartiger Manier lustig über die reitende Hofgarde der englischen Queen, über die alljährliche «Formationsaerobic» am Tattoo und über Top Secret als «Marionettentruppe von Erik Julliard». Was zuerst aussieht, als würden sie das Tattoo wirklich niedermachen, entpuppt sich am Ende als ein Kompliment an den Grossanlass.

Der zweite Teil kann das hohe Niveau des ersten Teils nicht ganz halten. Durchhänger fehlen aber gänzlich. Das Stück «Santiglaus und Schmutzli» bedient sich zwar an vielen Klischees über Ausländer, bleibt aber gerade noch so über der Gürtellinie.

Dafür besticht das «Urneli» umso mehr, die Fasnachtskiechli-Ausgabe von 2064 mit den steinalten Almi und Salvi. Sie singen darin Schnitzelbänke im Altersheim und dabei pfeift Salvi aus dem letzten Loch seines Atems die Handörgelitöne. Jeder Bangg sitzt, das Publikum tobt.

Vielseitige Fasnachtsmusiker

Neben all den Schauspieleinlagen kommt auch die Fasnachtsmusik nicht zu kurz. Salvi pfeift solo den «Heime zue», Almi paukt im Frack den «Retraite». Den «Choderi» pfeifen und trommeln sie dem Namen entsprechend stark erkältet. Das Husten, Niesen und Naseziehen passen dabei perfekt in den Marsch. Dem «Läggerli» spielt Salvi auf dem Sousaphon, Almi auf der mit einem Tuch bedeckten Trommel, was ein ungewöhnliches, aber gelungenes Zusammenspiel ergibt.

Das Premierenpublikum dankte dem Fasnachtskiechli-Team für zwei Stunden tolle Unterhaltung mit einer Standing Ovation.