Gastronomie

Almis neue «Fasnachtsstuube»: Vorsicht! Noch mehr Fasnacht wäre ungesund

Almis «Fasnachtsstuube» ist eine rauschende Widmung an des Baslers liebste Jahreszeit – jetzt erhält sie auch noch den Humorpreis 2019. Das ist viel Lob für eine Beizen-Eröffnung. Doch das Konzept überzeugt.

Basel kriegt einfach nicht genug davon. Oder hat Basel einfach nicht genug davon? Larven, Goschdym, Fasnachtshelgen a gogo, Historisches, Modernes, dazu ausgewählte Kuriositäten und Memorabilia ehemaliger Schnitzelbangg-Grössen: In der neu eröffneten «Fasnachtsstuube» füllen sie Vitrinen, Schaufenster, Regale. Der ehemalige «Pinguin» ist zu einer Sujet-Beiz im besten Sinn geworden, einem durch und durch konzipierten Themenlokal.

Dass dahinter ausgerechnet der stadtbekannte Spassvogel Patrick «Almi» Allmandinger steckt, hatte zuerst irritiert: Was will dieser einschlägig bekannte Komiker mit einer Beiz? Kann er das? Immerhin ist er szenebekannt. Almi produziert mit dem «Läggerli» seine zweite Vorfasnachtsveranstaltung, nachdem sich er und Bühnenpartner Renato Salvi getrennt und das «Fasnachtskiechli» eingestellt hatten.

Was bei weniger liebevoller Umsetzung Gefahr laufen würde, zu einer Rumpelkammer fasnächtlicher Relikte zu werden, ist zu einem kleinen Museum am Rand der historischen Innenstadt geworden. Man kreuze dies mit einer Bewirtung im Stil einer Vereinsbeiz, würze es mit ausreichend Eventcharakter (inklusive Morgestraich-Schalter) und voilà, die Basler «Fasnachtsstuube».

Kaum offen, erhält die Beiz den Humorpreis 2019

Jetzt trifft auch noch die erste urkundliche Segnung ein. Die Walter Pfister Stiftung, die humoristisches Schaffen in der Region Basel auszeichnet, verleiht Almi den Humorpreis 2019. In der Würdigung heisst es: «Die Basler Fasnacht erhält somit einen multifunktionalen Showroom, in dem Touristen und fasnachtsbegeisterte Einheimische in die Spezialitäten der Basler Fasnacht eingeweiht werden.» Der Preis ist mit 5000 Franken dotiert und wird jährlich verliehen.

Nun sitzt Almi sichtlich vergnügt in der Beiz, die er mit seinen Geschäftspartnern Rolf Tschan und Heinz Zimmermann führt. 70 Plätze umfasst das Lokal, 50 vorne, 20 hinten. Das reichte kürzlich knapp, um im Barbereich einen knapp 50-köpfigen Stammverein unterzubringen, sagt Almi, es werde dann einfach gemütlich. Kulinarische Höhenflüge hat das Lokal keine parat, mit Käse- und Zwiebelwähe, Mehlsuppe, Wurstwaren, Fleischbrättli und Fondue bleibt die Karte fasnachtsklassisch solide, auf einen Koch kann verzichtet werden.

Kann es denn in Basel je zu viel der Fasnacht sein?

Es ist also – im besten Sinn des Wortes – erschlagend authentisch in der «Fasnachtsstuube» Und das geht so: Almi demonstriert den Morgestraich-Schalter. Das Licht geht aus, nur noch die bemalten Laternen leuchten. Almi lässt die Jalousien runter: Es kommen Fasnachtsszenen im Gegenlicht zum Vorschein. Almi wirft die Lautsprecher an: Es pfeift, trommelt, schränzt. Das ist noch furchtbar viel kitschiger als es klingt – und es ist perfekt. «Die Touristen finden sowas irrsinnig», sagt Almi mit Bühnengrinsen: «Aber nicht nur die.» Dazu ist die Vermarktungskette erweiterbar: Das Lokal soll auch Ankerpunkt für Gäste seiner Vorfasnachtsveranstaltung sein und ein Hafen für Trinkfeste während der Fasnacht.

Denn in Basel ist es ja immer noch ein bisschen so, wie es Walter Grieder und Maria Aebersold anno 1968 in ihrem Bildband «Die verzauberte Trommel» beschrieben. Drei Tage im Jahr liegt die Stadt am Rhein im Schosse Frau Fasnachts: bunt, verrückt, laut und fröhlich – nur um dann wieder in Kellern und Kisten zu verschwinden. In Almis Beiz hingegen ist sie nun nicht nur ganzjährig beschau-, sondern auch erlebbar. Wie mit allem Fasnächtlichem aber auf eigenes Risiko, wohlgemerkt.

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