Biografie
Almis Selbstvertrauen ist lückenlos: «Schon in der Schule fiel ich durch meine selten witzige Art auf»

Der Basler Komiker veröffentlicht eine Biografie mit Höhen und Tiefen. Er erzählt über intime Momente und lobt sich selbst.

Olivia Meier
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«Dieses knorrige Gesicht. Faltig. Nicht schön.»: So beschreibt Minu im Vorwort der Biografie Almi.

«Dieses knorrige Gesicht. Faltig. Nicht schön.»: So beschreibt Minu im Vorwort der Biografie Almi.

Marc Gilgen

Da steht Almi. Er hebt die Trommelschlegel, die Uhr schlägt vier. Auf dem Innenhof einer Kaserne in Thun beginnt er den Morgenstraich zu trommeln. Almi findet es cool, «wollte sich diesen Moment einfach nicht nehmen lassen.» Seine Mitsoldaten und Befehlshaber finden es wahrscheinlich eher nicht cool. Cool und toll findet Almi sich oft. Das ist seiner Biografie «Lückenlos», die heute Vernissage feiert, zu entnehmen.

Das Buch wurde vom freischaffenden Autor Silvio Panosetti geschrieben und erzählt die Lebensgeschichte des 51-jährigen Komikers und Kabarettisten. Mit einem Vorwort von Minu beginnt das 207-seitige Werk. Was fällt einem zu Almi ein, fragt er sich. «Dieses knorrige Gesicht. Faltig. Nicht schön.» Aber, «dann sind da diese Augen, die lachen. Schreien. Auch weinen» kommt er zum Schluss. Das Buch hat 21 Kapitel. Wer sich vor dem Lesen ein wenig mit Almi beschäftigt hat, interessiert sich wahrscheinlich vor allem für Nummer 1 und für Nummer 21. Das Knie-Debakel und das Ende des «Fasnachtskiechli».

Wie Almi seine grosse Chance sah, im Zirkus Knie zu einem international berühmten Komiker zu werden und dann rausgeworfen wurde. Weil er über das Liebesleben von Robert Knie und seiner damaligen Freundin Prinzessin Stéphanie von Monaco nicht alles ausplaudern wollte und der Blick daraufhin eine Kampagne gegen ihn fuhr.

«Dieses knorrige Gesicht. Faltig. Nicht schön.»: So beschreibt Minu im Vorwort der Biografie Almi.

«Dieses knorrige Gesicht. Faltig. Nicht schön.»: So beschreibt Minu im Vorwort der Biografie Almi.

Marc Gilgen

Zitate aus allen Medien

Beinahe tut er einem nach dem Lesen dieser Zeilen leid. Dann aber wieder viel Selbstlob und Rechtfertigung, die das Mitleid verschwinden lassen: «Ich hatte ja noch keinen Namen» oder «Im Zirkus spielt man in einer «360-Grad-Position»... Damit hatte ich natürlich keinerlei Erfahrung.» Wie im ganzen Buch sind auch hier besonders viele Zitate aus anderen Medien zu lesen. Oft werden ganze Absätze aus «Blick», «Basler Zeitung» oder «Basler Stab» übernommen. Sie untermalen die Geschichte und die Stimmung zu der jeweiligen Zeit zwar gut, kommen jedoch häufiger als nötig vor.

Die Sprache des Buches ist einfach. An manchen Stellen scheint es, als spräche Almi selbst zum Leser. Nach dem Knie-Debakel folgt das Buch Almis Lebensweg. Die Geburt als uneheliches Kind, die Adoption durch die eigenen Grosseltern, die Lehre als Coiffeur. Almi gibt intime Einblicke in seine Sorgen und Wünsche. Schon von Anfang an sei klar gewesen, dass Almi auf die Bühne muss. «Schon in der Sekundarschule fiel ich durch meine unterhaltsame und nicht selten witzige Art auf.» Dann seine Zeit im Häbse-Theater, seine Soloprogramme und seine Liebe zu HD Läppli. Treffend umschreibt der Autor Almi als jungen Soldaten. Tollpatschig und stur wie HD Läppli selbst.

In seiner Biografie arbeitet Almi zwar heraus, was nicht gut gelaufen ist, findet jedoch immer wieder Rechtfertigungen. Beispielsweise bei seinem eigenen Song, der 1999 erschien und nicht so gut ankam wie gedacht. Der Text sei nicht jugendfrei gewesen, er habe sich «inhaltlich an Grenzen» gehalten und Almi sei beim besten Willen kein Sänger. Das sei jedoch in Ordnung gewesen, da es sich um eine Comedy-Nummer handelte.

Auf einigen Seiten sind Grussbotschaften von Almis Freunden, ehemaligen Arbeitskollegen und Basler Persönlichkeiten zu lesen. Die Geschichten erzählen manchmal lustige Anekdoten aus Almis Leben, sind aber oft eine Aufzählung von Almis Sonnenseiten und seinem künstlerischen Talent, das schon im ganzen Buch hervorgehoben wird.

Was «Almi und Salvi»-Fans wohl interessiert: Wie kommt Renato Salvi, Almis langjähriger Bühnenkollege, in «Lückenlos» weg? Besser als erwartet. Salvi und er waren sehr lange als Komiker Duo unterwegs, trennten sich zwischenzeitlich und riefen 2008 schliesslich die Vorfasnachtsveranstaltung «Fasnachtskiechli» ins Leben. Anfang Jahr verkündeten sie, dass sie ihre gemeinsame Karriere nun beenden würden.

Almi sagte im Interview mit der bz: «Zusammen Bierli trinken werden wir nicht mehr.» Wer aber erwartet, dass er «die grosse Schmutzwäsche auspackt» würde enttäuscht, schreibt er. Es habe gute Zeiten gegeben, Renato und er seien jedoch «zwei völlig verschiedene Typen». Trotz der milden Worte liess Salvi sich wohl nicht dazu überreden, auch eine Grussbotschaft für «Lückenlos» zu schreiben.

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