Gestaltungskonzept
Alpen-Sandstein und Rhygwäggi sollen künftig Basler Innenstadt prägen

25 Jahre, zwei Jahrtausende, oder drei Baudirektoren lang wurde am Gestaltungskonzept herumgebastelt. Nun liegt es also vor. Die Basler Innenstadt soll in Zukunft von einem Stein aus den Alpen und den Rheinwacken aus dem «Bach» geprägt sein.

Nicolas Drechsler
Drucken
Teilen
Der Prüfstein für das Gestaltungskonzept: Die Greifengasse macht wohl den Auftakt.

Der Prüfstein für das Gestaltungskonzept: Die Greifengasse macht wohl den Auftakt.

Die Basler Innenstadt soll in Zukunft geprägt sein von einem Stein aus den Alpen, dem Alpnacher Quarzsandstein und den Rheinwacken aus dem «Bach». So sieht es das neue Gestaltungskonzept Innenstadt (GKI) vor, das Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) gestern zusammen mit Pro-Innerstadt-Chef Mathias F. Böhm den Medien vorstellte. Es sei «ein Kochbuch», das Leitplanken vorgebe, sagte Martina Münch, die Leiterin der Abteilung Gestaltung Stadtraum im Bau- und Verkehrsdepartement (BVD). «Für jedes einzelne konkrete Projekt muss man dann im Detail justieren, was passt». Das Konzept teilt die Stadt in den inneren und den äusseren Perimeter, die mehr oder weniger dem Verlauf der inneren und der äusseren Stadtmauer entsprechen. Hier werden «Stadträume» definiert. Zum Beispiel die Typen «Stadtstrasse», «Gasse» oder «Stadtplätze».

Je nach Typ des Raums gibt es verschiedene Fixpunkte, innerhalb derer dann gestaltet werden kann. Eine Strasse mit Tramgeleisen beispielsweise muss im Zentrum geteert sein. «Pflastersteine und Tramschienen, das verträgt sich nicht», erklärte Münch. Die Erschütterungen würden die Steine «herausrütteln». Beim Beispiel Greifengasse (Bild) ist deshalb zwischen den Schienen ein Schwarzbelag vorgesehen. Darauf folgt eine leichte Kante und dann breite Fussgängerflächen aus Alpnacher Quarzsandstein. Dieser Stein stammt aus Steinbrüchen in Obwalden, dem Tessin oder Norditalien und sieht aus wie schwarzer Granit mit Einschlüssen. Er soll in grossen, länglichen Platten gesetzt werden und zwar nicht in sturen Längsmustern, sondern «so, dass es etwas lebendiger wirkt». Diese Gestaltung wird wohl auch für die Achse Falknerstrasse-Steinenberg gewählt werden, oder für die Aeschenvorstadt, wo ebenfalls auf den Tramverkehr Rücksicht genommen werden muss.

«Freie» kommt bald dran

Eine zweite Gestaltungsvariante wäre eine durchgehende Pflästerung, beispielsweise in der Freien Strasse oder aber eine Mischform aus Platten und den Rheinwacken, die bereits auf dem Münsterplatz liegen. Die Freie Strasse gehört zusammen mit der Greifengasse, der Rheingasse, der Grünpfahlgasse und der Clarastrasse zu den ersten Strassenzügen, die im Jahr 2017 in den Genuss einer Umgestaltung kommen. Damit dürfte dann auch der seit 15 Jahren in der Freien Strasse liegende Testbelag verschwinden, der dort als Inspiration für das Gestaltungskonzept dienen sollte.

Apropos Tests: Wenn was lange währt, endlich gut wird, dann muss die Basler Innenstadt in Zukunft ein wahres Paradies sein, ein Götterhain, ein echter Locus amoenus. 25 Jahre, zwei Jahrtausende, oder drei Baudirektoren lang wurde am Gestaltungskonzept herumgebastelt. Nun liegt es also vor. Seine Umsetzung wird wohl weitere Jahrzehnte dauern, denn «wir reissen keine Strasse nur wegen der Umgestaltung auf», betont Hans-Peter Wessels. Die Umgestaltung folge dem normalen Sanierungsrhythmus. Will heissen, wenn an einer Strasse etwas saniert werden muss, dann wird auch die Oberfläche nach dem neuen «Kochbuch» gestaltet.

Jahrzehntelanger Prozess

Das heisst beispielsweise, dass der Marktplatz noch lange in seiner bisherigen Form verharren wird. Beim Barfüsserplatz sieht es ähnlich aus. «Nein, im Rahmen des Erweiterungsbaus des Stadtcasinos werden wir den Platz wohl nicht neu gestalten», sagt Wessels. Das Ziel sei es, möglichst wenig Baustellen zu generieren, nicht möglichst viele.

Für die erste Tranche der Erneuerungen budgetiert das BVD 24,5 Millionen Franken. Diese muss der Grosse Rat aber erst noch bewilligen. Ebenso wie weitere zwei Millionen für einen Gestaltungswettbewerb für zwei Stadtplätze, den Rümelins- und den Claraplatz. Hier wolle man nicht einfach anhand des GKI eine Gestaltung verfügen, sondern zusammen mit Architekten, aber auch den Anwohnern und dem Gewerbe nach möglichst idealen Lösungen suchen. «Sie werden ohnehin nie alle Ansprüche an einen öffentlichen Platz befriedigen können», meinte Münch. Das sei aber kein Grund, nicht zumindest zu versuchen, diesem Idealzustand so nahe wie möglich zu kommen.

Das Gewerbe freut sich auf die neue Gestaltung. Mathias F. Böhm hofft auf «möglichst hohe Aufenthaltsdauer und damit auch Aufenthaltsqualität im Zentrum.» Ihm sei der Ansatz des Konzeptes wichtig, dass es zwar eine gestalterische Klammer über die gesamte Innenstadt gebe, aber nicht alle Strassen über einen Kamm geschoren würden. «Die Rheingasse wird nie eine ‹Staine› werden. Hier ist es kleiner, urbaner, trendiger.» Und das müsse man auch der Gestaltung anmerken.

Diese Individualität sei mit dem GKI nun gewährleistet.