Ich muss zugeben, ich habe den Service das erste Mal im Flughafen Zürich gesehen. Hinter mir stand beim Einchecken eine junge, anscheinend vielgereiste Frau, die ihren Koffer dick in Plastik hatte einschweissen lassen. Sie war auf dem Weg nach Neuseeland oder Australien, so genau weiss ich das nicht mehr, und wollte verhindern, dass ihr Gepäck beim Zwischenstopp in Asien für Drogenschmuggel genutzt oder sie bestohlen wurde.

Ich habe dann in einer Ecke der Halle einen kleinen Laden mit Reisezubehör und einer Art grossen Teller gesehen, auf den die Koffer gestellt wurden, um sie mit Plastik zu umwickeln. Keine Sorge, laut Aussage des Anbieters «Safe Bag», ist der Kunststoff rezyklierbar.

Die Inhaber der wunderschönen Reisetruhen, die in dem neuen Museum «Le Musée du Bagage» im nordelsässischen Haguenau ausgestellt werden, hätten den Service bestimmt genutzt, um ihre Kunstwerke bei Reisen mit der Postkutsche oder dem Schiff vor hässlichen Kratzern zu schützen. Die Sammlung ist eine Schenkung des Ehepaars Marie und Jean-Philippe Rolland an die Stadt, die 600 Koffer und Truhen vom 18. Jahrhundert bis 1960 zusammengetragen haben. Das Museum ist im alten Gebäude von 1840 der Nationalbank Banque de France untergebracht.

Ich gebe zu, wenn man nicht gerade sowieso in Strassburg ist, ist Haguenau ein wenig weit – es liegt rund 30 Kilometer nördlich von der Europastadt. Auf der Internetseite des Museums gibt es einen Film, der zeigt, wie man eine Truhe baut. Ausserdem sieht man einige schöne Ausstellungsstücke wie die älteste Truhe von Louis Vuitton von 1866, die man zu einem Bett umfunktionieren konnte. Eindrücklich ist auch die Truhe, die wie ein Wandschrank aussieht und von 1890 stammt. Die erste Linienschiff-Verbindung von Europa in die USA dauerte übrigens 1830 25 bis 30 Tage. Mit dem Dampfschiff brauchte man dann ab 1845 noch zehn Tage und kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs schaffte man es in weniger als sechs Tagen nach New York.

Den Einschweiss-Service von Gepäck hat es auch auf dem Euro-Airport (EAP) gegeben – und zwar ab Juli 2012 beim Abflug, Halle 1, auf der französischen Seite. «Im Herbst 2013 wurde er eingestellt, da es zu wenig Nachfrage gab», berichtet EAP-Mediensprecherin Vivienne Gaskell. Sie erklärt sich das so, dass der EAP anders positioniert ist als Zürich. Hier gebe es vorwiegend Punkt-zu-Punkt Verbindungen. «Hinzu kommt der Trend, dass viele Passagiere den Koffer in die Kabine mitnehmen und gar nicht abgeben. Was die Langstrecken angeht, haben wir einzelne Verbindungen direkt nach Montreal sowie Flüge zu grossen europäischen Hubs wie Frankfurt, München, Amsterdam etc, wo umgestiegen wird.»

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich selber auch noch nicht auf die Idee gekommen wäre, meinen Koffer einschweissen zu lassen. Aber vielleicht das nächste Mal in Zürich?

Musée du bagage Mi-So 14–17.30 Uhr, Haguenau, 5, rue Saint-Georges. www.museedubagage.com