«Dasch mer e schöne Mischt!» Das waren am Sonntag nach den Nationalratswahlen die ersten Worte, die ein bewundernswert fitter älterer Herr dem Wahlkampfteam der Bürgerlichen an den Kopf warf. Und die standen da, wie begossene Pudel und wussten, er hat recht.

Er, das ist der ehemalige CVP-Parteipräsident von Basel-Stadt, Grossrat und Regierungsrat Eugen Keller. Und dieser Doyen der Basler Bürgerlichen feiert heute Dienstag seinen 90. Geburtstag. Genauso, wie er schon seinen 80. beging, nämlich bei ausgesprochen guter Gesundheit. Wer Eugen Keller zu erreichen versucht, ist sich Antworten gewohnt wie «Jä das machi gärn, aber jetzt gangi grad ind Ferie.» Oder er geht Tango tanzen, ein Hobby, das er mit über 80 Jahren für sich entdeckte. Oder er hat einen Anlass der Kirche. Oder es steht etwas anderes an. Eugen Keller, das ist einer jener Senioren mit einem Tagesprogramm, das manch einen deutlich Jüngeren verzweifeln lassen würde.

Klassische Karriere

Keller war von 1960 bis 1972 Mitglied des Grossen Rates, den er im Amtsjahr 70/71 auch präsidierte. 1972 wurde er in den Regierungsrat gewählt. Dort stand er zunächst vier Jahre dem Sanitätsdepartement vor, bevor er 1976 Baudirektor wurde. In den darauffolgenden 16 Jahren prägte er das Gesicht der Stadt Basel mit einer ganzen Reihe von Grossprojekten. Die Stadtautobahn mit dem Ypsilon zwischen Hagnau, Luftmatt und deutscher Grenze, inklusive der Planung der Nordtangente. Der Masterplan Bahnhof. Die neue Wettsteinbrücke. Der Begründer der IWB und nicht zuletzt der Mann, der den Weg zum Atomstrom-freien Basel einschlug, obwohl er eigentlich immer ein Befürworter der Kernkraft gewesen war.

Der ausgebildete Bauingenieur durfte 1976 den Tinguely-Brunnen in Betrieb nehmen und war stark in die Planung der Ausstellung Grün 80 eingebunden. Andererseits machte er sich nicht nur Freunde, als er der Alten Stadtgärtnerei am St.-Johanns-Tor zu Leibe rückte. Und auch seine Haltung, die Wettsteinbrücke nicht durch den modernen Entwurf von Santiago Calatrava zu ersetzen, sondern durch den heutigen, eher zweckorientierten Bau, bringt die Anhänger kunstvoller Architektur bis heute auf die Palme. Allerdings, das Volk hatte Keller hier auf seiner Seite.

Aber Keller wirkt weit über seine Amtszeit hinaus prägend: Noch als es 2014 darum ging, eine Nachfolge für den zurückgetretenen Regierungsrat Carlo Conti zu finden, war rasch klar, wer dabei das Ruder in die Hand nehmen würde: Eugen Keller. Wann immer die Partei strategischen Rat braucht, ist der ehemalige Sanitäts- und Baudirektor die erste Anlaufstelle.

Heute aber soll Eugen Keller feiern. Alles Gute zum Geburtstag!