Margarethen
Alte Kunschti Margerethen liegt auf dem Sterbebett

Im Frühjahr 2015 soll definitiv Schluss sein. Die altehrwürdige Kunsteisbahn Margarethen soll einer neuen, moderneren Anlage weichen. Die Basler Behörden müssen schon jetzt Hand anlegen, damit in den nächsten zweieinhalb Jahre kein Risiko besteht.

Leif Simonsen
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Ein Angestellter des Basler Sportamts spricht davon, dass es sich bei den geplanten Massnahmen nur noch um «Leichenpflege» handle. «Seit Jahren heisst es, dass es nun mit dem Umbau voran geht. Irgendwann vor zehn Jahren ist einer mit einem Kübel Farbe vorbeigekommen - aber das wars dann schon.» Isabelle Rihm, externe Sprecherin von Immobilien Basel-Stadt bestätigt Recherchen der bz, wonach diverse Sofortmassnahmen durchgeführt werden müssen und mussten. Dass diese nötig seien, hätte eine interne Bauwerksprüfung ergeben. So hätten zum Beispiel «diverse Rissschäden beim Beton im Gebäude» repariert werden müssen - damit die Sicherheit «verbessert» werde. Weitere dringende Sanierungen sollen voraussichtlich ab Sommer 2014 erfolgen.

Neue Kühlanlage

Wie es in der erdbebengefährdeten Region Basel derzeit um die Sicherheit des Gebäudes steht, sei schwierig zu beurteilen. Rihm verweist lediglich darauf, dass «die geltenden gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden». Eine Aussage zu den möglichen Schäden bei einem Erdbeben sei «hypothetischer Natur».

Dennoch: Die Erdbebenertüchtigung des in die Jahre gekommenen Gebäudes gehört zu den vordringlichsten Aufgaben des 2015 beginnenden Grossprojekts. Klar ist zum jetzigen Zeitpunkt, dass das Kunschti-Konzept das Gleiche bleibt wie heute. Die Eisflächen und Tribünen bleiben in der heutigen Form erhalten. Dies ist eine reichlich konservative Variante, nachdem bis vor ein paar Jahren noch die Idee herumgegeistert ist, unter dem 6000 Quadratmeter grossen Eisfeld eine Autoeinstellhalle und ein 50-Meter-Schwimmbecken zu bauen. Die baufällige Tragplatte der Eisfläche soll jedoch komplett ersetzt werden. Zudem soll die bestehende Kühlungsanlage, die mit dem ätzenden Kühlgas Ammoniak betrieben wird, ersetzt werden.

Neuere Anlagen ohne Ammoniak

Mit Ammoniak betriebene Kühlungsanlagen werden beim Bau neuer Kunsteisbahnen allgemein gemieden - nicht zuletzt, weil ein Austreten des Giftgases äusserst gesundheitsschädigend wäre. Auf dem dicht bewohnten Stadtgebiet wäre ein Unfall besonders folgenreich. Gezählt sind daher auch die Tage der Ammoniakanlage auf der Kunsteisbahn Eglisee (siehe Box unten). Wie aber die neue Kühltechnik auf der Kunschti aussehen wird, ist noch unklar. Derzeit liefen «entsprechende Prüfungen», wie Rihm erklärt. Welche Kosten auf den Kanton zukommen, könne ebenfalls erst nach Abschluss des Vorprojekts, also Ende 2013, gesagt werden.

Für die Hobbyschlittschuhläufer, die um die rare Eiszeit kämpfenden Hockeyteams und Eiskunstläuferinnen werden die Arbeiten vor und hinter den Kulissen keine Auswirkungen haben. «Vereine werden weiterhin ihre Trainings abhalten, der öffentliche Kunsteislauf immer noch stattfinden wie bisher», verspricht Isabelle Rihm.

Kunsteisbahn Eglisee

Die Kunsteisbahn Eglisee kühlt seine Anlage ebenfalls mit Ammoniak. Das ist problematisch, da die Eisbahn teilweise in einer Grundwasserschutzzone liegt. Die Kontrollstelle für Chemie- und Biosicherheit bewilligt den Betrieb nur noch bis 2014. Im Juli hat Regierungsrat Christoph Eymann eine Alternative vorgestellt. Sie sieht vor, den Rasen des Gartenbads mit einem Kunststoff-Gitter zu unterlegen. Darin sind Röhrchen eingebaut, durch welche ein Kältemedium zirkuliert. «Das Eisfeld gestaltet sich wie ein gefrorener Weiher und schmiegt sich in die Landschaft des Gartenbades», sagte Eric Hardmann, Leiter der Basler Sportanlagen und Erfinder des «Energie-Rasengitters», im Sommer zur bz. Bis 2013 sollen die Planungen abgeschlossen sein. (EWI)

Kunsteisbahn Sissach

Die Gemeinde Sissach informierte gestern, dass an der Überdachung der Kunsteisbahn kurzfristig Sanierungsarbeiten vorgenommen werden müssen. Auch Sissach verwendet zur Kühlung Ammoniak. In einer geschlossenen Halle wäre dies nicht erlaubt. Vor sieben Jahren wurde das Eisfeld überdacht. Um dessen Sicherheit zu garantieren, werden bauliche Massnahmen ergriffen. Weitere Sanierungen sind nicht geplant. In die achte Saison nach dem grösseren Umbau startet die Kunschti zuversichtlich. «Momentan haben wir das Gefühl, dass Eislaufen an Popularität gewinnt», sagt Nico Wunderlin, Mitglied der Betriebsleitung. Letzte Saison habe die Kunsteisbahn dank der kalten Monaten Januar und Februar massiv mehr Besucherzuspruch erfahren. (EWI)

Eissporthalle Laufen

Auf der Kunsteisbahn Laufen gibt es seit diesem Sommer eine Neuheit: Auf dem Dach ist eine Solaranlage installiert. 1993 eröffnete Laufen die Eisbahn. Das Kühlungssystem wurde nach den damaligen Vorschriften gebaut. Der Eismeister Hans-Ueli Schärer erklärt: «Es gibt einen primären Kreislauf mit Ammoniak im Maschinenraum und einen sekundären Kreislauf mit Wasser-Glykol unter der Eispiste. So ist Ammoniak nie dort, wo sich die Leute aufhalten.» Die Kunschti Margarethen dagegen wird bis heute mit einem Kühlungssystem betrieben, dass schon vor 20 Jahren nicht mehr erlaubt war. Laufen ist gut in die neue Saison gestartet: Schulklassen profitieren oft vom Gratis-Eintritt, der ihnen beim ersten Besuch offeriert wird. (EWI)

St.Jakob-Arena Basel

Wo sonst die Spieler des EHC Basel übers Eis sprinten, kann am Montag-, Dienstag-, Donnerstag- und Freitagnachmittag auch die Öffentlichkeit eislaufen. «Dieses Angebot wird intensiv genutzt», sagt die Medienbeauftragte von Basel United, Andrea Roth. Am Donnerstag könne zudem «gestöckelt» werden. Vor allem Eiskunstläufer, Schüler, Familien und Sportstudenten profitieren regelmässig vom dieser Möglichkeit. Die Arena sei noch sehr modern, es würden höchstens Unterhaltsarbeiten anstehen, sagt Roth. Gekühlt wird im Stadion mit einem Zwei-Kreislaufsystem: Ammoniak zirkuliert auch da nicht unter dem Eis, sondern im primären Kreislauf. Letzten Sonntag feierten rund 4500 Besucher das 10-jährige Bestehen der St. Jakob-Arena. (EWI)