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Ältester Atomreaktor wird abgeschaltet - Uran wird in die USA transportiert

Der 1959 in betrieb genommene Atomreaktor im Keller des physikalischen Instituts der Uni Basel hat ausgedient. Die Anlage soll bis Ende Jahr ausser Betrieb genommen werden. Das waffenfähige Uran wird mit einem Sammeltransport in die USA verschifft.

Janine Müller
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Der älteste Atomreaktor der Schweiz muss dem Uni-Neubau weichen.

Der älteste Atomreaktor der Schweiz muss dem Uni-Neubau weichen.

staatsarchiv.bs.ch

1959 wurde der Atomreaktor im physikalischen Departement der Universität Basel in Betrieb genommen (siehe Box). Jetzt hat er ausgedient. Die Anlage soll bis Ende Jahr stillgelegt werden, das waffenfähige Uran aus der Schweiz geschafft werden.

Der Reaktor

Die Uni Basel war in den 1950er-Jahren führend in der Kernphysik. Die Uni erwarb 1959 den Kernreaktor vom Typ AGN 211 von der amerikanischen Firma Aerojet General Nucleonics. Der stand als Ausstellungsstück der Weltausstellung 1959 in Brüssel. Der Reaktor wurde anschliessend nach Basel in den Kohlenkeller der Physikalischen Anstalt eingebaut. Zwei Kilogramm stark angereichertes Uran sind darin enthalten, zehnmal zu wenig für eine Atombombe. Über den Rückbau des ältesten Reaktors der Schweiz wurde bereits 2006 diskutiert. Nun soll Ende Jahr Schluss sein. (jam)

Diesbezüglich schmiedet die Universität Basel bereits Pläne. Im Februar 2014 sollen die rund zwei Kilogramm Uran, welches auf 90 Prozent angereichert ist, mittels Sammeltransport in die USA geschifft werden. Es geht dorthin zurück, woher es einst herkam. Die USA sind denn auch der einzige Staat, der derartiges Material annimmt. Allerdings auch nur bis im Jahr 2016. Dann laufe das Rückführungsprogramm aus, sagt Reto Caluori, Sprecher der Universität Basel.

Wie das Uran ausser Landes geschafft wird, ist noch unklar. Im Februar 2014 gäbe es einen Sammeltransport ab Cherbourg in der Normandie (F). Die Uni müsste in diesem Fall die Transportkosten bis in die Normandie übernehmen, anschliessend wären die USA dafür verantwortlich. Wie der Transport nach Frankreich genau ablaufen soll, sei momentan noch Gegenstand von Abklärungen, sagt Caluori. Entsprechende Offerten werden eingeholt. Ein externes Expertenteam müsse dafür zusammengestellt werden.

Wissen geht verloren

Die USA werden das Uran, welches für den Bau von Atomwaffen geeignet wäre, abreichern und dann lagern, heisst es vonseiten der Universität. CVP-Grossrat Remo Gallacchi äussert sich kritisch dazu. «Wer kontrolliert denn, ob die USA das wirklich tun? Die machen so oder so was sie wollen.» Gallacchi bedauert das Ende des Basler Reaktors.

Im Mai reichte er eine Interpellation ein. «Es geht mit der Stilllegung viel Wissen verloren. Wissen um eine Materie, welches wir auch in vielen Jahren noch brauchen könnten.» Es brauche auch in Zukunft noch Leute, die wissen, wie man mit diesem Material umgehe. Innerhalb des physikalischen Departements wehrten sich gemäss Aussage von Alex Eberle, Vizerektor für Entwicklung, die Reaktor-Betreuer Bernd Krusche und Jürg Jourdan.

Auch Swissnuclear, die Fachgruppe Kernenergie der Swisselectric, bedauert die geplante Stilllegung des ältesten Reaktors der Schweiz. «Neben seiner Anwendung in der Forschung bietet der Reaktor auch die Möglichkeit, die Ausbildung der Operateure der Schweizer Kernkraftwerke zu ergänzen», heisst es bei Swissnuclear auf Anfrage der bz. Der Reaktor sei während des Betriebs gut zugänglich und mache so die Reaktorphysik anschaulich.
20 Stunden Betrieb – pro Jahr.

Nur 20 Stunden im Betrieb

Der Basler Reaktor war im letzten Jahr lediglich 20 Stunden in Betrieb, wie dem Jahresbericht zu entnehmen ist. Dies für einige Praktika der Universitäten Basel und Bern sowie des Paul-Scherrer-Instituts. Dazu kamen acht Besichtigungen durch Gruppen und zwei Analysen durchgeführt von Forschungsteams.

Der Aufwand für die wenige Betriebszeit lohne sich nicht mehr, sagt Alex Eberle, Vizerektor für Entwicklung an der Uni Basel. «Für dieses Geld kann man für die Praktika ohne weiteres in die USA fliegen.» Dazu kommt, dass sich die Forschungsausrichtung der Uni im Bereich der Physik gewandelt hat.

Heute will man die Forschung in der Nanotechnologie fördern. Im Weg steht der alte Reaktor auch den Ausbauplänen der Uni. Etwa beim Schällemätteli, wo 2020 das neue Wissenschaftszentrum entstehen soll. Dort brauche es den Reaktor nicht mehr, eine Betriebsbewilligung würde man ebenfalls kaum erhalten, sagt Eberle. Zu alt seien die Teile am Reaktor.

Doch vorerst gilt es, das Uran loszuwerden. Möglichst schnell und möglichst günstig.