Die Rolltreppe der Lörracher Migros führte die Kundinnen und Kunden am Samstag beinahe in ein Geistergeschäft. Leere Regale überall. Eine Mitarbeiterin ist bei den Kühlfächern beschäftigt, Produktbezeichnungen und Preisschilder von den Tablaren zu lösen und herauszunehmen. Es knallt. Irgendwo in einer Ecke werden Blechtrennelemente gestapelt. Die Kassen sind leer, die Laufbänder stehen still und die Geldschubladen fehlen. Einzig die Stühle der Kassiererinnen sind noch da. Dieser Anblick erschreckt eine Kundin so sehr, dass sie intuitiv die Hand vor den Mund hält und mit grossen Augen die Szenerie beobachtet.

Ein etwa fünfjähriger Junge zieht seinen Vater am Arm und fragt ihn: «Wohin gehen die?» «Die gehen nicht weg, sie schliessen einfach den Laden», meint der Vater. Der Kundendienst ist zu einer provisorischen Kasse umgestaltet worden. Die Leute stehen Schlange. In einem U sind Tische und kleine Regale angeordnet, auf denen die letzten noch übrig gebliebenen Waren angeboten werden. Neben Dekorationsartikeln sind Pudding Crèmes gestapelt, neben den Weihnachtsartikeln findet man Einladungskarten für die Konfirmation und neben der Babynahrung liegen Plastikbecher mit rosa Popcorn. Unter einem Werbeschild mit der Aufschrift «Feiern wir den Sommer», findet man Kristalllametta für den Weihnachtsbaum.

Nun muss alles weg

Auf Kleinigkeiten wird nicht mehr geachtet, es muss einfach alles raus. «Alles, was unten auf den Tischen ist, nach oben», weist ein Mitarbeiter seine Kollegin an. Sie treffen drei Tische weiter auf zwei Verkäuferinnen. Alle vier geben sich symbolisch die Hand und wünschen sich einen guten letzten Arbeitstag. Ein Kunde schaut betroffen weg. Doch die Angestellten lachen. Sie sind auch am letzten Tag motiviert bei der Arbeit. «Niemand ist abgesprungen oder krank geworden», freut sich Dieter Wullschleger. Der Sprecher der Migros Basel weist darauf hin, dass alles unternommen wurde, um für das Personal eine Weiterbeschäftigung zu erreichen.

Die meisten können wechseln

Für die Mitarbeitenden der Gourmessa und der Verwaltung, die beide von Rewe nicht übernommen werden, hat die Migros einen Sozialplan ausgearbeitet. Insgesamt haben rund 83 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Weiterbeschäftigung. An der Gourmessa-Theke war am Samstag nichts vom Ende zu spüren. Die Regale und Auslagen lockten mit duftendem Brot und leckeren Süssspeisen. Einzig den Kunden war anzusehen, dass sie noch ein letztes Mal die frischen Köstlichkeiten geniessen möchten.

Im provisorischen Verkaufs-U klackern immer wieder die Etikettiergeräte in den Händen zweier Verkäuferinnen. Runter gehts vom halben Preis auf noch 30 Prozent. «Mir tut es weh, wenn ich sehe, wie wir die Ware hier verramschen», meint die Angestellte. Doch kann auch sie wieder lachen, als ein Kunde ihr einen guten Start in die «Nach-Migros-Zeit» wünscht. Lachen kann übrigens auch der kleine Junge. Sein Schnäppchen besteht aus einem kleinen Plastikbecher mit rosa Popcorn.