Gerichtsverhandlung
Am Bebbi sym Jazz flogen die Bierbüchsen

Drei Betrunkene wurden nicht wegen Körperverletzung, aber wegen Behinderung einer Amtshandlung verurteilt.

Patrick Rudin
Merken
Drucken
Teilen
Em Bebbi sy Jazz. (Symbolbild)

Em Bebbi sy Jazz. (Symbolbild)

Martin Töngi

Es war wohl das falsche Lied: Im August 2019 am «em Bebbi sy Jazz» spielte der Zürcher Sänger Elijah Salomon direkt vor dem Basler Spiegelhof als letztes Lied ein Stück, das so ähnlich auch der Zürcher Südkurve als Fangesang dient. Vielleicht lag es auch nur daran, dass Elijah früher selbst mal für den FC Unterstrass gespielt hatte.

Jedenfalls ärgerte sich eine Gruppe von angetrunkenen, heute 25 bis 28 Jahre alten Männern aus der Region gewaltig über den Abschluss des Konzerts. Einer leerte zuerst sein Bier auf der Bühne aus. Die Band unterbrach das Konzert mehrmals, schliesslich erklomm einer die Plattform und zielte gegen den Sänger. Ein weiterer Besucher wollte den Angreifer stoppen, es gab eine Rangelei, und als die Polizei im Anmarsch war, ergriffen die alkoholisierten Männer die Flucht.

Die Polizisten verfolgten die Männer in Richtung Schneidergasse sowie zum Fischmärt. Insgesamt drei Männer konnten sie nach einigen Rangeleien schliesslich festnehmen. Die drei verbrachten eine Nacht im Polizeigewahrsam und wurden am nächsten Tag wieder nach Hause gelassen. Die Staatsanwaltschaft klagte die Männer wegen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand sowie Gewalt gegen Beamte an, insbesondere weil sie bei den Festnahmeversuchen immer wieder um sich geschlagen hätten. Ob der erste Wurf gegen den Sänger auf der Bühne mit einer Bierflasche oder einem Becher geschah, blieb zuerst unklar. Einzelrichter Marc Oser ging nach Sichtung der Beweislage am Mittwoch davon aus, dass es sich wohl um eine halb ausgetrunkene Bierdose gehandelt haben muss.

Zwei der Angeklagten betonten, sie hätten sich gegen die Festnahme lediglich gesperrt, aber nicht aktiv gewehrt. Der Dritte wollte keine Aussagen mache. Das Strafgericht lud gestern alle drei beteiligten Polizisten als Zeugen vor und befragte sie dazu, wie fest sich die Männer gegen die Festnahme gewehrt hatten. Aus den Aussagen wurde klar, dass weitere Tatbeteiligte unbemerkt verschwinden konnten. Das Fazit des Einzelrichters: Für eine Verurteilung wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte gibt die Beweislage nicht genug her. Entsprechend gab es für alle drei Männer Freisprüche.

Verfahrenskosten zulasten der Angeklagten

Auch von einer Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand könne hier keine Rede sein. Weitere Anklagepunkte schieden aus, zumal der Sänger wie auch der eingreifende Konzertbesucher jeweils explizit auf einen Strafantrag gegen die Männer verzichtet haben. Ganz ungeschoren kamen die drei aber nicht davon: Marc Oser verurteilte zwei Männer wegen Hinderung einer Amtshandlung zu einer bedingten Geldstrafe von zehn Tagessätzen. Der dritte Mann erhielt 15 Tagessätze, weil er sich mehrmals gegen die Festnahme gewehrt hatte. Die Höhe der Tagessätze lag bei 30 und 45 Franken, zwei der Männer sind noch Studenten. Dazu kommen Verfahrens- und Urteilskosten von jeweils zwischen 500 und 1000 Franken. Beim nächsten Konzert werden sie bei der Musik wohl wählerischer sein.