Das starke Verkehrsaufkommen im Gundeldinger-Quartier ist seit Jahren ein Thema und Gegenstand intensiver politischer und planerischer Bemühungen. Bisher ohne Erfolg. Insgesamt ist der Verkehr auf den Längsachsen zwar eher zurückgegangen. Laut einer Verkehrszählung des Amts für Mobilität hat der Autoverkehr auf der Gundeldingerstrasse seit 2004 um 13 Prozent auf 6600 Fahrzeuge und auf der Dornacherstrasse um 11 Prozent auf 6700 Fahrzeuge pro Tag abgenommen. Trotzdem bleibt der Verkehr für das Quartier eine grosse Belastung. Die kantonale Stadtentwicklung Gundeli Plus setzt sich deshalb schon länger mit der kniffligen Aufgabe auseinander, die Verkehrssituation im Quartier zu verbessern.

Vertreter des Bau- und Verkehrsdepartements und Quartierbewohner haben deshalb gemeinsam einen Plan zur Verkehrsberuhigung entwickelt. Kernstücke des Plans sind eine neue Führung der Buslinie 36, zwei kurze Streckenabschnitte mit Tempo 30 auf der Gundeldinger- und der Dornacherstrasse sowie die Freigabe dieser beiden Strassen für den Veloverkehr in beide Richtungen.

Vorlage ans Parlament

Das Bau- und Verkehrsdepartement hat diesen Plan im Juni der Bevölkerung vorgestellt. Noch im Herbst soll eine Parlamentsvorlage ausgearbeitet und der Plan dem Grossen Rat unterbreitet werden. «Das Konzept an sich liegt in der Kompetenz der Regierung, wir wollen uns über einen Projektierungskredit aber die inhaltliche Zustimmung beim Grossen Rat abholen», erklärt Florian Mathys vom Bau- und Verkehrsdepartement. BVB und Kantonspolizei hätten bereits grünes Licht gegeben, jetzt gelte es, die politischen Vertreter zu informieren und allenfalls zu überzeugen.

Kritik aus dem Gundeli

Die Neuordnung des Verkehrs im Gundeli stösst nicht bei allen Gundeli-Bewohnern auf Zustimmung. Die wichtigsten Kritikpunkte betreffen die neue Linienführung des Busses und das neue Gegenverkehrsregime auf den beiden Längsachsen. Grossen Respekt bekunden die Anwohner vor allem vor dem Bus. Heute verkehren die beiden Richtungen des 36er Busses je auf einer Einbahnstrasse. Neu soll der Bus im Gegenverkehr über die Gundeldingerstrasse, die Bruderholzstrasse, den Tellplatz und die Güterstrasse geführt werden. Dabei soll der Bus auch auf dem östlichsten Abschnitt der Güterstrasse zwischen Heiliggeistkirche und Reinacher-strasse verkehren. Anwohner dieses Strassenabschnitts fürchten sich vor dem Bus. Auch die Idee, die Dornacherstrasse und die Gundeldingerstrasse für Velos im Gegenverkehr freizugeben, stösst auf Kritik.

«Es ist eine originelle und gute Idee, wie man den Verkehr beruhigen könnte», hält dem CVP-Grossrat Oswald Inglin entgegen. «Es ist ein Konzept, das schnell und mit wenig baulichen Massnahmen umsetzbar ist.» Das sei wichtig, weil es deshalb nicht nur wenig koste, sondern auch reversibel sei. «Der Aufwand hält sich in Grenzen. Es ist vor allem eine Sache von einigen neuen Verkehrszeichen am Strassenrand.»

Auf heute Abend lädt die CVP Grossbasel-Ost zur öffentlichen Podiumsdiskussion über das neue Verkehrskonzept ein. Auf dem Podium diskutieren Christophe Haller, Grossrat (FDP) und Präsident des TCS beider Basel, Oswald Inglin, Grossrat (CVP) sowie zwei direkt betroffene Anwohner.

Podiumsdiskussion zum neuen Verkehrskonzept Gundeli, am Dienstagabend um 19.30 Uhr im Gundeldinger-Casino, Güterstrasse 211, 1. Stock.