«Willst du mit dem Riesenrad fahren?» Der kleine Junge schaut skeptisch zu seiner Mutter hoch, als er auf der hölzernen Sitzbank Platz genommen hat. Der Helfer verschliesst die Sicherheitsschranke, die Mutter ruft «Tschüss» – und der Junge gleitet in die Höhe. Unter ihm quietscht im Streichelzoo ein Ferkel, ein braunes Schaf kratzt genüsslich seinen Hals an der Anhängerkupplung seines temporären Stalls. An den Holztischen inmitten der Essbuden und Markständen schlürfen Menschen Pastinaken-Passionsfrucht-Suppe oder beissen in Kartoffel-Ziegenkäse-Pralinen – alles aus biologischen Zutaten.

Die Nachhaltigkeit ist Programm am zehnten Eco-Festival in Basel. Unter dem Motto «Gut leben – mit Suffizienz gegen Verschwendung» stellt das Festival die Frage, was für ein gutes Leben nötig ist. Neben dem kostenlosen öffentlichen Programm rund um den Barfüsser- und Theaterplatz diskutieren an einem Fachkongress im Theater Basel Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Non-Profit-Organisationen.

Für das Lachen des kleinen Jungen braucht es ein grosses Rad aus Holz und zwei junge Männer, die das Konstrukt immer wieder anschubsen. Runde für Runde lässt sich der Junge durch die Luft drehen. «Die Idee dieses Riesenrads stammt aus Nepal. Wir haben es in Genf nachgebaut und wollen in Basel zeigen, dass Spass auch ohne Elektrizität möglich ist», sagt Simon Soutter, Projektkoordinator des Verbands label-Vie. Aus der Vogelperspektive deutet der kleine Junge aufgeregt nach rechts. Ob er das «Fair Battle XXL»-Spielfeld meint?

Kindersoldaten gegen Bankiers

Dort kicken in einem überdimensionalen «Töggelikasten» und unter dem Gejohle der Zuschauer Kindersoldaten, Minenarbeiter und Banker gegeneinander. «Viele Menschen wissen, dass ihre Produkte unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Auch, um sich selber zu schützen, verdrängen sie die Problematik. Mit unserem Projekt schaffen wir eine spielerische Auseinandersetzung, was fair ist und was nicht», sagt Bryan Haab.

Der Künstler, der in Münchenstein wohnt, hat für das «Fair Battle XXL» zwölf Rollen definiert. So ist der Banker über ein rotes Band mit dem Industriellen verbunden. Spielen die beiden zusammen, können sie damit ein Grossteil des Goals blockieren. Auf der anderen Seite zieht die Nähmaschine den Oberkörper der Textilarbeiterin nach vorne. Und um die Beine der Prostituierten schlingt sich eine Leine, die der Menschenhändler in der Hand hat. Ein Moderator kommentiert das Spiel. «Unser Rohstoff ist aus», ruft er, als der korrupte Politiker den Fussball aus dem Feld kickt. Dieser rollt über Treppenstufen vor die Bühne, wo die ersten Unplugged-Konzerte gespielt werden.

«Willst du aussteigen?», fragt einer der Helfer den kleinen Jungen auf dem Holzriesenrad. Bestimmtes Kopfschütteln, die Hände umklammern die Sicherheitsschranke: «Nein!» Bei ihm ist die Botschaft des Festivals sicherlich angekommen: Ökologie kann Spass machen.

Am Eco-Festival gibt es unter anderem Koch-Workshops (am Stand von Foodwaste), eine Kleidertauschbörse (Elisabethenkirche), ein Velokino (Barfi), Vorträge und Konzerte. Das Festival dauert bis zum Sonntag. www.eco.ch