Bluesfest

Am Glaibasler Summerblues liegt Memphis gleich um die Ecke

Die Haare sind oftmals schon grau, aber das Bluespublikum wird nie aussterben. Little Big Easy richtet beim Waisenhaus eine Gute-Laune-Zone ein.

Die Haare sind oftmals schon grau, aber das Bluespublikum wird nie aussterben. Little Big Easy richtet beim Waisenhaus eine Gute-Laune-Zone ein.

Beim 8. Glaibasler Summerblues gewinnt Pascal Geiser den Swiss-Blues-Challenge-Preis.

Da ist er endlich, der Sommer. 29 Grad im Schatten zeigt die Temperaturanzeige an, als am Freitag um 18 Uhr der Summerblues im Kleinbasel loslegt. 50 Stunden Live-Musik versprechen die Veranstalter – und wer seine Ohren an den sieben, in nur wenigen Schritten voneinander entfernt liegenden Bühnen gleichzeitig spitzen kann, der wird dieses hoch gesteckte Ziel bis Mitternacht erreichen.

Uns bleibt nur das fokussierte Hören, und so schlendern wir durch die Gassen. Ausgangspunkt ist der Claraplatz, fest in den Händen der Ü 70-Fraktion. Die Sonne ist heiss, die Wurst ebenso, und so sind Bierbänke und Münder zwar voll, die Tanzfläche vor der Bühne aber noch leer. Max Dega serviert mit seiner Band Okahumkee denn auch eher gemächliche Rhythmen zum Einstieg; der 57-jährige Luganeser weiss um seine Rolle als Startmusiker. Die Nacht ist lang, das Tanzbein noch nicht aufgewacht.

Anders sieht es im Innenhof des Volkshauses aus. Hier spenden die Platanen wohltuenden Schatten, und das Publikum klatscht sofort mit, als Lubos Bena und Bonzo Radvanyi slowakischen Blues präsentieren. Und schon zucken die Waden, Frau tanzt, Mann wippt im Takt dazu. Es ist erstaunlich, dass hier ein ganz ähnlicher grauer Teppich in den Frisuren zu beobachten ist, der für die klassische Musik stets als Zeichen des aussterbenden Publikums gedeutet wird. Doch wie die Klassik wird auch der Blues nicht aussterben, und die zahlreichen Pensionäre geniessen hier den Groove ihrer Jugend, als Blues noch geheim, und hip und auch ein bisschen dreckig war.
Stimmwunder aus Liestal

Weiter geht’s zur Utengasse, wo die Andy Egert Blues Band die rockige Seite des Blues feiert. Am Waisenhaus absolviert die vergleichsweise junge Band Little Big Easy mit Sängerin Petra Wydler einen äusserst vielversprechenden Soundcheck – während 45 Minuten. Doch der Kampf mit den Kabeln hat sich gelohnt: Die siebenköpfige Formation bringt mit Saxofon und Posaune eine ganz neue Klanglichkeit ins Kleinbasler Bluesfest. New Orleans ist ihre Inspirationsquelle, und die swingend leichten Piano-Soli von Daniel Breitenstein holen das Publikum nach der langen Wartezeit ebenso in die Gute-Laune-Zone zurück wie die tiefe, leicht rauchige Stimme von Petra Wydler.

Ein ganz anderes Stimmwunder ist zu später Stunde auf der Bühne beim Arbeitsamt zu erleben: Manu Hartmann. Die 42-jährige Liestalerin hat eine Ausstrahlung, wie sie bis zum Eindunkeln der Nacht auf keiner der anderen Bühnen zu erleben war. Sie spricht und singt zum Publikum, lässt ihre Stimme röhren und hat auch nach knapp zwei Stunden Musik immer noch Reserven.

Schweizer Meister im Blues

Völlig ausgeflippt zeigen sich dann die jüngeren Festivalbesucher im nächtlichen Volkshausinnenhof. Hier hat der Swiss-Blues-Challenge-Wettbewerb für Spannung gesorgt. Doch schon vor der Bekanntgabe wird in den Reihen immer wieder der Geheimtipp und Publikumsfavorit genannt: Pascal Geiser. Und er gewinnt, ist der neue amtierende Schweizer Meister im Blues. Gemeinsam mit seiner Band, in der auch der «Nordwestschweiz»-Kulturredaktor Stefan Künzli am Sax dabei ist, wird Geiser die Schweiz in Dänemark an der Europäischen Blues-Challenge vertreten. Bei der anschliessenden Stabübergabe mit dem Vorjahressieger Johnny Fontane und The Rival zeigt Pascal Geiser in einer grossartigen Improvisation, wie man Blues spielt, wenn die Stimme vom Freuen schon ganz heiser ist: Mit der Mundharmonika, diesem Sehnsuchtsinstrument. Vielleicht trägt sie Geiser ja sogar bis ans internationale Blues-Finale nach Memphis.

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