Schwarz und weiss – das sind die dominierenden Farben am Cortège. Ja, schon klar, das sind eigentlich keine Farben – aber Sie wissen ja, was gemeint ist.

Weiss, das ist die Lieblingsfarbe der Wagencliquen und der Guggen. Sie haben sich auf das Sujet «White Dinner» gestürzt und ziehen komplett in Weiss oder mit ganz kleinen Farbakzenten durch die Strassen. Und auch bei einigen Cliquen ist dieses Sujet zu finden, dann meist begleitet von nur zart bemalten Laternen oder schwach gedruckten Zeedeln. Und was da teilweise an gedeckten weissen Tischen durch die Stadt gezogen oder geschoben wird - heerlig.

Am Cortège mit der GoPro

Am Cortège mit der GoPro

Schwarz dagegen dominiert vor allem bei den Stammcliquen. Nicht nur bei den gefürchigen Giganten der VKB und ihrem Sujet «Hols dr Deifel» oder den Totengräbern und Beerdigungsbesucher der Alten Garde der Alti Stainlemer, wo die Devise lautet: «Aadie Basel, in stillem Gedängge». Schwarz ist auch das Leitmotiv bei anderen, die zwar nicht in Schwarz daherkommen, aber deren Sujets jenen apokalyptischen Geist versprühen, der die Basler Fasnacht ausmacht.

Weltkrieg und Badespass

«100 Joor Somme – nyt druss gleert» beziehen sich die Alte Glaibasler auf den Ersten Weltkrieg und sehen Parallelen in die heutige Zeit, wo man sich noch immer wegen Macht, Geld, Öl oder Religion gegenseitig abschlachtet. Der Zug ist weiss, doch die Gedanken sind schwarz, denn die AGB läuft als Soldatenfriedhof.

Schwarz für sich selbst sehen die Alten der Basler Bebbi. Sie künden in ihrem Zeedel gleich die Selbstauflösung an, denn «es wird schlimmer, als es war». Dazu passt dann auch das Sujet «Dr letschti Tango», und auch hier helfen die Kostüme in Silber und Gold nicht über das negative Gefühl hinweg, das einen beschleicht.

Der Stamm der Bebbi setzt noch einen drauf. Wieder einmal verzichten die Herren auf das Trommeln und Pfeifen während des Cortège und ziehen als badelustige Touristen und Strandreiniger auf einem Schaumteppich durch die Gegend.
Doch die Aussage dahinter ist wenig fröhlich, denn die Touristen nerven sich über die am Strand angeschwemmten Flüchtlinge.

Flüchtlinge und Wutbürger

Ein Thema, das auch der Stamm der Alti Stainlemer aufnimmt. Hier spielt man «Völggerball», und wer gewinnt, der lebt in unserer heilen Welt. Wer allerdings eines der Lösli, die sie verteilen, in die Hand bekommt, der hat gute Chancen, dass es eine Niete ist. Und dort steht dann als «Gewinn» drauf: «E Bootsfahrt no Lampedusa». Angesichts des Schauers, der so manch einem Zuschauer bei diesen Auftritten eiskalt über den Rücken lief, war das trübe Wetter geradezu ein lauer Sommertag.

Dass das Verbreiten unguter Gefühle auch in strahlendem Orange bestens funktioniert, demonstrierte der Dupf-Club. Hier zogen «Patriotischi Extreemfasnächtler gege d Infiltrierig dur Asyllandschäftler» durch die Strassen. Diese Pegida war fast so unangenehm wie das Original.

Und der Spruch «Uuse mit de Buure», der durch die Megafone des Vortrabs schallte, hat wohl dem einen oder anderen am Strassenrand etwas zum Nachdenken mit nach Hause gegeben.

E Facebook-Gruppe dien mer grinde
So schnäll wie meeglig Frinde finde
Und starte geege d Invasioon
Im Internet e Petizioon

schreiben die Dupfpegidisten in ihrem Zeedel und dürften sich damit ganz schnell an der Seite der Olympia wiederfinden. Denn die ruesst als weisse «Shitstormers» durch die Stadt, die Goschdyym ganz aus Putzlappen gefertigt und das Herz voller Hass.
Hier marschieren die Wutbürger, die in den Kommentarspalten des Internets ihrer Dumpfheit freien Lauf lassen.

Jugend mit Hoffnung

Ja, dieser Fasnachtsjahrgang hatte wahrlich viel zu bieten an kritischen und pessimistischen Zukunftsvisionen.

Da hilft wohl nur der Hippie-Bus der Jungen Rhygwäggi aus der Misere, der farbenfroh seine Runden fährt. Und die Erkenntnis aus dem Zeedel der Bingisse:

Dängg doch aifach positiv,
Und due biz mee uffs Gueti baue
Loss dr dini Luune nit,
Vo jedem Kummerfurz versaue.