Man sitzt auf der kalten, ungemütlichen Kirchenbank. Vorne nicht wie gewohnt ein Pfarrer. Nein, drei Pfarrer und drei Slam-Poeten, die sich duellieren. Mit Texten über Sex, Glück und verhasste Nachbarn.

Der zweite «Preacher Slam» in Basel ging am Freitagabend in der Matthäuskirche über die Bühne. Der Preis: eine Flasche Whiskey – wie immer. Die Bewerber: die Pfarrer Juliane Hartmann, Martin Dürr und Jürg Scheibler sowie die Slam-Poeten Kilian Ziegler, Sarah Altenaichinger und Lisa Christ. In den Bänken der Kirche sassen die unterschiedlichsten Menschen. Vom Jungen Alternativen bis hin zum typischen Kirchengänger. Auch Familien mit Kindern waren vor Ort, um sich den Slam unter dem Motto «Special Reformation Edition» anzuhören. Durch den Abend moderierte Daniela Dill vom Kulturverein Slam Basel. Sie stellte sich der schweren Aufgabe des sogenannten «Opferlamms», das den ersten Text des Abends vorträgt, der nicht gewertet wird. Über Glück sprach sie. Und über das Verlangen der Menschen, es mit allen Mitteln zu behalten: «Du bestellst dein Glück bei Zalando», war wohl der Satz, der ihren Text am besten beschreibt.

Ein Esel mit orangenem Fell

Die Duellierenden wurden per Los ausgewählt. Eine Pfarrperson und ein Slam-Poet traten jeweils gegeneinander an, und die Lautstärke des Publikums entschied, wer den Punkt bekam. Zuerst betrat Pfarrer Martin Dürr die Bühne. Mit einer Geschichte über die Entstehung der Erde und Esel, mit orangenem Fell, die sich heute auf ihr bewegen, konnte er nicht gegen Slammerin Altenaichinger aus Basel gewinnen. Sie entschied den Punkt mit einem Text über die Macht der Worte für sich. Auch beim nächsten Duo gewann der Poet. Kilian Ziegler und Juliane Hartmann traten unter dem Motto «Hier stehe ich, ich könnte auch ganz anders» gegeneinander an. Ziegler bezog diesen Satz auf Männer beim Toilettengang, erhielt dafür einige Lacher und holte einen Punkt für die Poeten. Auch mit Sätzen wie: «You can be absoluter Durchschnitt if you really want» oder «Wäre ich Franzose, hiesse ich comme sî comme ça», plädierte er darauf, dass man auch mal durchschnittlich sein dürfe, und gewann damit die Sympathie des Publikums.

Explosiv

Jede Slammerin, jeder Slammer und jede Pfarrperson trugen zwei Texte vor. Als bei Scheiblers Text über Hemdenknöpfe nicht nur die Knöpfe sprangen, sondern auch ein Scheinwerfer explodierte, liess sich dieser nicht beirren. Im Dunkeln ging es also weiter, bis die Situation gelöst werden konnte. Scheibler gab den Punkt seiner Gegnerin Christ aus Olten, da er nicht gegen einen persönlichen Text über sexuelle Belästigung im Alltag antreten wollte. Christ griff den Hashtag «me too» auf, bei welchem Frauen aus aller Welt auf Social Media-Kanälen über sexuelle Belästigung in ihrem Alltag sprechen. Mit ihrem zweiten Text über die Biologie der Frau, zeigte Christ, dass sie auch amüsantere Texte im Repertoire hat. Mit Sprüchen wie «Ein Uterus ist crazy» und «Männer leisten nicht die Hälfte» hob sie die durch ihren vorigen Text eher ernste Stimmung wieder auf.

Auch Hartmann zeigte, dass sie nicht dem typischen Bild einer Pfarrperson entspricht. Auch wenn sie schon im ersten Satz erwähnte, dass sie nicht lustig sei, brachte sie die Leute mit Sätzen wie: «Beim ersten Mal tuts immer weh, besonders bei Frauen» zum Lachen.
Moderatorin Dill ging vermehrt noch während des Applauses zu den Wertungen über, weshalb man nicht verstand, wer denn nun den Punkt geholt hatte. Ansonsten liess sie jedoch immer wieder lustige Anekdoten mit einfliessen, welche die Stimmung auflockerten.
Der Endstand war unentschieden. Hartmann griff also entschlossen zur Whiskey-Flasche und liess sie durch das Publikum wandern, sodass jeder mit einem warmen Gefühl im Bauch nach Hause ging.