Kommentar

Am Rand der Geist

Die Universität Basel ist auf dem besten Weg dazu, eine von Life Sciences und Naturwissenschaften dominierte Institution zu werden.

Die Universität Basel ist auf dem besten Weg dazu, eine von Life Sciences und Naturwissenschaften dominierte Institution zu werden.

Jetzt haben wir den Beweis aus Bern: Die Universität Basel ist erfolgreich unterwegs und besetzt gleich zwei von sechs neuen nationalen Forschungsschwerpunkten. Und als hätte es noch eines Beweises bedurft: Die Universität Basel ist auf dem besten Weg dazu, eine von Life Sciences und Naturwissenschaften dominierte Institution zu werden. Zwar beteuern die Uni-Vertreter bei jeder Gelegenheit, dass sie am Prinzip der Volluniversität festhalten. Bereits das Strategiepapier für die kommenden Jahre hat jedoch mehr oder weniger unverhohlen die Tendenz skizziert: Angesagt ist Spitzenforschung, die sich mit Zahlen und Statistiken belegen lässt. Studieren im Dienst des Basler Life-Sciences- und Pharma-Clusters. Geisteswissenschaften, Rechts- und sogar Wirtschaftswissenschaften erscheinen wie folkloristische Showeinlagen in einem Konzert mit viel ernster Musik.

Das ist natürlich masslos übertrieben. Eine Stadt mit einem so ausgeprägten Geschichtsbewusstsein würde sich nie die Blösse geben und all ihre Traditionen über Bord werfen. Aber sie drängt sie derzeit mindestens an den Rand. Wo bleibt das geisteswissenschaftliche Leuchtturmprojekt, das die Nachfolge des Bildkritik-Zentrums «Eikones» antreten könnte? Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki hat am Dies Academicus eine kluge Rede zum Thema Fake News gehalten und dafür plädiert, dass eine Universität das Rüstzeug dazu liefert, diese zu erkennen und zu benennen. Dazu braucht es kritische Geister, kulturelle und sprachliche Gewandtheit.

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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