Littering
Am Rhein stehen Abfallkübel, die brüllen, lachen und knurren

Entlang der Rheinpromenade wurden die Abfallkübel für einen Monat in «Kunstkübel» verwandelt. Künstlerinnen und Künstler haben auf Blachen das Thema Littering thematisiert. Online kann jeder für seinen Favoriten stimmen.

Eva Wieser
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Zwischen dem Solitude-Park und der Dreirosenbrücke wurden die Abfallkübel für einen Monat eingekleidet.
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Verwandelt in «Kunstkübel» stehen dem Rhein entlang mehr als 60 Abfalleimer in neuem Gewand.
Künstlerinnen und Künstler haben auf Blachen das Thema Littering thematisiert.
Farbig, illustrativ und originell.
Eine Jury hat bereits 15 Blachen prämiert.
Diese werden an der Kunstmesse Scope vom 10. bis zum 16. Juni ausgestellt
– und dort vielleicht sogar verkauft.
Kunst gegen Littering: Diese «Kunstkübel» schmücken das Rheinufer
Die fünf „Kunstkübel“ mit den meisten Stimmen werden ebenfalls an der Scope zu sehen sein.
«Littering wird immer schlimmer», sagt Martin Gruber vom Amt für Umwelt und Energie Basel-Stadt.
Zwar nicht bei Dauerregen.
Sobald aber die Sonne scheint und das Rheinbord wieder von Sonnenhungrigen gestürmt wird, bleibt der Abfall liegen.
Die Zahlen kennt Alexander Isenburg, Leiter Stadtreinigung Basel-Stadt: 5000 Tonnen Wischgutmenge (Abfall, der in den Eimern oder am Boden liegt) fallen jährlich an.
Davon werden 1500 Tonnen durch Littering verursacht.

Zwischen dem Solitude-Park und der Dreirosenbrücke wurden die Abfallkübel für einen Monat eingekleidet.

Zur Verfügung gestellt

Das Konzept funktioniert: Ein Kind zupft seinen Vater am Ärmel und zerrt ihn zum Mistkübel. Denn dort kann man auf eine pinke Pumpe treten und Luft durch einen um den Abfallkübel geschlungenen Schlauch drücken - sodass die angebrachte Hupe lärmt. Und wenn der Junge schon beim Abfall ist und entdeckt hat, was der alles zu bieten hat, landet dann auch der Müll dort, wo er hingehört.

«Die Kübel sollen aufgewertet werden und dazu animieren, sie von Nahem zu betrachten», erklärt Michele Salvatore. Der soziokulturelle Animator hat bereits vor zwei Jahren mit Jugendlichen rund 30 Abfallkübel eingepackt. Dieses Jahr erscheint das Projekt «Kunstkübel» in neuen Dimensionen: Über 60 Abfallkübel entlang des Kleinbasler Rheinufers erhielten für einen Monat ein Mäntelchen. Alle Interessierten durften bis zu drei Blachen gestalten. Mit diesen sind seit Dienstag die Kübel zwischen dem Solitude-Park und der Dreirosenbrücke umhüllt. Das Ziel der «Kunstkübel»: Littering eindämmen.

1500 Tonnen Littering

«Momentan haben wir die ultimative Lösung: Der Dauerregen verhindert Littering konsequent», scherzt Martin Gruber vom Amt für Umwelt und Energie Basel-Stadt an der Medienorientierung. Doch wenn der Regen dann wirklich einmal für mehrere Tage ausbleiben soll, dann wird Littering sofort wieder zum Thema: «Die Situation wird immer schlimmer», sagt Gruber.

Die Zahlen dazu kennt Alexander Isenburg, Leiter der Stadtreinigung Basel: 5000 Tonnen Wischgutmenge (Abfall, der in den Kübeln oder am Boden liegt) falle jährlich an. Davon seien 1500 Tonnen durch Littering verursacht.

Für Müll gibts Löwengebrüll

Ein Interesse der Künstler ist es, den Abfallberg zu verkleinern. Es gibt aber noch einen zweiten Ansporn: 20 Blachen werden an der Kunstmesse Scope ausgestellt - und dort allenfalls verkauft. Eine Jury hat bereits 15 Abfallkübel prämiert. Fünf weitere Blachen werden via Online-Voting für die Scope erkoren.

Eine gute Gelegenheit für Künstler David Kümin: «Ich überlege immer wieder, welche Plattformen ich nutzen soll. Dass bei diesem Projekt zwei Ausstellungsräume - die Strasse und die Scope - angeboten werden, ist besonders.»

Kümin legte Wert darauf, dass die Arbeit illustrativ und direkt wirkt. «Alle können verstehen, was auf den Blachen abgebildet ist», erklärt der aus Winterthur angereiste Künstler. Falls jemand dennoch kein Auge für die «Kunstkübel» hat, kann auch einfach die Ohren spitzen.

Wenn Müll im Kübel landet, bricht der eine Kübel in Gelächter aus. Der andere heult wie eine Polizeisirene. Der dritte dröhnt, als ob ein Helikopter angeflogen kommt. Und ein Kübel, der durchaus Angst einjagen könnte, knurrt wie ein Löwe. «Ein Überraschungselement», schmunzelt der Projektleiter Michele Salvatore.