Theater Basel

Am Schluss des Stücks gibt es ein Festessen für alle

Der Höhepunkt zum Schluss des Abends: Die Zuschauerinnen und Zuschauer werden an die gedeckte Tafel gebeten.

Der Höhepunkt zum Schluss des Abends: Die Zuschauerinnen und Zuschauer werden an die gedeckte Tafel gebeten.

Die neue Inszenierung «Fellinicittà oder eine ½ Stunde Glück» berauscht die Zuschauer und lädt zum Festmahl ein.

Glück kann so aussehen: eine gedeckte Tafel für 60 Gäste, dampfende Pasta al burro e salvia im Teller und kräftiger Rotwein im Glas, dazu eine melancholische Jazzband im Hintergrund. Und das alles im Theater, auf der Bühne des Schauspielhauses am Ende der Vorstellung «Fellinicittà». Wieso nicht?

Dort finden zum Höhepunkt und Schluss des Abends die Zuschauer an der gedeckten Tafel Platz. Man unterhält sich, schöpft so lange nach, bis die Töpfe leer sind, trinkt Rotwein und lauscht dem fröhlichen Geplauder der Tischnachbarn. Eigentlich tut man vor allem eines: Hochzeit feiern. Die Hochzeit von Marcello Mastroianni (Julian Hackenberg) und Anita Ekberg (Zoe Hutmacher). Dabei verkörpert Hutmacher alle weiblichen Darstellerinnen Federico Fellinis.

Die Inszenierung macht das Unmögliche möglich: Die Liebesgeschichte, die Fellini nie in den Kasten gebracht hat, wird hier erstmals und exklusiv gedreht. Mit der Hilfe des Publikums. Doch bis zum Ende gilt es, eine Menge Treppen zu besteigen. Vom Foyer des Schauspielhauses hinaus in die Nacht, hoch zum Hintereingang und wieder hinein ins Labyrinth der Gänge des Theaters Basel. «Fellinicittà oder eine ½ Stunde Glück» ist nicht nur eine Einladung zum Festessen, sondern auch eine Führung durch die Produktionsstätten des Stadttheaters.

Spektakel der losen Sitten

Andrea Bettini, langjähriges Ensemblemitglied des Theaters Basel, führt die Gäste als charmant lustiger Regisseur hinter die Kulissen seines Filmsets. Die Hommage, die er auf den italienischen Filmemacher Federico Fellini hält, ist in Zusammenarbeit mit Regisseur Christian Vetsch und Basso Salerno entstanden. Das Trio bildet den Kern der Truppe «I Pelati Delicati» und hat in den vergangenen Spielzeiten bereits mit «Volare» oder «Pinocchio» für gute Unterhaltung gesorgt. Und nun die neue Produktion: ein farbenprächtiges Spektakel der losen Sitten der Dolce Vita in einem sprachlichen Wechselspiel aus Schweizerdeutsch und Italienisch. Die Ähnlichkeit mit den Werken des italienischen Filmemachers ist frappant.

Das Team «I Pelati Delicati» versteht es, die Opulenz der Bilder Fellinis in die Theaterwelt zu übertragen: monströse Statisterie, imposante Szenerien, zum Tanz animierende Live-Musik (Reto Bischofberger, Hannes Fankhauser, Stefan Rüfenacht), dazu ein Defilee an Figuren wie Casanova auf Rollschuhen, eine lasziv miauende Anita Ekberg im Tinguely Brunnen, Nonnen und Päpste auf Scootern, Basso Salerno als irrer Onkel, der auf der Leiter «io voglio una donna» schreit, sind nur eine kleine Aufzählung von dem Sammelsurium an Zitaten aus Fellinis Werken, die man an diesem Abend zu sehen bekommt.

Publikum mutiert zur Schickeria

Der Sex fehlt auch nicht. Sophia Loren nackt in der Badewanne, viele entblösste Brüste und gespreizte Beine, wollüstige Seufzer: überall vollbusige Leidenschaft. «Fellinicittà» ist auch eine wandelnde Slapstick-Einlage, die sich zwar als sinnentleerte Illusionsmaschinerie enttarnt, aber die Zuschauer beeindruckend berauscht. Am Ende wirft sich das Publikum mit grossem Gekicher in weisse Hochzeitsschale und mutiert zur römischen Schickeria. Das Glück hält definitiv mehr als eine halbe Stunde an.

Weitere Vorstellungen: 1., 3., 8. und 30. Dezember, jeweils um 20 Uhr im Basler Schauspielhaus.

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