Ab Januar 2014 bleiben die Fussgänger unter sich: Aus der Basler Innenstadt sollen die Autos ferngehalten werden. Nachdem jahrelang über das Ob und Wie gestritten wurde, stellte die Regierung am Mittwoch eine entsprechende Verordnung vor.

Auffällig an den Plänen: Die Innenstadt soll von den Autos befreit werden, ohne dass dafür bauliche Massnahmen ergriffen werden. «Es wird Ummarkierungen und eine neue Beschilderung geben», sagt Janine Fürstenberger, Sprecherin im Bau- und Verkehrsdepartement (BVD).

Bauliche Massnahmen seien aber erst zu einem späteren Zeitpunkt geplant – etwa um die Nutzung der Boulevards zu verbessern und damit die Innenstadt weiter aufzuwerten.

Die Zufahrtsstrassen in die Innenstadt bleiben aber vorerst offen, die Kontrolle soll einzig über die Polizisten erfolgen. «Wir setzen auf verstärkte Polizeikontrollen», sagt Polizeimajor Bernhard Frey Jäggi.

Löcher sind schon ausgehoben

Mit einer kleinen, aber möglicherweise weitreichenden Ausnahme: Am Spalenberg sollen fünf Poller die Autofahrer davon abhalten, in die Innenstadt zu fahren. Teilweise sind diese im Boden versenkbar, damit Autos mit entsprechender Bewilligung trotzdem durchkommen.

Die Löcher im Asphalt wurden bei der Umgestaltung des Spalenbergs bereits ausgehoben und sind im Moment noch mit Dolendeckeln bedeckt. Die Pfosten wurden noch nicht aufgestellt, weil dafür die rechtliche Grundlage fehlte. Diese hat die Regierung mit der neuen Verordnung aber geschaffen.

Rechtzeitig ab Januar wird in einem einjährigen Pilotprojekt getestet, ob Poller auch für Basel infrage kommen. Falls ja, werde geprüft, ob Poller «dauerhaft und an anderen Orten zum Einsatz kommen können», erklärt Jasmin Fürstenberger.

Autos wurden aufgespiesst

Poller geniessen einen zweifelhaften Ruf. Immer wieder hört man von Fällen, wo Autos von den ausfahrenden Metallpfosten regelrecht aufgespiesst wurden. In Bern etwa ist das über 20 Mal passiert.

Trotzdem ist man in der Hauptstadt zufrieden. «Unsere Erfahrungen sind grundsätzlich positiv. Wir haben sehr wenig Missbrauch», sagt Christian Beiner, Leiter Verkehrsmanagement und Verkehrstechnik beim Berner Tiefbauamt.

Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin des VCS beider Basel, ist eine Verfechterin der Poller: «Sie sind demokratisch, weil sie für alle gelten. Sonst profitieren die, die frech genug sind und einfach durch die Innenstadt fahren.»

Es leuchte nicht ein, weshalb Basel ein Pilotprojekt für Poller brauche, denn diese hätten sich in anderen Städten bewährt.

Polizeimajor Frey Jäggi findet allerdings: «Die Rahmenbedingungen sollten so sein, dass es keine Poller braucht.» Damit meint er klare und verständliche Regeln, die eindeutig festhalten, wer in die Innenstadt fahren darf und wer nicht. Dies sei mit der neuen Verordnung der Fall.

«Niemand hat mehr eine Ausrede und für die Polizisten wird es einfacher, zu kontrollieren.» Von Pollern ist der Polizeimajor nicht begeistert. «Basel hat sehr viele Zufahrten in die Innenstadt. Würde man überall Poller aufstellen, würde das Millionen kosten.»

Tatsächlich: In Bern rechnet man mit 250'000 Franken pro Polleranlage. Dafür brauche es wenig Polizeipräsenz, sagt Beiner.

Man darf also gespannt sein. Gut möglich, dass sich zu den Fussgängern in der Innenstadt bald auch Poller gesellen.