Das Kinderspital beider Basel startet seinen Widerstand gegen die neuen Tarifregelungen des Bundes. Diese sollen ab 2018 gelten. Laut CEO Marco Fischer würde das Universitäts-Kinderspital (UKBB) durch die Anpassungen beim Ärztetarifsystem Tarmed jährlich 4,5 Millionen Franken weniger einnehmen. «Das ist nicht Tarmed, das ist Teer-med. Tiefschwarz und klebrig», sagte Fischer an der gestrigen Bilanzpressekonferenz.

Vor allem die vorgesehene Limitierung der Dauer der Grundkonsultation sieht das UKBB gar nicht gerne. Nur noch 20 Minuten ärztliche Erstbehandlung sollen vergütet werden. Heute kennt Tarmed eine solche Limite nicht. Laut Fischer sind diese 20 Minuten aber zu wenig lang, um ein Kind seriös abzuklären.

Denn Kinder bräuchten, etwa wenn eine komplizierte Untersuchung ansteht, mehr Zeit, um sich darauf einzustellen. «Wenn wir eine Computertomographie bei einem Kind durchführen müssen, sind die 20 Minuten schon durch, bevor der Scan auch nur beginnen kann», so Chefarzt Urs Frey.

Bereits heute nicht kostendeckend

Klar sei, dass die Kinder nach 20 Minuten nicht einfach rausgeworfen werden, doch die Kosten seien danach nicht mehr gedeckt, so Fischer. Heute gäbe es zudem viele Grundabklärungen, bei denen mehrere Ärzte gleichzeitig das Kind untersuchen würden. «Nicht, dass wir dies wollen: Aber die Gefahr, dass man die Kinder zu mehreren Terminen aufbietet, ist da», erklärt Fischer. So könnte zwar die zeitliche Limite umgangen werden, doch sei dies nicht im Interesse der Kinder.

Der Bundesrat verspricht sich von den neuen Regelungen, dass die Gesundheitskosten sinken. Um 700 Millionen Franken. Er griff ein, weil sich Ärzte, Spitäler und Krankenkassen nicht auf eine neue Tarifstruktur einigen konnten. Im März dieses Jahres ging der Bundesrat mit seinen Ideen an die Öffentlichkeit. So sollen etwa für verschiedene Operationen die Vergütungen gesenkt werden. Oder die Ausbildungsdauer der Ärzte soll nicht mehr entscheidend sein, wie viel ein Arzt bekommt.

Deswegen verdienen Spezialisten in der Regel mehr als Hausärzte. «Die eine Seite ist sicher, dass es für die Patienten günstiger wird. Aber wohl auch billiger: Die Gefahr, zu einer Fliessbandmedizin zu werden, ist gross», warnt Fischer. Die ambulante Abteilung der Kindermedizin ist bereits heute nicht kostendeckend. Die Deckung würde durch Tarmed von 78 auf 68 Prozent sinken, erklärte Fischer. Momentan läuft die Vernehmlassung des Bundes zu den Tarmed-Änderungen.

Das UKBB wird sich dezidiert äussern: Das Spital will Modelle, welche die Kostenrealität in der Kindermedizin korrekt abbildeten. Einen konkreten Plan, die vom UKBB prognostizierten 4,5 Millionen Mindereinnahmen zu kompensieren, gibts laut Fischer noch nicht. «Wir können jedoch mittelfristig nicht immer Minus machen.» Und er ergänzt: «Wir haben in den letzten Jahren immer über Betriebsoptimierungen gespart. Im Moment fehlt mir aber die Idee, wo noch gross Luft wäre, um einzusparen.»

Doch würden nicht die beiden Trägerkantone einspringen und das Defizit decken? «Wir wollen nicht immer die hohle Hand machen. Zudem hat gerade im Kanton Baselland niemand auf höhere Kosten gewartet», so Fischer. Eine Möglichkeit zum Kostensparen sei, gewisse Behandlungen nicht mehr anzubieten. Die andere Strategie: Wachstum. «Was wir suchen, ist nicht regionales Wachstum. Sondern überregionales», so Fischer. So zum Beispiel will das UKBB etwa im Tessin oder Wallis wichtiger werden.

Rechnung mit schwarzer Null

Die Unabhängigkeit steht für die Verantwortlichen der UKBB nicht zur Diskussion. Auch wenn integrierte Kinderspitäler, wie etwa in Aarau, quersubventioniert würden. «Das gibt bloss einen Verteilkampf unter den Abteilungen.» So etwa darüber, wem mehr Stellen bewilligt werden. Die defizitären Kinderabteilungen würden dadurch ausgehungert werden.

Im Jahr 2016 schliesst die Rechnung des UKBB mit einem kleinen Plus. Dies wegen ausserordentlichen Zahlungen der IV. Ansonsten hätte das Kinderspital ein Defizit von 800 000 Franken verkraften müssen. Bereits im Jahr 2015 erreichte das UKBB nur wegen ausserordentlichen Einnahmen ein positives Ergebnis.

Der Trend hin zur ambulanten Behandlung setzt sich derweil fort. Den 6329 stationären Patienten stehen fast 100 000 ambulant behandelte Kinder gegenüber. Die Anzahl ambulanter Fälle stieg um 5,2 Prozent, wohingegen die stationären leicht sanken.