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Am VIP-Apéro von «Em Bebbi sy Jazz» gings heimlich um Wahlkampf

Die einen nutzten den Apéro im Hof des Rathauses, um schon mal für das Regierungsamt zu üben – die anderen sagten Adieu.

Nein, sie leiden nicht. Sie geniessen es, nicht über Steuern, Spitäler, Schulen sprechen zu müssen. Darum erscheinen Politiker so zahlreich, wenn es mal um nichts geht. Oder wegen des Wahlkampfes, diesem Phantom. Das kann Guy Morin wurst sein. Es ist sein letzter Bebbi-Jazz-Apéro als Stadtpräsident – und sein erster als Modell: schicker Anzug, stilecht, Krawatte, braun gebrannt. Das liege am Wetter im Wallis und im Tessin, sagt er. Ferien in der Schweiz, keine unnötigen Flüge. Und unter uns: Sein Nachfolger oder die -in dürfe ja nicht kontaktscheu und müsse «offen für alles» sein.

Morin will ausholen, das Amt auskosten, doch Philippe Bischof, Kulturchef unter ihm, zupft am Kittel seines Bosses. Bernhard Mendes Bürgi lädt zu seinem letzten Event als Kunstmuseumsdirektor. Nur noch dies: Morin, wie haben sie es mit Jazz? «Hmmm». Sein Bruder, der Zwilling, sei ein Jazzer. Und er habe die Anfänge des Bruders als Saxofonist mitgehört.

Ach, Herr Dürr ist auch da! Was für ein Zufall! Vielleicht steckt er in einem Jahr in Morins Schuhen, sozusagen. Was er dann tue, an einem solchen Anlass, «hmmm» sagt Baschi Dürr ganz Stapi-like – und blickt im Windschatten von Regierungskollege Lukas Engelberger in den Himmel über dem Rathaushof: «Dafür sorgen, dass das Wetter hält.» Mehr Inhalt ist beim Wahlkampf der bürgerlichen Jungs (noch?) nicht zu erwarten. Grossratspräsidentin Dominique König-Lüdin ist der menschgewordene Glamour-Faktor hier und unterstreicht diesen mit einem süssen Geflüster mit dem Baselbieter Genosse Ständerat Claude Janiak. Auch er, kein «passionierter Jazzer», eher «Belcanto».

Apropos Italien: Wo befindet sich der Olivenhain ihres Mannes? Ach so, in der Basilicata. Ach! Aber nicht abschweifen, wir sind Bebbi und an seinem Jazz, Fernweh verboten. Wobei die Kids von Festival-Präsident Peter Eichenberger das nicht ganz so sehen. Wehmütig denken Luci (12) und Nick (10) an die Hausbootferien in Holland zurück. Diese beiden übrigens sind Jazzer, Posaune, Trommel und Schlagzeug.

Und der Papa? Schon weg, lässt einfach Frau Basler Ständerätin Anita Fetz stehen, was kein Drama ist, sie steht gut: Flip Flops mit einer Sohle so hoch wie der Sprung von Regierungsratsbewerber Lorenz Nägelin in den Rhein. Heute ist er angekleidet, schade, das gibt kein Foto. Die Flip Flops übrigens seien super zum Schmusen, sagt Fetz, «so bekomme ich keine Genickstarre».

Diese Gefahr besteht bei Christoph und Corinne Eymann nicht, da fast gleich gross. Wehmut, sagt er, das treffe es. In einem Jahr ist sein Posten anderweitig vergeben, Eymann hofft auf Conradin Cramer, der auch hier ist und übt. Sabine Pegoraro, ihres Zeichens Dauer-BL-Regierungsrätin, wippt mit dem rechten Fuss zur Singer-Songwriter-Musikeinlage, während SP-Urgestein Christine Keller mutmasst, Herr Nägelin habe auf dem «Baywatch»-Foto vor dem Sprung in den Rhein den Bauch eingezogen. Ach, ist es nicht schön, wenn es einfach mal um nichts geht?

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