Tourismus
Amerikaner und Asiaten zieht es nach Basel

Der schwache Euro drückt aufs Geschäft – nicht aber in Basel. Daniel Egloff, seit zehn Jahren Direktor von Basel Tourismus, erklärt den verblüffenden Erfolg der Stadt Basel mit vor allem amerikanischen und asiatischen Gästen.

Hans-Martin Jermann
Merken
Drucken
Teilen

Herr Egloff, es ist verblüffend: 2010 haben in Basel die Logiernächte um 4 Prozent zugenommen – trotz Euro-Schwäche und Fehlen eines Magnets wie der Van-Gogh-Ausstellung. Wie erklären Sie sich das?

Daniel Egloff: Grundsätzlich ist der schwache Euro ein grosses Thema. Die Schweiz ist in den letzten zwei Jahren wegen des Wechselkurses für ausländische Reisende um 23 Prozent teurer geworden. Allerdings wirkt sich dies mit Verzögerung aus. Haben Sie eine Reise bereits geplant, führen Sie diese trotz ungünstigerem Wechselkurs durch. Das in Basel starke Segment der Messe- und Geschäftskunden ist zudem weniger von Wechselkursen abhängig.

Das allein erklärt die Zunahme an Übernachtungen nicht.

In Basel wurden 2010 zwei neue Hotels eröffnet. Das grössere Zimmerangebot hilft in Zeiten hoher Auslastung, Logiernächte abzuschöpfen. Dann stützen die starken Pharma-Unternehmen den Bereich Geschäftsreisen. Ein wichtiger Faktor sind zudem die Airlines: Der Euro-Airport Basel-Mulhouse verzeichnete 2010 sieben Prozent mehr Passagiere.

Basel hat sich 2010 besser entwickelt als die traditionellen Tourismus-Regionen in den Bergen.

In den Bergen wirkt sich die Euro-Schwäche direkter aus: Bei ungünstigem Wechselkurs fährt die Familie nach Lech in die Skiferien anstatt nach St. Moritz. Im Messe-, Geschäfts- und Kongresstourismus ist man eher an den Standort gebunden.

Die Zahl Logiernächte ist für sich genommen wenig aussagekräftig. Wichtiger ist der Auslastungsgrad.

Auch in diesem Punkt entwickelt sich Basel erfreulich: Trotz neuer Hotels wurde die Auslastung gesteigert. Allerdings ist auch diese nur bedingt aussagekräftig: Schliesslich kann ein Hotel eine hohe Auslastung zu einem tiefen Preis haben. Die für den Erfolg einer Destination relevante Zahl ist der Durchschnittsertrag pro Zimmer und Jahr, also Auslastung mal Preis. Diese taucht in den offiziellen Statistiken nicht auf. Ich weiss aber: Die Basler Hotels haben den Ertrag in den letzten Jahren ebenfalls steigern können.

In Basel nehmen die Hotelgäste aus der EU ab, jene aus Asien und den USA teilweise stark zu. Entspricht das dem nationalen Trend?

Eindeutig. Die fünf wichtigsten Märkte der Euro-Zone – Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande und Belgien – machen fast die Hälfte der Übernachtungen aus. Dieser Bereich ist 2010 national um 3,2 Prozent geschrumpft. In Basel bewegt sich der Verlust in ähnlicher Grössenordnung. Im asiatischen Markt weitet sich das Volumen aus: Immer mehr Chinesen und Inder können reisen.

Überraschend ist die starke Zunahme von Gästen aus den USA.

Wir erklären uns dies in Basel mit den Oberammergauer Passionsspielen, die alle zehn Jahre stattfinden. 2010 pilgerten deswegen Zehntausende Amerikaner nach Oberbayern. Die Agenturen boten diesen Gästen im Umfeld der Festspiele Ausflüge und Reisen an, die teilweise nach Basel führten. Ein weiterer Grund für den Anstieg der US-Gäste sehe ich neben den Geschäftsreisenden bei den zunehmenden Mehrtagesschiffsreisen auf dem Rhein. Diese werden von Amerikanern stark frequentiert.

Begrüssen Sie diese Verschiebung der Akzente von Europa Richtung Asien und Amerika?

Basel hatte vor zehn Jahren mit zwei grossen Klumpenrisiken zu kämpfen: Eines betraf den Markt: Wir waren einseitig abhängig vom Heimmarkt sowie von Deutschland und Grossbritannien. Wir konnten diese geografische Abhängigkeit etwas aufbrechen. Das erweist sich nun als grosser Vorteil: Trotz Krise im Euro-Raum können wir zulegen. Das zweite Klumpenrisiko betraf die Reise-Motive: Noch vor wenigen Jahren war Basel auf den Messe- und Geschäftstourismus fokussiert. Wir bauten mit dem Freizeittourismus ein weiteres Standbein auf, zum Teil dank neuer, preisgünstiger Flugverbindungen und einer klaren Markenstrategie pro Segment.

Sie müssen Basel über die einzelnen Märkte unterschiedlich bewerben.

Im Heimmarkt verkaufen wir die Events – zum Beispiel Fasnacht, Basel Tattoo, Swiss Indoors, Weihnachtsmarkt. Wir versuchen, die Schweizer im Zusammenhang mit solchen Events für eine Übernachtung zu gewinnen. Im europäischen Markt spielt der Freizeittourismus eine immer grössere Rolle. Hier positionieren wir Basel als Kunst- und Kulturstadt für den Wochenendtrip mit Museenbesuch, Altstadtbummel, Shopping und Cappuccino trinken. Der indische und chinesische Markt funktioniert wieder anders: Wir versuchen, im Rahmen einer zweiwöchigen Europareise für Basel ein Stück des Etappenkuchens abzuschneiden.

Gelingt das? Basel ist nicht Paris.

Jede Chinesin und jeder Inder will nach Paris – und aufs Jungfraujoch. Basel eignet sich dank guter Bahnverbindungen hervorragend als Zwischenstation zum Übernachten. In der touristischen Hochsaison Juli und August können wir attraktivere Preise anbieten als etwa das überlaufene Luzern. Die Chinesen sind nicht bereit, fürs Übernachten viel Geld auszugeben. Aber sie wollen sich auf ihrer Europareise eine Luxusuhr kaufen. Zentral ist für sie das Shopping-Angebot einer Stadt.

Stimmt dieses Angebot in Basel?

Es ist in Basel nicht schlechter als anderswo. Allerdings ist das Shopping etwas lieblos inszeniert. Die Freie Strasse bietet eine Vielzahl von Uhren- und Schmuckläden sowie Luxusmodelabels. Der Gesamteindruck punkto Einkaufsatmosphäre ist dennoch stark ungenügend. Für ein tolles Shopping-Erlebnis braucht es mehr als nur anständige Bodenbeläge. Zu verbessern wäre in der Innenstadt auch die Beleuchtung. Zürich, Bern und Luzern inszenieren ihre Shoppingmeilen besser. Generell wäre eine Aufwertung touristischer Hotspots wünschenswert: Auf der Pfalz könnten mehrsprachige Tafeln über die historische Bedeutung sowie über das hervorragende Panorama Auskunft geben. Ungenügend in Wert gesetzt ist beispielsweise auch das Dreiländereck. Toll finde ich hingegen, dass die Idee eines Wegs am Grossbasler Rheinufer wieder aufgenommen wird.