Vogelzug

Amsel, Drossel, Fink und Star an der 22. EuroBirdwatch in Riehen

An der 22. EuroBirdwatch beobachteten am Sonntag Dutzende Vogelfans, was sich über ihrem Kopf tat. Die Aktion war mehr als ein spannender Plausch: Die Anzahl erspähter Vögel fliesst in eine Statistik, die zum Zugvogelschutz aufgestellt wird.

«Ein Wiesel in der Wies an der Wiese», ruft ein Beobachter plötzlich aufgeregt. Sofort scharrt sich eine kleine Menschenmenge um den Mann, der aufgeregt auf die nahe gelegenen Büsche zeigt, wo ein Marder mit weissem Brüstchen sitzt.

Der Grünspecht ist nur einer von dutzenden verschiedenen Vogelarten, die die Zuschauer mit Kamera und Feldstecher gestern begutachten konnten. Auch den eher selten aufkreuzenden Grauspecht und die Rotdrossel bekamen die Besucher im Rahmen der 22. EuroBirdwatch beim Eisweiher in Riehen zu sehen.

Mit professionellen Objektiven identifizieren vier ehrenamtliche Mitglieder der ansässigen Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz Riehen (GVVR) jeden vorbeifliegenden Vogel, sei dies nur ein kleiner Spatz oder ein majestätischer Mäusebussard. Denn für statistische Zwecke wird Stunde für Stunde genau festgehalten, wie viele Vögel von der jeweilig spezifischen Art am Himmel zu sehen sind.

Auf dem Weg in den Süden

Der Grossteil der in Riehen beobachteten Vögel sind Zugvögel, die die Schweiz auf ihrem Weg nach Süden überqueren. Auf dem Zug können die Vögel dabei zwischen 20 und 400 Kilometer pro Tag zurücklegen, wobei aber nur gerade ein Viertel aller Arten am helllichten Tag fliegt. Der Zeitpunkt ihrer Reise hängt von den klimatischen Verhältnissen ab und ändert folglich ständig, sodass auch die Anzahl an insgesamt erfassten Vögeln von Jahr zu Jahr variiert.

Trotzdem treffen in der Schweiz immer wieder verschiedenste Vogelarten aufeinander. Neben der GVVR sind deshalb 62 weitere Sektionen des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz an der EuroBirdwatch sowie auf internationaler Ebene 37 Partnerorganisationen beteiligt.

Einsatz für Zugvogelschutz

Während einige Vogelarten nach dem Zwischenhalt in der Schweiz nicht mehr weit von ihrer Winterresidenz entfernt sind, haben andere Arten noch tausende Kilometer Flug vor sich. Natürliche Gefahren wie starke Herbstwinde oder geografische Hindernisse wie die Alpen müssen seit je her überwunden werden.

Aber auch menschliche Aktivitäten beeinträchtigen seit geraumer Zeit die Zugvögel auf ihrer Reise. Die Lebensraumzerstörung sowohl im Brutgebiet als auch bei Rastplätzen stellt das Hauptproblem dar, wobei vor allem das Siedlungswachstum und die Intensivierung der Bewirtschaftung die Lebensräume vernichten. Zudem fallen gemäss einem vor kurzem erschienenen Bericht von BirdLife International, der Dachorganisation von BirdLife Schweiz, im Mittelmeerraum jährlich 25 Millionen Zugvögel der Vogeljagd und dem Vogelfang zum Opfer.

Mithilfe seiner zahlreichen Unterorganisationen und diversen Partner versucht BirdLife International nun die Flugrouten der Zugvögel zu sichern und bedrohte Arten vor dem Aussterben zu bewahren. Gerade in den mediterranen Ländern wird man damit aber aufgrund der tief verankerten Tradition des Vogelschiessens respektive des Vogels als Mahlzeit entweder auf grosse Gegenwehr oder taube Ohren stossen.

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