Mehr als einen Tag lang hatten sich die drei Richter nochmals im Detail durch all die Dossiers gekämpft, und ihr Verdikt am Freitag war simpel und klar: Der 61-jährige Angeklagte beging mehrfachen Amtsmissbrauch. Konkret stellte er in 56 Fällen Arbeitsbewilligungen aus, obwohl die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt waren. Vor allem die klar vorgeschriebene erfolglose Personalsuche bei Schweizern und EU-Bürgern wurde den Unternehmen in vielen Fällen erlassen, wenn sie Leute aus Drittstaaten anstellen wollten. Die Gesetze hätten in den genannten Fällen allerdings keinen Spielraum zugelassen, damit habe der Mann sein Ermessen klar überschritten.

Wirtschaft wie Vorgesetzte rühmten ihn, er habe viel Gutes für den Wirtschaftsstandort Basel geleistet.  "Das ehrt sie grundsätzlich. Aber in ihrer Funktion hätten sie nicht nur auf Basel schauen müssen, sondern auf die ganze Schweiz, streng genommen auf die ganze EU/EFTA", sagte Gerichtspräsident Marc Oser. Er habe die Arbeit des Migrationsamtes hintertrieben und auch die Kontrolle der Schwarzarbeit stark erschwert. "Die Kontrolleure hatten natürlich keine Freude, wenn jeder eine Bewilligung kriegt. So ist die Sache dann ja auch aufgeflogen".

Die Sache sei spätestens dann ausgeufert, als er einer Arbeitnehmerin Blumen geschickt hat. "Sie haben sich hier auch Selbstbestätigung gesucht und sich in dieser Rolle wohlgefühlt", sagte Oser.

Das Gericht bestötigte auch die Anwedung der sogenannten mittelbaren Täterschaft: Auch seine Mitarbeiter hätten die regelwidrigen Bewilligungen durchsetzen müssen, selbst die Lehrtochter tippte entsprechende Verfügungen. Zwei Mitarbeiter wurden vor Gericht als Zeugen befragt: Einer hatte grosse Mühe mit den fachlich falschen Weisungen seines Chefs, der Andere verteidigte ihn und verwies auf eine liberale baselstädtische Praxis.

Oser betonte, der Amtsmissbrauch habe auch ganz konkrete Folgen gehabt: So sei etwa eine Express-Schneiderei derart erfolgreich geworden, dass andere Läden ihre Schneidereien geschlossen hätten, dabei habe es dann andere Arbeitslose gegeben. Offenbar gab es damals in Basel lediglich drei bis fünf arbeitslose Schneider, indes über 50 in der ganzen Schweiz. Das Gericht wunderte sich darüber, dass beispielsweise ein Arbeitsweg von Zürich nach Basel plötzlich als unzumutbar eingestuft wurde. Auch konnten Restaurantbesitzer probemlos Familienangehörige aus Drittstaaten einstellen. "Klar, das ist die einfachste Lösung. Aber es ist halt nicht erlaubt", sagte Oser.

Offenbar gab es einige Fälle, die nicht ganz eindeutig sind und tatsächlich im Ermessen der Behörden lagen. Diese waren nicht Teil der Anklage. Offenbar gehörten auch die die 55 Musiker aus Drittstaaten dazu, die trotz Teilzeitpensum fälschlicherweise eine Bewilligung erhalten hatten: 28'000 Leute forderten letztes Jahr in einer Petition genau das, was der ehemalige Abteilungschef jahrelang gemacht hatte: Die Regeln im Einzelfall nicht ganz so genau zu nehmen. Das Gericht setzte eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten fest, dazu kommen über 20'000 Franken Verfahrenskosten. Er kann das Urteil noch weiterziehen.