Uni Basel
An der Absolventenmesse buhlen Firmen um Studis

Für für Geistes- und Sozialwissenschafter gab es an der Messe am Mittwoch wenige, dafür ungeahnte Angebote. So warb zum Beispiel Ikea um ihre Dienste.

Mark Walther
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Ein guter Lebenslauf ist der Anfang vieler Bewerbungen: An der Messe konnten Studis ihr CV checken lassen.

Ein guter Lebenslauf ist der Anfang vieler Bewerbungen: An der Messe konnten Studis ihr CV checken lassen.

bz Basel

Hunderte Studenten strömten gestern zur Messe. In der Halle 2 präsentierten sich 52 Firmen und Organisationen, von Amnesty International bis zur UBS, den ganzen Tag lang als attraktive Arbeitgeber. Die organisierende Together AG erwartete rund 1400 Studenten. Aus Offenburg und Freiburg brachten Shuttlebusse Studenten nach Basel. Die Together AG hatte für angehende Ingenieure aus Deutschland ein Spezialprogramm vorbereitet.

«Bin ein bisschen enttäuscht»

Künftige Ingenieure waren am Mittwoch besonders gefragt. 33 Aussteller waren laut der Messebroschüre auf der Suche nach Ingenieuren. Auch für Studenten aus den Bereichen Wirtschaft, Informatik sowie Mathematik und Naturwissenschaften hatte eine Mehrheit Bedarf. Weniger gefragt waren Absolventen der Geistes- und Sozialwissenschaften, sprich Historiker, Sozialarbeiter oder Medienwissenschafter. «Ich bin schon ein bisschen enttäuscht über das Angebot», sagt Englisch- und Medienwissenschaftsstudentin Kathrin. Sportwissenschaftsstudentin Angela meint: «Es gibt hier nicht viele Firmen, bei denen ich dereinst arbeiten könnte.»

Die Together AG veranstaltet 20 Messen für Studenten in der ganzen Schweiz. Die Angebote für Wirtschafts-Studenten, Ingenieure und Informatiker überwiegen überall, sagt Thomas Wegmann. Man sei bestrebt, Studenten aus möglichst allen Fachrichtungen etwas zu bieten. Der Bedarf der Firmen an Ingenieuren und Betriebswirtschaftern sei aber einfach am grössten. Darüber hinaus nehmen praktisch nur grosse, finanzstarke Firmen an der Absolventenmesse teil. Firmen, die es sich leisten können, professionelles Personal-Marketing zu betreiben. Firmen, die sich auch einen Stand leisten können: Ein solcher kostet in Basel zwischen 1500 und 10 000 Franken.

Historiker beim Maschinenbauer

Diese Firmen suchen nicht in erster Linie und nicht aktiv Historiker oder Kulturexperten. Vereinzelt stellen aber auch sie Geistes- und Sozialwissenschafter ein. Das Industrieunternehmen Georg Fischer betreibt etwa eine eigene Bibliothek. Geleitet wird sie von einer Historikerin.

Doch es gibt Ausnahmen: Das Möbelhaus Ikea warb gestern etwa aktiv um Geistes- und Sozialwissenschafter. Wichtig sei neben dem Studienabschluss auch die Sozialkompetenz, sagt Human-Resources-Managerin Sandra Berchtold. Für die Lehrlingsausbildung stellt Ikea beispielsweise Lehrer ein. Wie Ikea suchte auch Aldi laut Messebroschüre nach Sozialwissenschaftern. Laut Julia Baur schaut man bei Aldi nicht zuerst auf den Studienabschluss, sondern auf das, was Absolventen vor und während des Studiums sonst noch geleistet haben. Pro Jahr stellt Aldi im Durchschnitt 15 Uni-Absolventen an, die Mehrheit als Regionalverkaufsleiter. Für diesen Posten müsse man wirtschaftsaffin sein und studiert haben, nicht zwingend aber Wirtschaft, sagt Baur. «Wir suchen Allrounder.»

Uni wünscht sich mehr Angebote

Dass die Firmen auch für Nicht-Wirtschafter und -Ingenieure Jobs haben, sieht auch Emmanuel, Student der Germanistik und der Französischen Literatur, so: «Man ist hier nirgends fehl am Platz.» Derselben Meinung ist Matthias Geering, Sprecher der Universität Basel. Er sagt aber auch: «Mehr Angebote für Geistes- und Sozialwissenschafter wären wünschenswert.» Wenn aber Arbeitgeber aus diesen Bereichen sich nicht an der Messe beteiligen wollten, dann liesse sich das nicht ändern.

Thomas Wegmann ist sich sicher, dass Geistes- und Sozialwissenschafter ihre Arbeitgeber nicht in erster Linie an Messen kennen lernten. Das zeigt auch die folgende Zahl: Nur etwa zehn Prozent der gestrigen Messebesucher waren Geistes- und Sozialwissenschafter. Trotz wenigen Angeboten gingen sie nicht leer aus: So konnten sie Bewerbungsfotos schiessen lassen und Anstellungsgespräche üben.