Die Dame am Desk macht einen etwas verdutzten Eindruck. «Uhren umstellen…wie meinen Sie?» Dann huscht ein verlegenes Lächeln über ihr Gesicht. «Achja, ehm, okeee…Ja natürlich, umstellen. Ha! Stimmt! Natürlich, ja, daran haben wir gar nicht gedacht…», sagt sie. Jetzt lacht sie laut heraus und gewinnt ihre Schlagfertigkeit wieder: «Logisch, wir gehen mit der Zeit.»

Die Dame am Desk wird am Sonntag ziemlich zu tun haben. Denn am Stand von Boss und Lacoste zeigen die rund 100 ausgestellten Uhren die richtige Zeit an. Und nicht einfach die «Neun-Minuten-nach-zehn-Stellung», wie sie oft anzutreffen ist.

Auch bei Hermes und verschiedenen anderen Ausstellern mit klingenden Namen reagiert man überrascht und amüsiert. «Öh, ben oui, ja, tatsächlich…ok, es sind jetzt nicht allzu viele, 30 Uhren, pas de problème», sagt die charmante Hermesfrau. Die meisten Uhren zeigen dort ganz unterschiedliche Zeiten an. Gross auffallen würde in diesem fröhlichen Durcheinander eine falsch gehende Uhr nicht.

Die Uhren müssen exakt gehen

Ganz anders bei Blancpain. Die Uhrenmanufaktur aus dem Vallée de Joux stellt nur mechanische Uhren her, und das wird zelebriert. Um Gottes Willen! Hier ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Uhren exakt gehen, dass sie aus den Vitrinen genommen werden, um das Werk aufzuziehen. Dann können sie auch gerichtet werden. «Bei uns müssen die Uhren laufen. Und die Kunden müssen das sehen. Das ist doch völlig klar», sagt einer der Ausstellungsverantwortlichen bei Blancpain zu bz.

Tatsächlich: Oftmals ist bei diesen kleinen Meisterwerken die Unruhe – das vor- und rückwärtsdrehende Rad, welches zum charakteristischen «Ticktack» führt – zu sehen. «Die sogenannte Smily-Stellung suchen Sie bei uns vergebens», sagt der Blancpain-Herr. Die genaue «Smily-Zeigerstellung» liegt bei zehn Uhr, acht Minuten und 42 Sekunden, weiss er. Bei Blancpain sind 60 Uhren ausgestellt.

Die bz machte bei einem Rundgang eine Stichprobe. Die Hälfte bis zwei Drittel der Uhrenaussteller haben alle Uhren auf Neun-nach-Zehn gestellt. Einige haben ein «gemischtes Programm»: die wertvollen Stücke, insbesondere die mechanischen, gehen korrekt. Bei rund 1000 Uhrenausstellern müssen nach dieser Schätzung mehr als 300 Aussteller zwischen einem und mehreren Dutzend Uhren umstellen – insgesamt dürfte die Zahl der umzustellenden Uhren an der Baselworld in die Tausende gehen.

Auch die grosse Uhr an der Rundhofhalle wird umgestellt. «Es gibt bei uns eine ‹Mutteruhr›, die über GPS gesteuert wird, wie ein Mobilphone», sagt Messesprecher Christian Jecker. Diese Mutteruhr steuert ihrerseits mit entsprechenden Signalen alle Uhren auf dem Gelände – das heisst auch die grosse Uhr an der Halle 2, aber auch die Uhrwerke in den verschiedenen Gebäuden, in den Drehkreuzen et cetera. Wer also eine rasch drehende Messeuhr sehen will, muss bis zwei Uhr aufbleiben.