Am Anfang dieser Geschichte stehen ein erzürnter Vater, passive Behörden und mittendrin eine orientalische Wasserpfeife, die Shisha (siehe Box). Am Ende bleiben ausser viel heissem Rauch um nichts nur Tee und Smoothies. Auch der Caipirinha hat die Geschichte nicht überlebt. Doch dazu später mehr.

Zurück zum Anfang: Auf der Einladung zur diesjährigen Basler Jungbürgerfeier am 17. September im Volkshaus kündigt das Organisationskomitee eine Shisha-Lounge an. Ein Zelt draussen im Garten, ausgestattet mit Kissen, Teppichen und Shishas, an der die Jugendlichen für ein moderates Entgelt qualmen können. So stellt sich OK-Präsident Thommy Hediger das vor. Er wartet auf das Einverständnis des Gesundheitsdepartements.

«Tabakkonsum wird verharmlost»

Gleichzeitig kann Christian Born die Welt nicht mehr verstehen. Seine Tochter ist zur Jungbürgerfeier eingeladen. «Es geht doch nicht, dass bei einer solchen Feier Shishas zur Verfügung gestellt werden», sagt Born. Die Basler Zünfte und Gesellschaften organisieren die Jungbürgerfeier im Auftrag der Basler Regierung. Born geht es um den Gesundheitsaspekt: «Der Tabakkonsum wird verharmlost, wenn den Jugendlichen die Möglichkeit geboten wird, Shisha zu rauchen; und das von offizieller Seite.» Es käme wohl auch niemand auf die Idee, eine Ecke mit Ständen für Kleinkredite einzurichten.

Born wird aktiv, erkundigt sich beim Gesundheitsdepartement, bei der Lungenliga beider Basel, bei Smokefree, der Anti-Rauchkampagne des Bundesamts für Gesundheit, und bei den Sponsoren des Anlasses. Die Antworten, die er erhält, lauten immer gleich: Shishas anzubieten sei zwar problematisch, aber gesetzlich erlaubt. Da sei nichts zu machen. Eine Nachfrage beim Basler Gesundheitsdepartement bestätigt dies: «Für ein Verbot besteht keine gesetzliche Grundlage», schreibt Mediensprecherin Anne Tschudin. Das Gesundheitsdepartement rät aber auch nicht davon ab, Shishas aufzustellen – obschon der Shisha-Rauch sehr gesundheitsschädlich ist: «Die konsumierte Schadstoffmenge liegt schon nach kurzer Zeit über derjenigen einer ganzen Zigarettenpackung», schreibt Tschudin. Sie fordert einzig Kontrollen, damit keine Unter-18-Jährigen Zugang zur orientalischen Wasserpfeife erhalten können.

Dann halt eine Teestube

Das grüne Licht aus dem Gesundheitsdepartement – da ist es. Sieg für die Shisha? Mitnichten. Das OK hat mittlerweile auf die Diskussion reagiert und das Konzept über den Haufen geworfen. Es kippt die Shisha aus dem Programm. Nicht aber die Lounge mit Kissen und Teppichen: Sie wird zur orientalischen Teestube umfunktioniert. Den Tee wird es umsonst geben.

Jürg Bosshardt vom OK begründet den Entscheid folgendermassen: «Wir wollen nicht weiter Anlass zu Diskussionen geben. Die Shisha-Lounge war kein zentrales Element der Jungbürgerfeier.» Es ist aber nicht nur die Shisha, die sich im Rauch der Diskussion auflöst. Auch die Caipi-Lounge fliegt aus dem Programm, wo bis anhin jeweils Caipirinhas gemixt wurden. «Es wird keinen hochprozentigen Alkohol an der Jungbürgerfeier geben», stellt Bosshardt klar.

Gepresst, nicht gemixt

Das OK hat die Caipi-Lounge kurzerhand durch eine Smoothie-Bar ersetzt. An der Fete werden anstatt Cachaça-Schnaps und Limettensaft alkoholfreie Cocktails aus frischen Früchten gemixt: «Frischgepresste Säfte sind bei den Jugendlichen in Mode», sagt Jürg Bosshardt.

Aus Shishas wird Tee, aus Caipirinha Smoothies. Was für die Jungbürger Spassbremsen sind, freut Christian Born. Noch immer nicht nachvollziehen kann er allerdings die Haltung des Gesundheitsdepartements: «Ich sehe nicht ein, wieso das Gesundheitsdepartement eine Shisha bei der Jungbürgerfeier gutgeheissen hätte.»