Der Sexshop Magic X verlässt die Clarastrasse. Der Laden ist bereits geräumt, das Schaufenster leer, die Schlüssel übergeben. Zusammen mit der Kontaktbar Red Rose bildete das Geschäft einen etwas zwielichtigen Fleck in der prominenten Strasse im Kleinbasel. Dennoch war Magic X einer der wenigen Läden mit bekanntem Namen. Von Messe- bis Claraplatz reihen sich Discounter, Billigläden und vereinzelt Restaurants aneinander. In den vergangenen Wochen sind mehrere Läden ausgezogen (die bz berichtete), von allen Seiten heisst es: Das Geschäft läuft nicht. Nicht mal Sex verkauft sich in dieser Strasse, die einmal mit dem Namen «Boulevard Clara» betitelt wurde und den Kleinbasler Detailhandel aufwerten sollte.

Investition von 4,7 Millionen

Die Stadtentwicklung in Guy Morins Präsidialdepartement rührte die Werbetrommel, der Grosse Rat bewilligte einen Kredit von 4,7 Millionen Franken. Die Trottoirs wurden breiter, Pflanzen höher – doch die Strasse blieb leer. Von einem Boulevard spricht heute auch Stadtentwickler Thomas Kessler nicht mehr: «Er ist eigentlich ein unmögliches Ding.» Die Konkurrenz aus dem Internet und dem Ausland führten jedoch dazu, dass «er jetzt Potenzial entwickelt für neue, innovative und kreative Angebote.» Wie diese genau aussehen, steht noch offen.

Dass der Sexshop Magic X auszieht, werde indes kaum bedauert, sagt Kessler. Die Gründe sieht er in einem veränderten Konsumverhalten, nicht im Standort. Dem widerspricht jedoch Jan Brönnimann von Magic X: «Wir suchen jetzt wieder einen Standort für einen zweiten Laden in Basel.» Die zweite Filiale am Steinengraben laufe gut, das Potenzial in Basel bestehe nach wie vor. Daneben betreibt die Kette auch in Pratteln zwei Filialen, erfolgreich, wie Brönnimann sagt. Nur im Kleinbasel sei der Geschäftsgang unbefriedigend: «Wir waren nicht glücklich mit der Gegend.» Einen Nachmieter gibt es noch nicht, Gerüchten zufolge sei ein erster Interessent kurzfristig abgesprungen.

Auch ein weniger prominentes, dafür umso grösseres Geschäft macht dicht: Die Firma B+A an der Hausnummer 13 verteilt derzeit Flyer im Quartier, die auf die Totalliquidation aufmerksam machen. «Alles muss weg» heisst es darin. Kindershirts und -hosen gibt es ab 1.90 Franken, Damenblusen ebenso.

Potenzial der schrägen Mischung

Die IG Kleinbasel arbeitet derzeit an einem Projekt mit Pop-up-Stores, wie sie auch in anderen Städten funktionieren. Kleine Ladenflächen also, die Jungunternehmern eine Chance bieten, sich zu etablieren (siehe Kasten). Damit soll das Kleingewerbe im Kleinbasel gerettet werden und die langersehnte Aufwertung eintreffen. Die Realität sieht derzeit anders aus. 2012 sprach Kessler gegenüber der «Basler Zeitung» nicht nur von grossen Investoren für den Boulevard, sondern von einer Einkaufsmeile bis zum Badischen Bahnhof. Zeithorizont damals: drei bis vier Jahre. Nun schraubt er die Erwartungen für die Zukunft nach unten. Kessler sagt: «Die Clarastrasse wird nie eine schmucke Lädelistrasse werden, sondern das Potenzial der schrägen Mischung entfalten.»

Dennoch gibt Kessler nicht auf und gibt eine weitere Prognose ab: «Dank den grossen Flächen sind an der Clarastrasse wirklich neue Ladenmodelle möglich, und durch die dynamischen Entwicklungen und Projekte rund um die Clarastrasse ist sie in fünf Jahren im Zentrum pulsierender Hotspots.»