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An der Landesgrenze entsteht ein Zukunftslabor

Im Nordwesten Basels baut Novartis der 20 Hektaren grosse «Campus des Wissens».

Die Zukunft nimmt dort Gestalt an, wo die Schweiz aufhört: auf 20 Hektaren zwischen der französischen Grenze und dem Voltaplatz in Basels Nordwesten. Hier, auf dem ehemaligen Sandoz-Industriegelände, baut der Pharmariese Novartis seit 2003 seinen «Campus des Wissens». Voraussichtlich 2030 wird das ehrgeizige Projekt vollendet sein, in einer ersten Phase bis 2014 gibt die Novartis zwischen 2 und 2½ Milliarden Franken aus.

«Wenn ich am Morgen aus dem Tram steige, betrete ich eine neue Welt», sagt Campus-Sprecher Felix Räber bei einem Rundgang. Übertrieben ist das nicht: Einst pusteten hier Schornsteine Rauch in die Luft, heute säumen glänzende Büro- und Laborgebäude die Fabrikstrasse, die Hauptachse des Geländes. Regelmässig wachsen neue Bauten aus dem Boden, konzipiert von den renommiertesten internationalen Architekten. An die industrielle Vergangenheit des Gebiets wird bald nur noch der Name Fabrikstrasse erinnern.

Es geht dem Unternehmen indes nicht darum, an seinem Hauptsitz einen Komplex von Repräsentativbauten zu errichten. Die Architektur steht im Dienst eines grösseren Ganzen: Eine attraktive Arbeitsumgebung mit Grünanlagen, Fitnesscenter, Kinderkrippen und Restaurants soll internationale Spitzenkräfte anlocken. Zudem sollen die künftig 10 000 bis 12 000 Angestellten auf eine radikal neue Art und Weise zusammenarbeiten.

Der Forscher des 21. Jahrhunderts tüftelt nicht mehr alleine im abgeschlossenen Raum, er produziert in ständigem Austausch mit Kollegen einen kontinuierlichen Ideenstrom. Hinter den Glasfassaden an der Fabrikstrasse findet man deshalb kaum mehr Einzelbüros und abgeschlossene Räume, dafür raffiniert verschachtelte Raumstrukturen, welche die Zahl der Begegnungen vervielfachen. Multi-Space nennt sich das Konzept, das die neue Arbeitskultur bezeichnet und Züge einer Sozialutopie trägt. Ziel sei, sagt Felix Räber, ein neues Verhalten zu fördern.

Eine Scheibe für die Bevölkerung

Es entsteht eine Art Zukunftsenklave im einstigen Industrieviertel St. Johann, ein neues Quartier, von der restlichen Stadt weitgehend abgeschlossen. Trotzdem sieht man das Campus-Projekt bei der Novartis auch als Bekenntnis zum Standort Basel. Voraussichtlich 2014 wird die Bevölkerung eine Scheibe erhalten: Bei der Erweiterung des Campus Richtung Rhein auf das Areal des ehemaligen Hafens St. Johann wird Platz gelassen für eine Uferpromenade. Stück für Stück wird der alte Hafen gegenwärtig abgetragen. Noch stehen Hafenkräne am Ufer als Zeugen der industriellen Ära. Dahinter aber reissen Bagger immer weitere Stücke aus den alten Lagerhäusern um Raum zu schaffen für die Arbeitswelt der Zukunft.

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