Am Montag begeben sich an der Universität Basel gegen 1800 Studierende erstmals auf die Suche nach dem richtigen Hörsaal. Im Dschungel der unzähligen Vorlesungen ist der Studienplan ihr Kompass – für Mediziner sehr, für Geisteswissenschaftler weniger.

Diese müssen ihren Stundenplan zumindest teilweise selber gestalten. Doch was tun, wenn sich Pflicht-Vorlesungen überschneiden?

Hilfe, ich verstehe den Titel nicht

Zweifel dürfte auch so mancher Veranstaltungstitel hervorrufen: Ist es ein Problem, wenn ich nicht verstehe, was «Denkfiguren. Aus dem theoretischen Werkzeugkasten der Medienkultur» sind? Vollends verunsichern die Prüfungen, die einem schon in der ersten Vorlesung angedroht werden.

Nicht zu vergessen: Wann lese ich die 200 Seiten, die ich bis nächste Woche bewältigt haben sollte? Das alles neben dem neuen Leben in der Wohngemeinschaft mit den Mitbewohnern, die einem am Morgen nach der letzten Party den Orangensaft wegtrinken und nach dem Duschen die Haare im Waschbecken liegen lassen.

Professor ist ein zu hohes Ziel

Gut ins Studium einzusteigen, ist gar nicht so leicht. «Es braucht Neugierde und Ausdauer. Studienanfänger sollten sich nicht zu rasch entmutigen lassen», sagt Maarten Hoenen, Vizerektor Lehre an der Universität Basel. Auch wenn der Anfang vielleicht hart ist, die Sprache neu und fremd, ein Jahr durchhalten sei zwingend.

«Die Uni ist ein Spannungsfeld zwischen Kreativität und Disziplin.» Die Literatur müsse man lesen und es brauche die Freude am Lernen, den Mut, auch mal über den Fächerrand hinaus zu schauen.

Er empfiehlt, nicht gleich eine akademische Laufbahn anzustreben, sondern sich erst mal genügend Zeit zu lassen. Doch auch das kann mühsam werden, wenn Tanten und Grossväter bei jeder Gelegenheit fragen, was man denn jetzt mal wird und ob es denn Professor ist.

Diese Laufbahn schlägt übrigens nur ein Bruchteil der Studienanfänger ein: Je nach Fakultät sind es 5 bis 10 Prozent, die doktorieren. Für die anschliessende akademische Laufbahn sind es noch weniger, und nur etwa ein bis zwei Prozent werden später mal Professor.

Einführung ist Gold wert

Wer also Hilfe braucht beim Einstieg, beim Fächer kombinieren und Stundenplan zusammenstellen, erhält diese am Tag des Studienbeginns am Infomarkt von 9 bis 12 Uhr bei den Studienorganisationen. Damit der Start gelingt, empfiehlt Markus Diem, Studienberater an der Uni Basel, vor allem eines: Die Einführungsveranstaltung des Faches ja nicht zu verpassen. «Das ist eine wichtige Orientierungshilfe.»

Er macht die Erfahrung, dass die grösste Schwierigkeit ist, sich eine Struktur zu geben. «Auch das muss man lernen und das braucht Zeit.»

Es braucht Ausdauer

Sollte auch nach dem Einführungstag nicht alles klar sein, bietet jedes Fach eine spezifische Studienberatung an. Und wenn das alles nichts hilft, ist die Studienberatung die Anlaufstelle bei Prüfungsangst und Motivationsproblemen. «Ein grosses Problem ist, dass sich viele sozial isolieren und nur noch die Arbeit sehen», sagt Diem.

Wem also beim Anblick der Literaturliste schwindlig wird, kann sich für verschiedene Kurse in Arbeitstechnik anmelden. Denn: «Studieren ist eine längere Sache, vergleichbar mit einem Marathon.»

Es gibt ein Leben neben der Uni

Wer dennoch schon zu Beginn ans Ende denkt, findet am Career Center Rat – sofern er oder sie den Einstieg in die Wirtschaft sucht: «Meist kommen die Leute zu spät zu mir», sagt Birgit Müller, Leiterin des Career Centers. Besser als erst beim Master-Abschluss wäre es, kurz vor dem Bachelor eine Laufbahnberatung zu beanspruchen.

Und dort zählen nicht nur die guten Noten: «Wir schauen, was die Leute ausser Studieren sonst noch so gemacht haben.» Sprach- und PC-Kenntnisse, Engagement in Vereinen oder studentischen Organisationen, Praktika oder Austauschsemester zahlen sich dann aus: «Es sind die überfachlichen Kompetenzen, die für einen Arbeitgeber den Unterschied machen», sagt Müller.

«Das Studium ist eine Sache, aber es braucht das Engagement ausserhalb.» Müller rät Studienanfängern davon ab, aus pragmatischen Gründen ein Fach zu wählen: «Nur weil sich jemand gute Karrierechancen ausmalt, wird er oder sie kaum viel Freude haben am Studium.» Und sie rät, den Blick offen zu halten: «Es lohnt sich, auch mal Vorlesungen freiwillig zu besuchen.»