Festivals neu erfinden, das ist noch möglich. Normalerweise laden Musikfestivals Stars aus aller Welt in eine Stadt oder an einen Ort ein und präsentieren so Weltklasse. Nicht so KlangBasel. Das neue Musikfestival in der Stadt präsentiert einem breiten Publikum, welche Vielfalt an Musik und welche hohe Qualität in Basel selbst produziert wird.

Und dies über alle Stilgrenzen hinweg: vom Sinfonieorchester Basel, den anderen Orchestern und Ensembles über die Stars der Alten Musik – wie Andreas Scholl – bis zu den Jazzern, Pop-Musikern, Hip-Hoppern und Elektronikern. So erklärt Hans-Georg Hofmann, Künstlerischer Manager des Sinfonieorchesters Basel und Präsident des Vereins KlangBasel, das Festivalkonzept. Stephan Schmidt, Direktor der Musik-Akademie Basel, spitzt noch zu: «Wir zeigen die Stars, die wir hier haben.»

Musik in Sälen und Wohnungen

Die Musik-Akademie mit ihren beiden Hochschulen, der Allgemeinen Musikschule und den musikalischen Grundkursen ist wichtiger Teil des Festivals. Denn hier wird in allen Abteilungen der Nachwuchs ausgebildet. Die Stars von morgen lernen hier ihr Handwerk. Die Musik-Akademie legt den so wertvollen Boden, auf dem sich Basel als Musik-Stadt entwickelt und stetig weiterentwickelt. Kinder und Jugendliche werden auch einbezogen in KlangBasel, wirken hier so engagiert mit wie die Profis, wie viele Dozenten.

Bespielt wird am ersten Festival das Kleinbasel. Zentrum ist der neue Jazzcampus an der Utengasse, dieses architektonische und akustische Schmuckstück, mit dem die Musik-Akademie Basel ein gewichtiges Standbein im Kleinbasel erhält. Ebenso werden die Kaserne Basel, das Volkshaus, viele andere kleinere Kultur-Räume, Privatwohnungen, das Kaufhaus Manor, sowie Strassen und Plätze an den drei Tagen und drei Nächten vom 19. bis 21. September bespielt.

Wie an der Museumsnacht sollen die zuhörenden, zuschauenden und mitmachenden Menschen von Ort zu Ort gehen. Die Basler Madrigalisten laden ein auf das Rheinschiff. Ein einziges Konzert ist im Stadt-Casino ennet des Rheins: Beethovens neunte Sinfonie mit dem Kammerorchester Basel, dem MDR Rundfunkchor Leipzig und Solisten unter Dirigent Giovanni Antonini, dieses riesige Unternehmen, kann nur im grossen Musiksaal erklingen, wie Gregor Hoffmann, der Projektleiter von KlangBasel, unterstreicht.

Hans-Georg Hofmann lobt an der Medienkonferenz zu KlangBasel das Engagement und die Zusammenarbeit der Musikerinnen und Musiker aller musikalischen Bereiche. Die Idee eines Basler Festivals mit Baslern, das nicht nur zeigt, welch hohes künstlerisches Potenzial hier vorhanden ist, sondern die Musikstadt für drei Tage zum Klingen bringt, ist allseits begeistert aufgenommen worden.

Alle machen mit. Die Knaben- und Mädchenmusik Basel, verschiedene Chöre, Ensembles der Musikschule, das Sinfonieorchester Basel, das Kammerorchester Basel, die Basel Sinfonietta, die Weltklasse der Alten Musik mit der Violinistin Plamena Nikitassova, dem Cembalisten Jörg-Andreas Bötticher, dem Gambisten Paolo Pandolfo, Daniela Dolcis Barockensemble «Musica Fiorita», die Geigerin Julia Schröder, die Popgruppe «The Bianca Story», das Mondrian Ensemble, ebenso wie das Balcea Streichquartett oder die Jazzer Wolfgang Muthspiel und Lisette Spinnler, um nur einige zu nennen. Die Rocker Marc Krebs, Adrian Sieber, Elia Rediger, Nadia Leonti und Roli Frei finden sich in einer All Star Band. Und Basler DJs laden zum Tanz.

Begegnungen über Genres hinweg

Besonders spannend wird es dort, wo Genre- und Stilgrenzen gesprengt, Künstlerinnen und Künstler verschiedener Bereiche aufeinander treffen. So eröffnen in der Nacht vor dem Festival, am 18. September, der in Basel lebende Weltstar, der Countertenor Andreas Scholl, gemeinsam mit Freunden und dem Elektronik-Produzenten sowie Komponisten Fabian Russ das Festival im Union. In dieser «Ynight» treffen Renaissance- und Barockmusik auf Elektronik.

Im Volkshaus gestalten die Streicher von «La Cetra Barockorchester Basel» und das Perkussionstrio «DeziBells» der Schlagzeuger des Sinfonieorchesters Basel ihre Version von Johann Sebastian Bachs «Kunst der Fuge». In der Clarakirche trifft der Cembalist und Improvisationskünstler Rudolf Lutz, der vor kurzem emeritierte Dozent für Improvisation an der Schola Cantorum Basiliensis, auf den Jazzpianisten Hans Feigenwinter. Auf dem Claraplatz und in der Greifengasse bringt Lukas Fuchs vom elektronischen Studio der Hochschule für Musik Basel in zusammenarbeit mit der Stadtreinigung in einer Installation die Abfallkübel zum Klingen.

KlangBasel 2014 soll kein einmaliges Festival sein. Geplant ist es als Biennale. Denn das Interesse und die Bereitschaft der Basler Musikerinnen und Musiker, sich über die Genres und Stile hinweg zu vernetzen und sich der Bevölkerung der Stadt mit ihrer Kunst zu präsentieren, sei gross, betont Hans-Georg Hofmann. Erstaunlich ist ja auch, welch reichhaltiges Programm die in einem Verein organisierten Festivalmacher auf die Beine gestellt haben. Natürlich kann das Festival auf dem aufbauen, was hier an Musik während des ganzen Jahres geschaffen und erfunden wird. Das ist die Idee dahinter und ein grosser Vorteil.

Dabei bringen auch die subventionierten Künstlerinnen und Künstler ihr Potenzial mit ein. Somit hält sich auch das Budget mit etwa 300'000 Franken für das Festival gering. Den Hauptteil von 250'000 Franken steuert die Stadt über den Swisslos-Fonds bei. Zudem wird KlangBasel von der Ernst-Göhner-Stiftung, der Manor und weiteren Privaten unterstützt.

Der Erfolg ist Pflicht

Soll das Festival wirklich zur festen Einrichtung in Basel werden und alle zwei Jahre von Quartier zu Quartier weiterziehen, so ist für die erste Ausgabe der Erfolg gleichsam Pflicht. Das breit angelegte Konzept verspricht ihn auch. Stephan Schmidt erwartet ein «aktives und inspirierendes Musikfest». Denn, sagt Gregor Hoffmann: Der Verein als Träger von KlangBasel ist mit seiner Festivalidee bei Stiftungen und Sponsoren auf viele offene Ohren, aber auf wenig offene Schatullen gestossen.» Er führt dies auf die kurze Vorlaufszeit der ersten Ausgabe zurück.