Fussballspaziergang

An diesen Orten in Basel wurde Fussballgeschichte geschrieben

Diese Karte soll die Teilnehmer quer durch das Gross- und Kleinbasel lotsen.

Diese Karte soll die Teilnehmer quer durch das Gross- und Kleinbasel lotsen.

Beim Fussballspaziergang Basel lassen sich verschiedene Stationen in der Stadt ablaufen, die für die Geschichte des FCB von Bedeutung waren. Basels neuste Attraktion startet am Freitagabend mit einer Vernissage offiziell.

Der FC Basel ist soeben Meister geworden. Vier Punkte Vorsprung haben die Basler auf die Berner Young Boys, die den zweiten Platz belegen. Um diesen Triumph zu feiern, drehen die Mannschaft und der Staff, begleitet von einer Guggenmusik, eine Runde um den Landhof. Anschliessend wird noch zusammen zu Abend gegessen, schliesslich will ein Meistertitel gebührend gefeiert werden.

Gebührend? Ja, dieser kleine Umzug war damals, anno 1953, stilgerecht und ausreichend, auch wenn es den Gewinn einer Meisterschaft zu feiern gab. Heute, 63 Jahre nach dem historischen ersten Meistertitel des FCB, sind solche Szenen undenkbar – und vielerorts fast schon vergessen. Zu stark hat man sich an die imposanten Feiern auf dem Stadtcasino-Balkon mit Zehntausenden von Fans gewöhnt, die gemeinsam mit der Mannschaft bis in die frühen Morgenstunden den nächsten Titel zelebrieren.

Es sind solche nostalgischen Episoden, die man auf dem neuen Fussballspaziergang wieder aufleben lassen kann. Der Fussballspaziergang Basel, so sein offizieller Name, feiert heute Abend seine Vernissage. Der Rundgang, der entweder mit oder ohne Guide abgelaufen werden kann, führt durch die Fussballhistorie der Stadt Basel. Da werden Geschichten erzählt wie jene vom Holzschopf-Pächter Karli Odermatt. Oder jene von Xherdan Shaqiri, der an der Cupfeier 2012 eine Pyro zündete, was später eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft aufgrund der Verletzung des Sprengstoffmittelgesetzes nach sich zog. Oder er führt an Orte wie die ehemalige Schuhmacherzunft, wo einst, mitten in der Freien Strasse, Basler Fussballpioniere «behufs Gründung eines Footballklubs» Freunde dieses Sports zu einer Besprechung einluden und später den FCB gründeten.

Hin- und Rückspiel

«Die Idee, diesen Fussballspaziergang ins Leben zu rufen, ist eine relativ alte», erzählt Thilo Mangold, als er zusammen mit Claudio Miozzari, dem zweiten von fünf Vorstandsmitgliedern, einen Teil des Spaziergangs abläuft. «Letzten Sommer haben wir uns dann entschieden, diese Idee endlich umzusetzen.»

Es folgte am 18. Juni 2015 die Gründung des Vereins «Fussballspaziergang Basel» und damit der Anstoss für ein Projekt, welches über die 90 Minuten eines Fussballspiels hinaus führt. Weil Fussball eben viel mehr als diese 90 Minuten bedeutet. 90 Minuten aber soll es dauern, die Hälfte des Parcours zu absolvieren, das im Grossbasel stattfindende Hinspiel. Das Rückspiel im Kleinbasel dauert dann noch einmal so lange. «Wir sind die Strecke abgelaufen. Wenn man alles machen will, braucht man aber deutlich länger als zwei Mal 90 Minuten», so Miozzari.

Bier und Ball als Bonus

Zu den Highlights des Spaziergangs gehören neben bekannten Plätzen wie dem Joggeli oder dem Landhof, wo der FCB früher zu Hause war, auch Stationen, die überraschen, weil sie auf den ersten Blick nicht viel mit Fussball zu tun haben. Einer dieser Posten ist der Messeplatz. Der Ort, an dem der Verein jährlich seine Generalversammlungen abhält, steht sinnbildlich für eine sehr schwierige Zeit für den FCB. «Als der FCB pleite war», so der Titel des Postens, soll aufzeigen, dass es beim FCB nicht immer so rosig aussah wie heute.

Mit einem Videoelement soll die Krise illustriert werden. «Es vermittelt ein Bild vom FCB, der am Boden liegt. Der kein Geld hatte, und für den sich niemand interessierte. In der aktuellen Zeit ist es sicher angebracht, einmal einen solchen Blick zurückzuwerfen. Denn diese Zeiten sind weniger weit, als man manchmal meint», sagt Miozzari.

Die Vorstandsmitglieder Thilo Mangold (links) und Claudio Miozzari, ausgerüstet mit Bier, Ball und Schatzkarte.

Die Vorstandsmitglieder Thilo Mangold (links) und Claudio Miozzari, ausgerüstet mit Bier, Ball und Schatzkarte.

Doch der Fussballspaziergang soll nicht ein reiner FCB-Rundgang sein, sondern einer, der den ganzen Fussball in Basel widerspiegelt, von der Schweizer Nati über den Breiten- bis hin zum Strassenfussball. «Aber sind wir ehrlich: In der Praxis beziehen sich natürlich acht von zehn Geschichten auf den FCB», gibt Mangold zu.

Dennoch soll der Spaziergang nicht nur Fussball-Fanatiker oder –Experten anlocken, sondern auch solche, die vielleicht eher weniger affin sind. Um diese bei Laune zu halten, haben sich die fünf Macher Miozzari, Mangold, Raphael und Benedikt Pfister und Michael Nussbaumer auch noch Specials überlegt: Die Optionen «Bier» und «Ball», die ergänzt und auch kombiniert werden können. Bei der Option Bier werden die Teilnehmer mit Ueli-Bier versorgt und kehren unterwegs in Fussballbeizen ein. Die Option Ball testet die fussballerischen Qualitäten der Teilnehmer und fordert sie kognitiv. Sie sollen diesem Rundgang, der eine Mischung aus OL und Schatzsuche ist, noch einen zusätzlichen Spassfaktor verleihen.

19 Stationen hat der Fussballspaziergang. So viele also, wie der FC Basel im Sommer Meistertitel zählen wird. Dieser 19. Meistertitel, der siebte in Folge, wird auch die nächste Episode sein, die die Fussballstadt Basel schreibt. Es wird eine sein, an die man sich in 63 Jahren bestimmt auch gerne erinnern möchte.

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