Das Alter und speziell die Pensionierung konfrontiert die Menschen mit neuen Herausforderungen, denen sie sich oft nicht gewachsen fühlen. Speziell Menschen mit einer psychischen Erkrankung fehlt oft eine geregelte Tagesstruktur und soziale Kontakte.

Zwar gibt es Tagesheime für Senioren mit körperlichen Beeinträchtigungen und Altentreffs für die Rüstigen - ein spezifisches Angebot für körperlich gesunde, psychisch jedoch labile Senioren fehlte bislang in Basel und der ganzen Schweiz.

Niederschwelliges Angebot

Diese Lücke schliesst nun die Tagesstätte 65+, die auf Initiative der Stiftung Melchior und mit Unterstützung des Kantons Basel-Stadt geschaffen wurde. Sie ist gedacht als ein niederschwelliges Angebot ohne Pflichten. In den Räumlichkeiten an der Laufenstrasse 8 können seit dem 16. Mai bis zu zwölf Personen gleichzeitig zusammenkommen, gemeinsam kochen und sich an sozialen, kreativen und kulturellen Angeboten beteiligen.

An vier Wochentagen ausser Mittwoch ist die Tagesstätte geöffnet, eine feste Anmeldung mit Präsenzpflicht gibt es jedoch nicht. Auf Wunsch könne eine verbindliche Abmachung getroffen werden, erklärt Sibylle Keller, Projektleiterin der Tagesstätte 65+. Es sei beispielsweise möglich, die Besucher durch Anrufe zum Kommen zu motivieren. Gerade für Menschen in einer depressiven Phase ist eine Motivation von aussen oft hilfreich.

Zuerst schnuppern

Nach einem Informationsgespräch können Interessierte erst einmal schnuppern, bevor sie sich definitiv anmelden. Jeder Besuch wird dann registriert und die entsprechenden Tage in Rechnung gestellt. Die Hälfte des Betrages übernimmt der Kanton, den Rest, rund 67 Franken inklusive Verpflegung, geht zulasten der Senioren. Die Grundversicherung übernimmt jedoch einen Teil der Kosten.
Voraussetzung für eine Annahme bei der Tagesstätte ist das Erreichen des AHV-Alters, eine Überweisung durch den Hausarzt oder Psychiater, sowie die körperliche Selbstständigkeit der Betroffenen. «Bislang haben sich zwei Personen fest angemeldet, mit sieben weiteren haben wir Informationsgespräche geführt», beschreibt Keller das Interesse der ersten Wochen.

Im Vorfeld des Projektes habe man eine umfassende Bedarfsanalyse bei Ärzten und Institutionen gemacht und das Einsparungspotenzial für bestehende Angebote abgeschätzt. «Wir sind überzeugt, dass es einen starken Bedarf an solchen Einrichtungen gibt», betont Keller.

Durch eine geregelte Tagesstruktur könne eine Wiederkehr der Erkrankung zwar nicht verhindert, jedoch abgeschwächt und rechtzeitig erkannt werden. Allerdings informiert das Personal den Psychiater nur mit Einwilligung des Klienten. Die Finanzierung des Projektes ist vorerst bis April 2013 gesichert.
Ist die Nachfrage gross genug, wird es weiterlaufen. Für Interessierte aus dem Baselbiet muss die Deckung der Kosten nach erfolgtem Eintritt mit der jeweiligen Gemeinde abgeklärt werden.