Basel
An Pflastersteinen für Innenstadt fräsen Maschinen stundenlang

Am Dienstag entscheidet der Grosse Rat, ob künftig Platten aus Alpnacher Quarzsandstein die Basler Innenstadt zieren. Die bz war bereits im Steinbruch vor Ort in Alpnach OW.

Samuel Hufschmid
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Selbst die modernsten Fräsen kommen an ihre Grenzen. Bis vor einigen Jahren galt der Alpnacher Stein sogar als «nicht fräsbar».
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Stimmt der Grosse Rat dem Gestaltungskonzept Innenstadt zu, zieren künftig Platten wie diese die Basler Fussgängerzonen.
Bis zu 60 Tonnen schwere Maschinen sind nötig, um dem Guber den wertvollen Quarzsandstein abzuringen.
So werden die künftigen Pflastersteine für die Basler Innenstadt hergestellt
«Granit zu schneiden, geht dreimal schneller, so hart ist unser Alpnacher», sagt Steinmetzmeister Sepp Wiederkehr.
Thomas Meier, Geschäftsleiter Guber Natursteine AG "Die extreme Härte macht den Abbau schwierig, ist aber unser bestes Verkaufsargument."

Selbst die modernsten Fräsen kommen an ihre Grenzen. Bis vor einigen Jahren galt der Alpnacher Stein sogar als «nicht fräsbar».

Juri Junkov/Fotograf

Lastwagen mit mannshohen Rädern fahren über die engen Schotterpisten des Alpnacher Steinbruchs, halten an und werden mit tonnenschweren Felsbrocken beladen – von Baggern, deren Schaufeln eine halbe Fussballmannschaft fassen könnten. Das schwere Gerät ist nötig, um dem Guber, wie der idyllisch hinter dem Pilatus, hoch über dem Vierwaldstättersee gelegene Berg heisst, den wertvollen Alpnacher Quarzsandstein abzuringen. «Die Natur hat es gut gemeint mit uns, der Stein ist für Tiefbauarbeiten ideal und relativ einfach abzubauen», sagt Thomas Meier, Geschäftsleiter der Guber Natursteine AG.

Seit über 100 Jahren werden im Familienbetrieb Pflastersteine produziert, die für ihre Härte und Frostbeständigkeit bekannt sind. In vielen Schweizer Städten prägen die Guber-Pflastersteine das historische Stadtbild, auch in Basel, etwa im Pfluggässlein. In den 1980er-Jahren musste die Produktion im Guber-Steinbruch für einige Jahre eingestellt werden, weil der Abbau mit den veralteten Anlagen nicht mehr rentierte. Danach wurde in neue Maschinen investiert und in den 1990er-Jahren auch damit begonnen, aus den rissfreien Brocken Platten zu fräsen. «Lange dachte man, unser Stein sei zu hart, um gefräst zu werden», sagt Meier.

Und auch heute noch stossen die modernsten, leistungsfähigsten Fräsen an ihre Grenzen. Stundenlang flitzt ein mit Industriediamanten besetztes Stahlseil über die bis zu 25 Tonnen schweren Gesteinsbrocken und arbeitet sich Millimeter für Millimeter voran. «Erst wenn der erste Schnitt erfolgt ist, können wir die Qualität des Steins beurteilen», sagt Betriebsleiter Sepp Wiederkehr. Seit zehn Jahren arbeitet der diplomierte Steinmetz im Guber-Steinbau. Mittlerweile könne er zu 70 Prozent voraussagen, ob ein Stein geeignet sei. Wenn nicht, war die stundenlange, energieintensive Arbeit umsonst und der Brocken kommt in die Pflasterstein-Produktion, wo er in Handarbeit weiterverarbeitet wird. Legt der erste Schnitt aber ein rissfreier Brocken von guter Qualität frei, werden daraus massive Platten produziert, wie sie dereinst die Basler Innenstadt prägen.

Heute entscheidet der Grosse Rat

Ob die Baslerinnen und Basler künftig in der Innenstadt auf Platten aus Alpnacher Quarzsandstein flanieren, entscheidet heute der Grosse Rat. Die Regierung hat dem Gestaltungskonzept Innenstadt nach 25-jähriger Planung Anfang Jahr zugestimmt. Darin sind die massiven Quarzsandstein-Platten aus dem Guber-Steinbruch nebst Rheinwacken und Asphalt als eine von drei möglichen Bodenbelägen vorgesehen.

Obwohl der Auftrag gemäss den gesetzlichen Bestimmungen ausgeschrieben werden wird, ist der Steinbruch und damit der Lieferant «im Grundsatz definiert», sagt Martina Münch, Leiterin der Abteilung Gestaltung Stadtraum Verkehr beim Tiefbauamt. «Wir haben intensiv an der Auswahl des Materials gearbeitet und festgelegt, dass das Material aus der Nähe und nicht aus Asien oder Südamerika kommen soll», sagt Münch.

Weitere technische und ästhetische Anforderungen hätten schliesslich zur Wahl des Alpnacher Quarzsandsteins geführt, der von Männern wie Sepp Wiederkehr abgebaut wird. Und von grossen, mächtigen Maschinen wie der neuen, programmierbaren Fräse, die gleich neben der Seilsäge steht und zur Weiterverarbeitung der als geeignet eingestuften Blöcke eingesetzt wird. «Auch die Fräse mit Diamanten-Schneidblatt stösst bei unserem Quarzsandstein an ihre Grenzen. Granit zum Beispiel schneidet sie dreimal so schnell – so hart ist unser Alpnacher», sagt der Betriebsleiter.

Die extreme Härte des Sedimentgesteins, das vor 50 Millionen Jahren entstanden und bei der Alpenfaltung vor 30 Millionen Jahren zu seiner jetzigen Dichte gepresst wurde, ist gleichzeitig Glück und Fluch der Alpnacher Steinhauer. «Weil er so hart ist, brauchen wir mehr Energie und es dauert länger, um ihn zu verarbeiten. Andererseits ist seine Härte und Frostbeständigkeit, zusammen mit der schönen, warmen Farbe, unser wichtigstes Verkaufsargument», sagt Geschäftsleiter Meier. Die neue Fräsmaschine sei zum Glück programmierbar und arbeite auch, wenn die Angestellten Feierabend haben. «Über Ostern können wir drei Tage frei machen und die Maschine fräst sich weiter durchs Gestein», freut sich Betriebsleiter Wiederkehr.

Zusätzliche Maschinen nötig

Nach dem Fräsen sind noch etliche Schritte nötig, um aus dem harten Obwaldner Fels schöne Platten für die Basler Innenstadt herzustellen. Zunächst werden die Platten mit einer bis zu 1000 Grad heissen Flamme behandelt, um eine gleichmässige, raue Oberfläche zu erhalten. Diese Oberfläche behalte der Quarzsandstein dann über Jahrzehnte, sagt Meier. Wegen des Kalkanteils im Stein würden die Platten auch bei intensivem Gebrauch nie abgeschliffen und glatt, wie etwa Granit, sondern behalten ihre griffige Oberfläche – ein weiteres Verkaufsargument für den Alpnacher Bodenbelag.

«Wenn wir den Auftrag aus Basel erhalten, installieren wir eine zusätzliche Maschinenreihe», sagt der Geschäftsführer. Ein Auftrag für die Weite Gasse in Baden, die ebenfalls mit Guber-Platten belegt wurde, hat gezeigt, dass ein Grossauftrag sonst zu Engpässen führen kann. Die beiden Alpnacher würden sich auf jeden Fall sehr über den Basler Auftrag freuen, ebenso die 47 Angestellten des Familienbetriebs. «Für uns ist es immer schön und es macht uns stolz, wenn wir bei einem Stadtbesuch sagen können: Hier sind wir zu Hause, schliesslich stehen wir auf Alpnacher Boden.»

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