FC Basel
An Renato Steffen entflammt ein seit langem schwelender Konflikt

Am Sonntag traf Renato Steffen erstmals für den FCB – doch in Teilen der Muttenzerkurve blieb es still. Was ist los beim FC Basel? Es geht um weit mehr als um den polarisierenden Neuzugang, an Steffen entzündet sich ein Konflikt zwischen Fan-Basis und Chefetage, der bereits seit langem schwelt.

Benjamin Rosch
Benjamin Rosch
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An der Person Renato Steffen manifestiert sich ein Konflikt von viel grösserer Tragweite - ein Konflikt zwischen Fan-Basis und Chefetage.

An der Person Renato Steffen manifestiert sich ein Konflikt von viel grösserer Tragweite - ein Konflikt zwischen Fan-Basis und Chefetage.

Keystone

Es kommt selten vor, dass das Joggeli nicht einer Meinung ist. Klar, die Sektoren sind verschieden. Doch am Sonntag war ein Graben zwischen den Fanlagern zu spüren wie schon lange nicht mehr. Die einen pfiffen erbost, die anderen feierten ihn trotzig umso lauter: Dass Renato Steffen polarisieren wird, war klar. Dass er mit seiner Jubelgeste die Muttenzerkurve provoziert, war vielleicht ungeschickt und wird die Situation weiter verkomplizieren.

An seiner Person manifestiert sich jedoch ein Konflikt von viel grösserer Tragweite. Das zeigt nicht zuletzt das Transparent – und keine brennende Puppe, wie bei Mladen Petric – der Muttenzerkurve: Die Auffassung von Fussball im Zusammenhang mit der Kommerzialisierung. «Erfolg isch nit alles im Lääbe» sei sein Lieblingslied, wird FCB-Präsident Bernhard Heusler nicht müde zu betonen.

Dies steht im Widerspruch mit der Entwicklung dieses Clubs unter seiner Ägide. Die Transferpolitik ist dabei nur ein Teil – schliesslich sind in der Historie mehrere Zürcher Identifikationsfiguren verzeichnet, die sich das rot-blaue Trikot übergestreift haben. Das Marketing des FCB sowie der Umgang mit der eigenen Basis, nicht nur jenen, die von Genf bis Tiraspol an die Auswärtsspiele reisen, hat sich verändert.

Beispielsweise das ambitionierte Projekt, 10 000 Mitglieder an den Verein zu binden. An den Verein, nicht die AG wohlverstanden. Das ist ein Unterschied. Der Verein besteht nur aus den Kinder- und Juniorenmannschaften bis U14 sowie den Frauen-Teams. Alles andere ist in der FC Basel 1893 AG. Das wird selbstverständlich in der Werbekampagne so nicht erklärt, da wirbt Vereins- (oder Club-?) Legende Marco Streller für den FCB.

Als Zückerchen werden den Mitgliedern Mitbestimmungsrechte bei Einlaufmusik und Trikotwahl feilgeboten. Im Gegenzug hat Heusler mit seinem Team den Freibetrag nach 20 Jahren Vereinstreue für die Zukunft abgeschafft, was an der ausserordentlichen GV für Unmut sorgte. Dieser war zugegeben nicht gross, das Vertrauen in Bernhard Heusler ist riesig. Der Wirtschaftsanwalt weiss sich perfekt zu verkaufen und tatsächlich: Sein Zeugnis beim FCB ist eigentlich makellos.

Er hat diesen Club professionalisiert und ihm gleichzeitig ein bescheidenes Gesicht verpasst. Praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, von den sportlichen Errungenschaften ganz zu schweigen. Geschwiegen wird auch über den Lohn, den sich Heusler als operativer Leiter auszahlt. Diesen macht er nicht transparent, auch wenn er der erste FCB-Präsident ist, der überhaupt einen Lohnausweis erhält.

Kritisiert wird er dafür nicht. Wird er generell nicht, Heusler zu kritisieren, kommt einer Majestätsbeleidigung gleich. Wenn doch, so holt er zum Rundumschlag aus, nötigenfalls mitten auf dem Platz: «Mir wänn das nit», sagte er vor vollen Rängen auch an die Medien gerichtet, die ihn nach den Aarau-Krawallen ins Visier nahmen. Völlig recht hatte er damit, doch zeigt das Beispiel, wie er seine Person in den Vordergrund stellte, ähnlich populistisch, wie jene, die er kritisierte. Im Gespräch kann er teils rhetorisch glänzen, teils auch die Contenance verlieren, schnell wittert er einen Angriff auf sich.

«Wo wänn mir ane?», antwortete gestern die Muttenzerkurve, klar bezugnehmend auf die Worte des FCB-Präsidenten. Dieser reagierte äusserst ungehalten auf die Unmutsbekundungen eines Teils des Basler Anhangs. Nach dem Spiel diskutierte er minutenlang vor den Gittern der Muttenzerkurve und schmiss danach wutentbrannt einen Becher weg. Das sind nicht die Bilder, die die breite Öffentlichkeit von ihm kennt und sie zeigen: Es geht hier um mehr als die Verpflichtung eines Spielers.

Es geht um die grundsätzliche Marschrichtung dieses Clubs, um bargeldloses Zahlen, um Gastro-Konzepte und Modelinien, um Hattrick- oder eben Rot-Blau-Bar-Bistros, um die Sorge, einen Club im Kommerz zu verlieren, der wohl niemals kein Kommerz mehr sein kann. Dieser Riss läuft durch Teile der Fans und spaltet diese auch vom Vorstand.

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