In den hellen Räumen der Hutman Diagnostics an der Hochbergerstrasse herrscht freudiges Erwarten. Schon bald, Anfang 2015, ist der Launch des ersten Produktes zu erwarten: ein Analyse-Set für die relativ seltene Endokarditis, eine Entzündung der Herzmuskel-Innenhaut. Diese schmerzhafte Krankheit wird hie und da fälschlicherweise als Herzinfarkt diagnostiziert.

Die neue Diagnosemethode von Hutman hat den Vorteil, dass sie viel schneller und zudem genauere Resultate liefert als herkömmliche Analysen. Das hilft Resistenzen abzuklären, die richtige Antibiotika-Therapie zu wählen, und sie rascher zu initiieren. Als Folge davon müssen die Patienten weniger lang im Spital verweilen.

Wichtiges Netzwerk

Wie kommt jemand auf die Idee, so viel Energie und Geld für die Identifizierung einer doch recht seltenen Krankheit zu stecken? «Das hat sehr viel mit meinem Netzwerk, meinen Kontakten zu tun. Ich kannte zwei Herzspezialisten in Tschechien, die seit Jahren an Analysemethoden für Endokarditis tüftelten», sagt Paul Hofer, CEO von Hutman Diagnostics. Der eine ist Ladislav Burysek, Entwickler zahlreicher Diagnostika. Er entwickelte eine spezielle Analysetechnik. Der andere ist Tomas Freiberger, Spezialist für Endokarditis in Brno. «Sie leisteten ganz wichtige Vorarbeit.» Gegründet wurde Hutman im Jahr 2011.

Elder Statesman

Und warum Diagnostics? Hofer: «Hutman ist nicht mein erstes Start-up-Projekt In den USA war ich bei zwei Firmen im Bereich der Pharmaforschung beteiligt. Bei beiden sind wir nicht so vorwärtsgekommen, wie wir es uns erhofft hatten. Die eine Firma mussten wir aufgeben, die andere haben wir verkauft.» Pharma erfordert gemäss Novartis und Roche ein bis zwei Milliarden Franken, bis ein Medikament verkaufsreif ist. «Das Risiko des Scheiterns ist hoch, viel höher als bei einem Diagnosegerät.» Die rechtlichen Vorschriften sind bei Medikamenten viel umfangreicher, sagt Hofer. «Unsere Art von Diagnose wird nicht am Menschen gemacht, sondern in vitro, also ausserhalb des Patienten. Es wird Gewebe entnommen und analysiert.» Und nicht zuletzt sind in der Diagnostik-Technik Resultate rascher sichtbar. «In meinem Alter spielen solche Überlegungen eine Rolle», meint Hofer (67), der auf eine lange internationale Karriere bei Credit Suisse zurückblickt.

«Um das Jahr 2000 hatte ich genug von der Arbeit in drei Zeitzonen. Und ich habe meinen Weggang nicht bereut. So viel Selbstständigkeit hatte ich bei der Bank nie.» Hofer versteht sich als Coach, als einer, der als Nicht-Wissenschaftler die kritischen Fragen stellt.

Der in Oberwil wohnhafte Paul Hofer beginnt ausserdem eine politische Karriere: Er rückt für den zurücktretenden Werner Rufi (FDP) in den Baselbieter Landrat nach (bz vom 4. September). Die acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Hutman hingegen sind im Durchschnitt 35 Jahre alt und haben alle doktoriert, dies im Bereich der Naturwissenschaften.

Freude über Teamarbeit

Projektleiterin Tanja Matt, es ist ihre erste Stelle nach dem Doktorat, sagt: «Der Aufbau von Strukturen in einem Start-up ist unheimlich spannend und vielfältig. Die tägliche Arbeit eines jeden hat einen sichtbaren Einfluss auf das Vorantreiben unserer Projekte. Von grösster Wichtigkeit ist das Zusammenspiel des Teams.» Und Sebastian Charbonnier, zuständig für Qualität und Rechtsfragen, ergänzt: «Hier kann man gestalten. Man hat die grosse Gelegenheit, sich aktiv einzubringen.»

Keine eigene Produktion

Hutman ist eine Entwicklungsfirma. Sie hat keine eigene Produktion, das tun andere für sie. Das dürfte auch in Zukunft so bleiben. Die Firma hat sich, der wie den meisten Wissenschafts-Start-ups ein neunköpfiges Advisory Board beisteht, ehrgeizige Ziele gesetzt: 2014 soll die Marktzulassung durch Swissmedic erfolgen, 2015 das erste und zweite Produkt lanciert werden, 2016 zwei weitere. Im Visier sind die Bereiche Hirnhautentzündung, Knochenentzündung und Blutvergiftung. Bereits 2017 soll die Firma «gutes Geld» verdienen. Und für 2019 wird ein Umsatz 300 Millionen Franken angepeilt.