Dienstpläne
Andere Grossstädte sind den BVB eine Tramlänge voraus

Durch das Einbringen von Wünschen mehr Einfluss auf die Dienstpläne nehmen: Diesen Komfort geniessen die Bus- und Tramchauffeure der Baselland Transport AG. Dem Personal der Basler Verkehrsbetriebe bleibt dieser Vorzug verwehrt.

Mark Walther
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In Bern dürfen die Chauffeure schon seit 2010 ihre Wünsche bei der Dienstplanung einbringen. Archiv/Key

In Bern dürfen die Chauffeure schon seit 2010 ihre Wünsche bei der Dienstplanung einbringen. Archiv/Key

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Der Basler Tram- und Busbetrieb ist ein Wunschkonzert – zumindest für die Chauffeure der Baselland Transport AG (BLT). Sie haben dank eines Wunschdienstplans mehr Einfluss auf die Diensteinteilung als die Chauffeure der BVB. Diese hingegen sind mit der Diensteinteilung nach dem Motto «alle fahren alles» nicht zufrieden.

Was auf dem Land funktioniert, ist offenbar nicht automatisch auch bei den Basler Verkehrsbetrieben möglich. BVB-Mediensprecher Benjamin Schmid weist darauf hin, dass BLT und BVB nicht eins zu eins vergleichbar seien, etwa wegen ihrer unterschiedlichen Grösse. Die BVB beschäftigen rund 650 Tram- und Buschauffeure, die BLT etwa 380. Dass der Wunschdienstplan aber auch in grösseren Betrieben erfolgreich eingesetzt wird, zeigen die Beispiele aus Zürich und Bern. In der Hauptstadt setzt Bernmobil seit 2010 auf das System Wunsch. Die Chauffeure können Wünsche zur Schicht, zur täglichen Arbeitsdauer und zum Ruhetagsintervall anbringen. Rolf Meyer von Bernmobil schreibt, die 529 Chauffeure seien sehr zufrieden mit der Diensteinteilung.

Ein nationaler Trend

Mit 1300 Fahrdienstmitarbeitenden beschäftigen die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) doppelt so viel Chauffeure wie die BVB. Momentan läuft in Zürich die Übergangsphase zum Wunschdienstplan, ein Pilotversuch ist im Gang. Die Teilnahme daran ist freiwillig. «Die Erfahrungen sind unserer Ansicht nach positiv, aber wir können das Personal nicht zum Glück zwingen», schreibt VBZ-Mediensprecher Andreas Uhl.

Dass der Wechsel von der starren Einteilung über ein ganzes Jahr zum individuelleren Wunschdienstplan einem Trend entspricht, bestätigt Kurt Altenburger, der als Zentralsekretär beim Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) für den Bereich Nahverkehr zuständig ist. Altenburger sagt, dass die Chauffeure meist sehr zufrieden seien: «Arbeiten sie erst einmal nach Wunschdienstplan, wollen sie in der Regel nicht zurück zur Jahreseinteilung.»

Bloss: Das Gesetz sieht aktuell keine individuellen Dienstpläne ohne Jahreseinteilung vor. Das Arbeitszeitgesetz (AZG) regelt die Diensteinteilung relativ streng. In der Verordnung dazu heisst es, dass für alle Arbeitnehmer eine Jahreseinteilung aufzulegen sei. National- und Ständerat haben dieses Jahr eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes beschlossen. Eine ausserparlamentarische Fachkommission, in der auch Altenburger sitzt, bastelt derzeit an der neuen Verordnung zum AZG.

Diese birgt jedoch auch mögliche Nachteile für die Chauffeure. In der Kommission pochen Arbeitgebervertreter auf flexiblere Arbeitszeit- und Pausenregelungen. «Das Fahrpersonal darf nicht zum Opfer der Entwicklung zu flexibleren Arbeitsbedingungen werden», sagt Altenburger. Die Ruhezeiten und die maximale Arbeitsdauer müssten weiterhin gewährleistet sein.

Zur Situation bei den BVB sagt Altenburger: «Als das Projekt Wunschdienstplan scheiterte, wäre man besser zum alten System zurückgekehrt, als sich auf ein Experiment einzulassen.» BVB-Sprecher Schmid entgegnet, das aktuelle System sei die Quintessenz aus Gesprächen mit dem Personal gewesen. Zudem privilegiere es nicht einzelne Chauffeure. Klar ist: Die BVB bleiben ihrem aktuellen System treu. Ihre Chauffeure werden weiterhin nicht wünschen dürfen.