Kampagne

Andersdenkende als Würmer dargestellt: SVP-Plakat spaltet auch die Basler Partei

Der Gegner als Ungeziefer: Dieses neue Plakat stösst selbst innerhalb der SVP auf Kritik.

Der Gegner als Ungeziefer: Dieses neue Plakat stösst selbst innerhalb der SVP auf Kritik.

Am Sonntag zeigte die SVP, wie ihre neue Kampagne aussehen wird. Auf dem Plakat wird ein Schweizer Apfel von Würmern ausgehöhlt. «Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören?», steht daneben.

Noch bevor es an den Schweizer Plakatwänden hängt, sorgt ein neues SVP-Plakat für Aufregung. Vergangenes Wochenende präsentierte die Partei in den sozialen Medien ihre neue Kampagne. Auf den Plakaten zu sehen: ein saftiger Schweizer Apfel, der von Würmern ausgehöhlt wird, auf denen die Parteifarben von Grünen, SP, CVP und FDP und gar die EU-Flagge prangen. «Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören?», steht daneben.

Nun hagelt es Kritik aus den eigenen Reihen. Er finde das Plakat «schlecht und ungeschickt», schrieb SVP-Fraktionspräsident Pascal Messerli auf Twitter. Im Rat sei er für harte Debatten zu haben, die Kampagne gehe aber zu weit.

Das Plakat sorgt bis in die Spitze der Basler SVP für Irritation. Als «ungeschickt» bezeichnet es online auch Parteisekretär Joël Thüring. «Für die Zukunft würde ich mir eine andere Bildsprache wünschen», sagt er auf Anfrage. Er finde die Botschaft des Plakats zwar richtig – «die Werte der Schweiz werden ausgehöhlt» –, allerdings hätte er sich einen anderen Kontext gewünscht. Nun entstehe eine Diskussion über das Sujet, der Inhalt gelange aber in den Hintergrund.

Ähnlich fällt das Fazit des Basler SVP-Nationalrats Sebastian Frehner aus, der im Herbst zur Wiederwahl antritt. «Natürlich soll das Plakat provozieren», sagt er. Die Kampagne habe eine klare Botschaft, die er mittrage: «Wenn wir das Rahmenabkommen unterzeichnen, verliert die Schweiz ihre Selbstbestimmung. Damit bin ich inhaltlich völlig einverstanden.» Anders sehe es bei der Gestaltung aus. Diese sei «selbstverständlich Geschmackssache».

Nazi-Vergleich ist für Thüring «grenzwertig»

Trotz der Kritik an der Kampagne der eigenen Partei: Vergleiche mit Nazi-Propaganda, von denen sich in den sozialen Medien zahlreiche finden, weisen die Politiker vehement zurück. Er finde die riesige Empörung etwas übertrieben, so Thüring: «Nazi-Vergleiche halte ich für weit hergeholt und grenzwertig.» Die Kampagne habe «sicher nichts mit Nazi-Propaganda zu tun», betont auch Frehner. «Ich wäre nie in einer Partei, die antijüdische oder antiisraelische Propaganda betreibt. Da würde ich sofort austreten», so der Nationalrat.

Mit ihrem Urteil sind die Basler SVP-Politiker keine Ausnahme. Schweizweit wurde gestern Kritik am Plakat laut. Die Kampagne kommt trotzdem: Noch diese Woche sollen die Plakate montiert werden.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1