Herr Auderset, welchen Begriff haben Sie aus dem Nähkästchen gezogen?

André Auderset: Es ist unglaublich: Langeweile. Etwas, was ich nicht kenne.

Wir haben also nichts zu bereden?

Eigentlich ist das Gespräch damit beendet.

Sprechen wir halt über den Vogel Gryff, der heute Samstag gefeiert wird.

Das ist ein trauriges Kapitel für mich. Ich lebe zwar noch im Kleinbasel, wohne seit einiger Zeit aber im Grossbasel. Nach meinem Umzug musste ich bei den Drei Ehrengesellschaften Kleinbasel (3 E) austreten, seither darf ich nicht mehr am Gryffemähli teilnehmen. Das stinkt mir jedes Jahr, es war immer ein grosses Erlebnis.

Kleinbasler Ehrentag: Vogel Gryff, Wild Maa und Leu tanzen auf der Mittleren Brücke

2018: Vogel Gryff, Wild Maa und Leu tanzen auf der Mittleren Brücke

Kaum angekommen im Kleinen Klingental wurden Vogel Gryff, Wild Maa und Leu von den Massen verschluckt. Vorläufiger Höhepunkt: Der Tanz der Ehrenzeichen der drei Kleinbasler Ehrengesellschaften vor Spielchef Andreas Lehr auf der Mittleren Brücke beim Käppelijoch.

Die 3 E könnten Sie doch als Präsident der Interessengemeinschaft Kleinbasel (IGK) und Berufskleinbasler einladen.

Die IGK und die 3 E sind zwei verschiedene Paar Stiefel, obwohl natürlich viele Leute bei beiden Organisationen dabei sind.

IGK, 3 E und das Wurzengraber-Kämmerli sind doch dasselbe, oder? Nicht im alternativen Bereich anzusiedeln und von Männern dominiert.

Es heisst ja: Wer bei der Olympia oder den Vereinigten Kleinbaslern Fasnacht macht, in der IGK ist und in den 3 E, der wird auch in den Grossen Rat gewählt.

Kommen wir zurück zu unserem Thema: Das Gryffemähli, dem Sie nachtrauern, ist doch – Hand aufs Herz – eine langweilige Veranstaltung. Dauert ewig und besteht nur aus Männern.

Gar nicht! Aber klar, der Vogel Gryff ist auch sonst schön. Wobei es am Mähli schon sehr lustig ist, tout Kleinbasel ist dort und man kann sich nach dem kalten Morgen draussen schön aufwärmen.

Aber, wie Facebook zu entnehmen ist, sind Sie frisch verliebt. Ihre Freundin müssten Sie am Mähli draussen lassen.

Letztes Jahr, als wir frisch zusammen waren, hatte meine Freundin am Vogel Gryff Geburtstag, da mussten wir organisieren.

So frisch ist die Liebe also doch nicht.

Es wäre traurig, wenn die Liebe schon nach so kurzer Zeit nicht mehr frisch wäre.

Hat es im Kleinbasel gefunkt?

Genau, bei ein, zwei Bier vor dem «Alte Schluuch». Wir kannten uns zuvor schon, an jenem Tag hat es aber gefunkt. Sie ist wie ich eine eingefleischte Kleinbaslerin, organisiert Stadtführungen durchs Kleinbasel und pfeift im Kleinbasel.

In der IGK ist sie aber nicht, da auch das eine reine Männerwelt ist.

Leider! Ich habe neulich eine SP-Politikerin gefragt, ob sie in den Vorstand kommen möchte, doch sie musste aus Zeitgründen absagen. Ich bedaure das, denn ich möchte die IGK öffnen.

Sie hatte oder hat ja den Ruf, stramm bürgerlich zu sein, was teilweise stimmte. Das Kleinbasel verändert sich aber rasant, es entstehen neue Eventbeizen, es läuft kulturell viel.

Die IGK hat aber keinen Zugang zu dieser Entwicklung. Das ist schade, denn wir könnten uns gegenseitig nützen. Und die neuen Gewerbler sind wichtig fürs Kleinbasel.

Sie legen sich ins Zeug fürs Kleinbasel, sind als Grossrat umtriebig, an Vorfasnachtsveranstaltungen für fasnacht.ch im Einsatz und arbeiten 100 Prozent. Wie bringen Sie das unter einen Hut?

Ich nehme nur etwas Neues an, wenn ich etwas Altes abgebe. Aber es kommt schon vor, dass ich mir sage: «Du bist ein Riesendubel! Musstest da jetzt unbedingt auch noch zusagen.» Es gibt aber auch Momente des Rückzugs, da suche ich die Langeweile – in Anführungszeichen – und gehe in mein Häuschen auf Mallorca und geniesse es.

Sie sagen, Sie leben im Kleinbasel und verbringen viel Zeit auf Mallorca, weshalb wohnen Sie bei all den Leidenschaften überhaupt im Grossbasel?

Weil ich in einem eigenen Häuschen wohnen wollte und mich in ein Hexenhäuschen im Grossbasel verliebt habe. Mir war bewusst, dass ich bei einem Umzug die 3 E verlassen muss, aber das nahm ich in Kauf.

Mit zusätzlichem Grundeigentum im Kleinbasel hätten Sie bleiben können.

Es gibt Leute, die das so handhaben, ich fände das unfair. Mein Lebensmittelpunkt ist im Kleinbasel, der Wohnsitz im 4055.

Der Vogel Gryff fällt mal wieder auf einen Samstag, Partyszene und 3 E werden sich mehr mischen als wochentags. Wo werden Sie anzutreffen sein?

Wie üblich in allen Gassen. Ich werde nach dem Vogel-Gryff-Morgenprogramm am Ehemaligen-Mähli teilnehmen, wo sich Leute wie ich treffen, die die 3 E nach einem Umzug verlassen mussten. Am Abend gehen wir an die Charivari-Premiere.

Was werden Sie als IGK-Präsident 2018 leisten, um nächstes Jahr als Ehrengast am Gryffemähli eingeladen zu werden?

(Lacht.) Ich kann das nicht beeinflussen. Unabhängig davon möchte ich die Balance zwischen lustig und ernst finden, das eine tun und das andere nicht lassen. Nachdem wir das Oggsefescht ins Leben gerufen haben, lassen wir den Maibaum aufleben. Wir wollen als lustige Sieche und ernstzunehmende Partner wahrgenommen werden. Und auf keinen Fall stehen bleiben. Das Kleinbasel bleibt ja auch nicht stehen.