Der Rücktritt von Andreas C. Albrecht (LDP) war unvermeidlich. Den «Vertrauensverlust», den er wortreich zur Begründung seines Abgangs als Bankratspräsident anführt, erlebte er jedoch am wenigsten in seinem Gremium, dem Bankrat der Basler Kantonalbank. Dort wurde selbst im Abgang vertrauensvoll seinen Vorgaben gefolgt.

An der ausserordentlichen und kurzfristig einberufenen Sitzung am Donnerstagabend, zu der Albrecht «ohne Traktanden» eingeladen hatte, sei er von einigen Bankräten sogar eindringlich gebeten worden, an seinem Amt festzuhalten. Dies ist aus Bankrats-Kreisen zu vernehmen. Doch Albrecht hatte nicht nur in der Vergangenheit alle Sitzungen minutiös vorbereitet, sondern auch seine letzte.

Seinen Rücktritt hat er im Gremium nicht zur Diskussion gestellt, sondern zuvor aus eigenem Entschluss gefällt. In Vorgesprächen hat er überdies definiert, wer das Amt nicht übernehmen wird: Vizepräsidentin Christine Keller (SP). Und wer sich bereit erklärt, die Präsidenten-Rolle einzunehmen: Andreas Sturm (GLP).

«Darauf verzichtet»

Naheliegend wäre ein anderes Vorgehen gewesen: Nach der Demission des Präsidenten übernimmt die Vizepräsidentin das Zepter. Bis zur ordentlichen Wahl eines neuen Präsidenten durch den Grossen Rat, die schon im Januar stattfinden kann, stände sie in der Verantwortung. Es wäre für die Juristin eine überschaubare Aufgabe gewesen, da sie lediglich für die Einhaltung der Formalien hätte sorgen müssen, und dies eng befristet auf einige Wochen.

Doch Christine Keller habe darauf verzichtet, heisst es, und es wird wohl niemand geben, der versuchte, sie umzustimmen. Zu offensichtlich verdankt sie ihr Amt dem Parteienproporz und der Anciennität. Selbst die wenigen Male, als sie in Albrechts Abwesenheit die Sitzung leitete, habe sie bloss abgearbeitet, was ihr der Präsident akribisch vorbereitet hatte.

Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sagt Christine Keller, ihr sei die getroffene Lösung «persönlich sehr recht». Kurzfristig wäre sie schon bereit gewesen, das Präsidium zu übernehmen. doch für eine definitive Ubernahme des Mandats stehe sie schon aus beruflichen Gründen nicht zur Verfügung.

Andreas Sturm sagt, er sei erst am Donnerstag angefragt worden, ob er in die Lücke springe. Da er als Selbstständigerwerbender unabhängig und zeitlich flexibel sei, habe er sich rasch dazu entschliessen können. Im Bankrat habe der Vorschlag, Sturm zum Präsidenten ad interim bis zur Bestätigung durch den Grossen Rat und darüber hinaus zu bestimmen, für längere Diskussionen gesorgt. Doch das Gremium blieb sich treu und nickte ab, was ihm der scheidende Präsident vorbereitet hat. Alternativen standen auch kaum bereit. Einzig alt Regierungsrat Ralph Lewin (SP) hätte sich noch ins Gespräch bringen können.

Andreas Albrecht hat den Bankrat vor vollendete Tatsachen gestellt und Andreas Sturm in Folge die Basler Politik.

David Wüest-Rudin, Parteipräsident der Grünliberalen, sagt, er habe erst am Freitag über die Medienmitteilung der BKB erfahren, dass Sturm an die Stelle von Albrecht tritt. Er hatte auch zur Kenntnis zu nehmen, dass Sturm sein Grossratsmandat niederlegt und seine Parteizugehörigkeit zumindest ruhen lässt. Katja Christ-Rudin, Nachrückende für Sturm im Grossen Rat, ist überrumpelt und bedingt sich Bedenkzeit aus: «Nun gibt es viele Fragen zu klären.» Zu gegebener Zeit werde sie informieren.

Ebenso ungefragt blieb die Basler Regierung, ob sie Sturm für den geeigneten Bankratspräsidenten hält. Dies entspricht zwar dem Buchstaben des Gesetzes, doch die Regierung hatte in informellen Gesprächen stets ein gewichtiges Wort bei der Besetzung einer solch gewichtigen Position mitzureden.

Sturm ist optimistisch, dass ihn der Grosse Rat zum Präsidenten wählen wird. Dies trotz der kritischen Stimmen, die bereits im Verlauf des Freitags laut geworden sind. «Letztlich liegt die Entscheidung beim Grossen Rat», sagt Sturm. Doch er wisse, dass er grossen Rückhalt im Bankrat geniesse. Sturm möchte Kontinuität signalisieren. Er gehe davon aus, dass es keine weiteren Rücktritte mehr geben wird und Christine Keller Vizepräsidentin bleiben werde.

In der Geschichte des Bankrats wäre es eine Novität, dass sich das Gremium unabhängig vom politischen Parteien- und Ämtlischacher konstituiert. Andreas Albrecht wird davon unberührt bleiben. Mit seiner Demission hat er Verantwortung übernommen und dem Kandidaten Andreas Sturm erfolgreich einen geordneten Übergang inszeniert. Er kann sich anderen Dingen zuwenden. Heute Sonntag etwa der Taufe seiner Tochter.