In Wien und Basel pfeifen es die Spatzen schon seit einiger Zeit von den Dächern: Andreas Beck, Direktor am Theater Basel, wird als heisser Kandidat für das Wiener Burgtheater gehandelt. Elf Personen haben sich für den glanzvollsten Chefposten der deutschsprachigen Theaterszene beworben.

Als weiterer Favorit wird der Regisseur Martin Kusej gehandelt, der Intendant am Münchner Residenztheater. Die Entscheidung über die Nachfolge der derzeitigen Direktorin Karin Bergmann soll in den nächsten Tagen fallen. Besetzt wird der Posten ab 1. September 2019. Was ist dran am Gerücht, dass Beck Basel Richtung Wien verlassen möchte?

Herr Beck, wieso haben Sie sich für das Burgtheater beworben?

Andreas Beck: Hab ich nicht. Einfache Antwort.

Wieso kolportieren denn die österreichischen Medien ihren Namen?

Wie gesagt. Es gibt von mir keine Bewerbung für das Burgtheater. Ich wurde in letzter Zeit von verschiedenen Häusern angefragt, hab diese Anfragen aber alle abgewiegelt. Beim Burgtheater fragt man dann natürlich schon nach, was es denn genau sein könnte.

Also hat das Burgtheater Sie angefragt?

Nein, das Ministerbüro.

Und Sie haben den Kelch an sich vorbeigehen lassen?

Ich hab gehofft, er gehe an mir vorbei. Auch wenn es schön ist, dass man als Kandidat gilt. Das freut mich natürlich. Zumal es in Österreich ja so ist: Seit die Monarchie 1919 beendet wurde, seit kein Kaiser mehr da ist, lieben die Österreicher nichts so sehr, wie die Neubestimmung des Burgtheaterdirektors zu diskutieren. Das ist ein Theater-Nationalsport. Da ich das Land gut kenne, weiss ich auch, dass diejenigen, die häufig genannt werden, es niemals werden. Insofern kann ich mich entspannt zurücklehnen.

Sie wollen gar nicht in den Olymp der Theaterdirektoren?

Bislang bin ich angefragt und gelte, wie es so schön heisst, als heisser Kandidat. Mehr ist im Moment nicht.

Sie sind also noch im Rennen. Es könnte sein, dass Sie nächste Woche den Posten erhalten.

Das müssen Sie den Herrn Minister fragen. Ich hab klar formuliert, dass ich weder die Stadt Basel noch meine Mitarbeiter in Ungewissheit in die Ferien ziehen lasse. Vor der Sommerpause möchte ich wissen, was Sache ist. Und jetzt haben wir ja noch ein paar Stunden bis Sonntagabend.

Es könnte also sein, dass da doch noch, was kommt?

Nein! Es kann nicht sein. Das Ganze ist ein schönes Gerücht, das uns hoffentlich nicht schadet, sondern bestätigt, dass hier Leute sind, die gutes Theater machen, das international wahrgenommen wird.

Wie läuft eine solche Wahl denn genau ab in Wien?

Die Kommission oder Jury macht einen sogenannten Dreiervorschlag zuhanden des Ministers.

Sie sind aber nicht da drin?

Doch, da bin ich anscheinend drin. Aber das heisst noch nichts. Doch es ist eben die Burg. Bei einem anderen Theater hätte man schneller «Nein» sagen können. Wenn bei Ihnen der «New Yorker» anruft, würden Sie es sich ja auch überlegen.

Stimmt. Aber wenn Sie gewählt würden, dann stehen Sie vor einer harten Entscheidung.

Ja, wenn es denn so wäre. Aber ich gehe nicht davon aus.

Wissen Sie, wer die anderen beiden im Dreiervorschlag sind?

Nein, das weiss ich nicht. Martin Kusej ist ein anderer heisser Kandidat. Aber meine Chancen sind klein, weil ich nicht Regie führe. Am Burgtheater wird immer zwischen regieführender und nichtregieführender Leitung abgewechselt. Nach diesem Szenario kommt jetzt ein Regisseur. Diese ungeschriebenen Gesetze kennt man, wenn man in Wien gelebt hat.

Dann dürfen wir also schreiben, dass Sie Basel in absehbarer Zeit nicht verlassen?

Ja, ich hab es überhaupt nicht vor, auch wenn ich nicht weiss, wie das Leben spielt. Mein Plan ist es nicht. Ganz im Gegenteil. Ich bin wirklich gerne hier, auch wenn die ersten beiden Jahre nicht leicht waren. Das Theater Basel ist kein einfaches Haus. Zudem mussten wir einiges nach- und aufholen. In diesem Prozess stecken wir immer noch. Und wenn sie mich auf das Burgtheater ansprechen: Ich hab dort bei zwei Direktoren gearbeitet. Ich weiss, was es bedeutet, dieses Haus zu leiten. Das kann am Anfang schön berauschend sein, dann wird es aber knallhart. Das ist alles andere als leicht. Der Olymp der Burg ist ein sehr steiler Berg.

Gehört das zur Lebensplanung eines Theaterdirektors, irgendwann einen solchen Olymp zu erklimmen?

Natürlich gibt es wunderschöne Häuser. Als Theaterleiter reiht man sich immer in die jeweilige Geschichte dieser Orte ein. In diesem Sinne stellt man sich einer grossen Aufgabe. Und da ist natürlich die älteste deutsche Kompanie das Wiener Burgtheater.

Es würde Sie also schon reizen, das Haus zu führen?

Schauen Sie, ich hab dort gelernt und unter zwei verschiedenen Direktoren gearbeitet. Das ist schon ein Ort, der mich immer erfüllt hat. Aber ich betone es noch einmal: Meine Wahl ist nicht wahrscheinlich.

Am Sonntag ist Abschlussfest ihrer zweiten Saison. Sind Sie in Basel angekommen?

Wir haben uns ja, bevor wir angefangen haben, bereits zwei Jahre mit der Stadt beschäftigt, haben versucht die Geschichte und Geschichten von Basel kennenzulernen. In diesem Sinne bin ich schon länger als zwei Jahre da und bin auch angekommen. Ich hab Heimatgefühle zu dieser Stadt. Ich betone es nochmals: Ich bin sehr gern hier. Basel ist eine tolle Theaterstadt, gerade weil die Leute so kenntnisreich sind und ein Gespür für Geschichte haben.

Wo verbringen Sie Ihre einmonatige Theaterpause?

Im Norden Frankreichs. Ich brauche, offen gestanden, nach diesem Jahr einen kühlen Kopf und viel frischen Wind um die Nase. Und wie heisst es so schön: Ich lese nichts mit Doppelpunkt, sondern nur Romane.