Die Bombe liess Andreas Beck (52) erst am Ende des zahlenlastigen Saisonrückblicks platzen: Er sei zum Schluss gekommen, dass er seinen Vertrag in Basel nach Ablauf der fünf Jahre nicht verlängern werde. «Wechsel gehören zum Wesen des Theaters», sagt der erfolgreiche Direktor, der insbesondere das Basler Schauspiel auf die Erfolgsspur zurückgeführt hat.

Inszenierungen wie Simon Stones «Drei Schwestern» sind international gefeiert worden. Mehr Publikum, schöne Auszeichnungen: Warum geht er denn 2020 schon wieder?

Herr Beck, das ist für Basel eine ziemliche Klatsche, dass Sie schon wieder gehen werden.

Andreas Beck: Aber es ist nicht so gemeint. Schauen Sie, wenn ich ein Haus seriös leite, dann muss ich mich nach zwei Jahren fragen, wie es weiter gehen soll. Soll ich mein Engagement über den Sommer 2020 hinaus verlängern oder nicht? Ich habe festgestellt, dass ich verführbar bin.

Sie gehörten im Sommer zu den Favoriten für die Intendanz am Wiener Burgtheater. War das die erste Verführung?

Nein, die zweite oder dritte. Aber tatsächlich habe ich mich über den Sommer gefragt, was ist, wenn so was wieder kommt? Was will ich dann tun? Wenn wir in Basel ein reines Sprechtheater hätten, hätte ich meine Entscheidung nicht schon jetzt bekannt geben müssen.

Aber das Operngeschäft ist deutlich aufwendiger, da muss ein Spielplan zwei Jahre im Voraus stehen. Das heisst, in einem Jahr muss meine Nachfolge bereits mit der Arbeit beginnen können. Deshalb musste ich bereits jetzt ankündigen, dass ich für eine Verlängerung nicht bereit stehe.

Sie haben von Verführungen gesprochen. Führte eine dieser Verführungen bereits zu einer Liaison?

Ich hoffe, Sie meinen das beruflich (lacht). Es gab im letzten Jahr einige Gespräche mit Kulturleiterinnen und -leitern anderer Städte. Aber unterschrieben ist nichts.

Ist Ihnen der Entscheid, von Basel wegzugehen, leichtgefallen?

Natürlich bin ich auch traurig, wenn ich in die Augen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schauen und ihnen sagen muss, dass in zweieinhalb Spielzeiten Schluss für mich sein wird. Aber es geht letztlich nicht um meine Befindlichkeiten, sondern darum, das mir anvertraute Haus seriös zu bestellen.

Werden Sie nun zur lame Duck?

Nein, ganz im Gegenteil. Es muss jetzt doch für alle Ansporn sein, das Haus so gut aufzustellen, dass der Erfolg nicht nachlässt. Wir haben geliefert. Und so soll es bleiben.

Ist es beim Theater Basel nicht wie mit dem FC Basel: Zu klein das Budget, um manche Stars halten zu können, in diesem Fall nun auch den Trainer?

Beim Fussball ist es aber so, dass Trainer von heute auf morgen gehen. Das tue ich ja nicht. Es steht noch eine anschauliche Zeit vor uns. Und ich garantiere: Jede Vorstellung wird eine wichtige Vorstellung bleiben. Bis zuletzt. Der Wechsel ist Wesen des Theaters. Kontinuität wünschen wir uns zwar alle. Sie ist aber nicht das, was unsere Zunft auszeichnet.

Hätte man Sie mit mehr finanziellen Mitteln halten können?

Ich habe meine Entscheidung für mich getroffen und nicht strategisch.

Der damalige Regierungspräsident Guy Morin wollte Ihnen vor einem Jahr zugunsten der Kaserne immerhin eine halbe Million Franken streichen.

Das war in der Tat ein höchst merkwürdiges Gebaren des alt Regierungspräsidenten. Und es war ein Novum für mich, dass man zwei Kulturinstitutionen gegeneinander ausspielt. Der Kulturhauptstadt Basel war das unwürdig. Geschehen ist dann ja nichts. Was auch schwierig geworden wäre, denn ich habe einen Vertrag, in dem die Mittel der öffentlichen Hand (rund 40 Millionen Franken pro Jahr, die Red.) festgeschrieben sind. Nun gilt es einen neuen Subventionsvertrag zu verhandeln. Da braucht es strukturelle Änderungen, damit unser Dreispartenhaus weiter glänzen kann.

Gerade im Schauspiel haben Sie die Besucherzahlen deutlich steigern können. Was ist Ihr Ziel?

Dass die Menschen auch mal ein Stück besuchen, das keinen bekannten Titel trägt. Ich möchte die Neugier wecken und die Zuverlässigkeit bieten, dass die Leute noch mehr sagen, ich gehe an eine Aufführung eines Stücks, das ich nicht kenne. Diese Leistung möchte ich gerne schaffen.

Ist es schwierig, das Basler Publikum für Neues zu gewinnen?

Das würde ich so nicht sagen. Allerdings sind die Preise schon hoch. Ich habe versucht, das neu zu gestalten, was mir eine Rüge der Verwaltungsdirektorin eingetragen hat. Aber die Aufgabe eines Stadttheaters ist es aus meiner Sicht, Theater für alle zu machen. Und da spielt der Preis eben eine Rolle. Deswegen haben wir die 30-Franken-Tickets, um die Leute auch mal in Vorstellungen zu locken, deren Inhalt sie nicht bereits kennen.

Wie beurteilen Sie die Diskussion um die institutionelle Kultur in Basel? Gerade die Museumspolitik sorgt für viel Kritik. Schlägt die Unsicherheit auch auf Sie durch?

Na ja, es braucht nun ein wenig Zeit. Die Regierungspräsidentin ist neu im Amt, ebenso die Doppelspitze der Kulturabteilung. Sie müssen nun ein Erbe antreten, das nicht leicht ist. Es gibt offenbar einige Altlasten. Das zwar von Ambition zeugt, aber nicht von detaillierter (Finanz-)Planung.