Friedhof Hörnli
Angehörige Verstorbener sollen Todesfall nicht direkt auf Friedhof melden müssen

Todesfälle müssen ab 2014 direkt auf dem Friedhof Hörnli gemeldet werden. Für Angehörige kann das eine grosse Belastung sein. Eine SP-Interpellation hinterfragt nun die Verlegung der Amtsstelle von der Rittergasse auf den Friedhof.

Pascale Hofmeier
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Todesfälle müssen künftig in der Friedhofverwaltung auf dem Hörnli gemeldet werden.

Todesfälle müssen künftig in der Friedhofverwaltung auf dem Hörnli gemeldet werden.

Kenneth Nars

Stirbt der Partner oder die Mutter, ist das für Hinterbliebene ein Schock. Zur emotionalen Belastung kommt die Administration, der Gang auf die Ämter: Der Todesfall muss innert zweier Tage den Basler Behörden gemeldet werden. Bisher war die entsprechende Amtsstelle an der Rittergasse, ab 2014 wird sie aufs Hörnli verlegt und in die Friedhofsverwaltung integriert. Über diesen Entscheid, den die Regierung Ende März gefällt hat, sind viele unglücklich.

Auf Friedhof melden belastet

«Es ist eine Zumutung für Angehörige, wenn sie dafür aufs Hörnli müssen», kritisiert Ursula Walter. Die langjährige Psychotherapeutin engagiert sich in der Sachgruppe Gesundheit und Soziales der SP. Für die 73-Jährige – aber auch für Seelsorger und andere, die in ihrer Arbeit häufig mit dem Tod konfrontiert sind – ist unverständlich, dass ein Todesfall nicht beim Zivilstandsamt gemeldet werden kann: «Nach meinem Verständnis umfasst ein Zivilstandsamt alle Personendaten, von Geburt bis Tod», sagt Walter und verweist auf die Städte Bern und Zürich, wo Todesfälle zentral am Sitz der Einwohnerdienste gemeldet werden können. Die Argumentation der Basler Regierung, durch die Zusammenlegung der Amtsstellen verbessere sich die Beratung und die Dienstleistung für die Hinterbliebenen, entspreche nicht der Realität. Der Weg sei für die oftmals betagten Angehörigen eine Hürde, auch wenn es beim Hörnli Parkplätze gebe. «Die seelische Belastung, einen Tod auf dem Friedhof zu melden, ist hoch.»

Hoffen auf Meinungsänderung

Dieser Meinung ist auch SP-Grossrat Jürg Meyer: «So erhält die Verwaltung eine höhere Priorität als die Bewältigung des Todesfalls.» Meyer hinterfragt mit einer Interpellation die Verlegung der Meldestelle aufs Hörnli. Er will wissen, ob eine räumliche Zusammenführung von Amtsstellen im Zeitalter moderner Informationstechnologien noch nötig sei, um die Administration zu verbessern. Und er schlägt vor, eine Aussenstelle zum Beispiel im Spiegelhof einzurichten, die Todesfallmeldungen entgegen nehmen könnte. Noch liegt keine Antwort auf die Interpellation vor. Auch die Grauen Panther haben der Regierung einen Brief geschrieben in der Hoffnung, der Entscheid werde überdacht – und warten noch auf eine Antwort.

«Umfassende Beratung»

Marc Lüthi, Leiter des Bestattungswesens, winkt bei der Idee einer Aussenstelle ab und macht klar: «Eine Todesfallmeldung ist eine umfassende Beratung, in der auch die Art der Bestattung thematisiert wird.» Auch falle die Arbeit nicht gleichmässig an, sei nicht planbar. Der Standort auf dem Hörnli habe den Vorteil, dass das Personal beim Friedhofsamt gezielter eingesetzt werden könne, sagt Lüthi. «Es ist nicht zumutbar, dass Angehörige lange warten müssen, um einen Todesfall zu melden.» Dies sei heute teilweise der Fall. Ein Vergleich mit anderen Schweizer Städten sei nicht möglich: «Wir haben den grössten Zentralfriedhof der Schweiz. Andere Städte haben mehrere Friedhöfe.» Die heutige Situation an der Rittergasse sei auch aus anderen Gründen unbefriedigend. Die Todesfallmeldungen werden in einem fensterlosen Raum im Estrich entgegen genommen. «Und mit dem öV ist die Rittergasse schlecht erreichbar.» Auf dem Hörnli halte der Bus direkt vor dem Gebäude. «Die Angehörigen müssen also nicht über die Grabfelder.» Die Räume würden zudem noch «bedürfnisgerecht» umgestaltet.

Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtete, werden mit der Zusammenlegung der Amtsstellen 60 000 Franken gespart.