Herr Gallina, worüber unterhalten wir uns?

Ich habe «Zufall» gezogen. Ist das jetzt Zufall oder Schicksal?

Was denken Sie?

Eigentlich glaube ich nicht an Zufälle. Die wichtigsten Stationen im Leben sind vorbestimmt.

Zufälle geben dem Leben aber eine spannende Komponente.

Durchaus, ja. Jedoch erweisen sich Dinge, die zuerst zufällig erscheinen, später als wegweisend. Arnold Gjergjaj zum Beispiel habe ich vor einem Jahrzehnt im Pick Pay um die Ecke kennen gelernt. Er hat dort an der Kasse gearbeitet. Da habe ich auch nicht gedacht, dass uns eine intensive Trainer-Boxer-Beziehung verbinden wird. Aber darf ich ehrlich sein?

Unbedingt.

Ich fühle mich nicht so wohl in diesem Meta-Bereich, bin mehr Realist als Philosoph und beschäftige mich mit Fakten. Die kommen ohnehin meist knüppeldick.

Sie sprechen vergangenen Mai an, als Gjergjaj den Kampf gegen David Haye verloren hatte?

Unter anderem, ja. Das war deftig.

Wie gehen Sie mit solchen Schicksalsschlägen um?

Ich verdaue diese erst später. Weil ich gar keine Zeit für die Bewältigung habe. Ich habe mich nach dem Kampf in Arbeit gestürzt. Die Reflexion und Analyse kam erst Monate nach dem Kampf.

Was hat Sie am meisten geschmerzt?

Das Bewusstsein, dass sich neun Jahre harte Arbeit in ein paar Sekunden in Luft auflösen. Und dass in Zeiten der Niederlage sich gewisse «Freunde» abwenden.

Niederlagen machen einen auch stark.

Sicher! Ich denke, ohne Schicksalsschläge wäre ich heute nicht der, der ich bin.

Heute sind Sie eine Marke in Basel. Ihr Konterfei fand sich zum Beispiel auf einer Laterne an der Basler Fasnacht wieder. Fühlen Sie sich geschmeichelt?

Das ist sicher eine grosse Ehre (lacht). Die Leute hat der Kampf bewegt.

Sie sind bekannt für ihr kultursportliches Engagement in der Stadt – und wegen ihres Hipster-Aussehens. Seit wann tragen Sie diese markante Brille?

Das müssen jetzt fünf Jahre sein. Und das war kein Zufall: Ich hatte die fixe Idee einer runden Brille mit extradickem Rand. Der Optiker in Basel wollte mir ein ovales Modell verkaufen, ich bestand auf rund.

Warum? Boxringe sind auch eckig.

Früher waren sie rund. Jedenfalls bin ich im Internet fündig geworden.

Was für eine Marke?

Es ist ein No-Name. Ich bin nicht markenaffin.

Aber Sie legen Wert auf Ihren Stil. Das ist sicher zeitintensiv.

Nein, auch dafür fehlt mir Zeit. Ich arbeite grade an einem neuen Projekt. Ausserdem schlafe ich morgens lieber zehn Minuten länger, als mich im Spiegel zu betrachten.

Um was für ein Projekt handelt es sich?

Ich kann heute leider nicht mehr dazu sagen, da ich noch in Verhandlung bin.

Bliebe Ihnen da noch Zeit für Politik? Immerhin sind Sie der erste Nachrückende der FDP in den Grossen Rat.

Ja. Gerade sportlich-kulturelle Interessen sind im Basler Parlament nur schwach vertreten. Ich bin überzeugt davon, dass Sport ein gutes Integrationspferd ist, weil er positive Energien schafft. Da muss Geld investiert werden. Dafür will ich kämpfen.