Viel technisches Gerede und physikalische Erklärungen verwirrten das Publikum. Auch auf dem Podium verstand man sich nicht richtig.

An der Tageswoche-Veranstaltung stellten sich Verantwortliche der Basler Clubszene der Frage «Wohin mit der Basler Clubkultur?» Anlass dazu bot die vergangene Woche publik gemachte Regelung, dass neuerdings auch der Bass in die Lärmberechnung einbezogen wird.

Es diskutierten der Leiter des Amts für Umwelt und Energie, Matthias Nabholz, die Grossrätin Mirjam Ballmer (Grüne), der Basler Kulturchef Philippe Bischof, Gregory Brunold vom Club Nordstern sowie Stefanie Klär, Co-Präsidentin Kultur und Gastro.

Die Stimmung im Publikum, bestehend aus Bassliebhabern, Nachteulen und empörten Clubbetreibern, war angespannt. Viele erhofften sich wohl konkrete Antworten oder Lösungsansätze zur Zukunft des Basler Nachtlebens. Sie wurden enttäuscht. Nabholz bestritt vehement, dass neue Regelungen in Kraft traten und richtet seine Frage direkt an Mirjam Ballmer: «Was genau sollen wir neu eingeführt haben?». Bass breite sich aus, dies sei kein neues Problem, sondern physikalisch begründet. Die Musik von heute habe nicht mehr Bass als frühere, die modernen Anlagen könnten nur mehr Basstöne wiedergeben, sagt er. Zudem: «In Basel wurde noch nie ein Club wegen Lärmvorschriften geschlossen.» Das Problem sei vielmehr, dass die Bass-Vorschriften die Eröffnung von neuen Clubs verhindern, kontert Ballmer.

Eröffnen neuer Clubs erschwert

Auch Gregory Brunold vom Club Nordstern pflichtet ihr bei: «Die Unterscheidung zwischen bestehenden und neuen Clubs ist wichtig.» Die Bass-Begrenzung sei für Bestehende nicht einschränkend, erschwere die Eröffnung eines neuen Clubs aber sehr. «Die elektronische Musik ist die Musik von heute», sagt Brunold. Dem Amt sei nicht bewusst, dass die Einschränkung auch künstlerisch stark einschränke. Das fehlende Verständnis zeigt sich laut «Kulturstadt Jetzt»-Vertreterin Ballmer auch in der Handhabung mit den Regelungen. Die Kommunikation zwischen Amt und Clubbetreibern sei ungenügend. «Es reicht nicht, ein neues Dokument zu veröffentliche, ohne die Beteiligten darüber in Kenntnis zu setzen.» Obwohl die Clubbesitzer sich durchaus gewillt zeigten, herrsche eine schlechte Stimmung. Auch Brunold wünscht sich mehr Goodwill von den Ämtern. Die Gespräche an sich seien gut, man bemühe sich, Lösungen zu finden. Doch bis Solche zustande kommen, ist der Weg lang und mühsam.

Dieser Meinung ist auch Ballmer. Aus diesem Grund reichte «Kulturstadt Jetzt» am Mittwoch einen Vorstoss ein. Die administrative Hürde sei momentan noch zu hoch. Der Regelkatalog soll vereinfacht werden. Weiter sollen Vorschriften, die nicht zwingend sind, abgeschafft werden. Auch die Bass-Vorgaben sollen zurückgenommen werden, da diese die Suche nach einem neuen Standort zusätzlich erschweren. Auf die Suche nach einem neuen Standort begab sich auch Brunold, da der Vertrag mit den IWB Ende dieses Jahres ausläuft. «Die Zukunft des Nordsterns ist noch ungewiss», sagt er. Bischof erhofft sich ein klares, politisches Bekenntnis zur Clubkultur: «Ein Grossteil hat sich bisher nicht zum Thema geäussert und bekräftigt, dass mehr Kultur gewünscht wird.»