Ständeratswahlen
Anita Fetz zeigt sich kampflustig trotz unterklassiger Gegner

Die SP-Ständerätin lancierte am Montag ihren Wahlkampf zur Verteidigung ihres Sitzes im Bundeshaus. Eines der wichtigsten Anliegen von Anita Fetz ist die Umsetzung der Energiewende. Den anderen drei Kandidaten ist kein grosser Coup zuzutrauen.

Fabio Vonarburg
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Anita Fetz lanciert ihren Wahlkampf für den Ständerat. Grosser Kampfgeist, trotz Mangel an namhaften Gegnern.

Anita Fetz lanciert ihren Wahlkampf für den Ständerat. Grosser Kampfgeist, trotz Mangel an namhaften Gegnern.

Kenneth Nars

Fetz steigt in den Ring. Angriffslustig, energiegeladen, abgebrüht. Die SP-Ständerätin lancierte am Montag ihren Wahlkampf zur Verteidigung ihres Sitzes im Bundeshaus. Sie nimmt es dieses Mal mit drei Männern auf – gleichzeitig, doch keiner von denen ist in ihrer Politklasse. Somit ist der Ausgang vermutlich reine Formsache. Der Kampf Fetz 4.0 gegen die bürgerlichen Zweitbesetzungen geht in die erste Runde.

Das Wahlkampf-Motto von Fetz erinnert an ein Computerprogramm: «Fetz 4.0». Geht es nach der SP Basel-Stadt, soll die Basler Bevölkerung ein Update und keine Beta-Version wählen. «Ich habe noch mehr Erfahrung als vor vier Jahren», sagt Fetz. Und: «Genügend Themen für eine weitere Legislatur.» Besonders wichtig ist ihr die Energiewende. Die kommenden vier Jahre seien wegweisend, ob der Atom-Ausstieg gelinge, sagt sie.

Fetz ist seit Jahrzehnten eine Verfechterin des Atomausstiegs. Bei der Besetzung von Kaiseraugst war sie an vorderster Front dabei. «Wir fanden das so ungerecht», sagt Fetz, «dass man gegen den Willen der Bevölkerung ein Atomkraftwerk hinstellen will.» Ihr Kampfeswille von damals ist noch nicht verschwunden und noch immer spürbar. Auch auf ihren drei Wahlplakaten: «Es gibt Bretter in Bern, da bohrst du länger als 12 Jahre», «Fit für den Hosenlupf mit der Bauernlobby», und «Die Mehrheit, die mich schickt, vertrete ich auch.» Zum dritten Slogan ergänzt sie: «Im Gegensatz zu den anderen.»

Aufstand für Hosen

«Der Kampfeswille gehört zu meinem Naturell», sagt Fetz. Ungerechtigkeiten machen die Ständerätin wütend. Dies zeigte sich bereits früh. Im Alter von 12 Jahren setzte sie sich schon für die Gleichberechtigung ein. «An meiner damaligen Schule durften Mädchen keine Hosen tragen», erzählt sie, «eine Mitschülerin von mir wusste dies nicht und trug am ersten Schultag solche. Sie wurde nach Hause geschickt.» Am nächsten Morgen kamen alle Mädchen mit Hosen in die Schule. Anstifterin: Anita Fetz. «Die Lehrer waren mit der Situation überfordert», sagt die Ständerätin und lacht. «Ab dann war der alte Zopf Geschichte.»

Der Wahlkampf von Anita Fetz wird nicht von der SP organisiert, sondern von einem unabhängigen Komitee. Dessen Co-Präsidium besteht aus 14 Personen. «Auf sie kann ich nicht nur während des Wahlkampfs zählen», sagt sie, «sondern auch während der Legistatur, immer dann, wenn ich ihr Know-how benötige.» Im Komitee vertreten sind unter anderem alt Ständerat Carl Miville, alt Regierungsrat Ralph Lewin oder der ehemalige Präsident der SP Schweiz, Helmut Hubacher. «Anita Fetz ist immer im Angriff», sagt Hubacher. «Es ist nicht einfach, wenn man sie gegen sich hat.»

«Brisanz schon grösser»

Das dachten wohl auch die bürgerlichen Parteien. Sie verzichteten darauf, einen namhaften Ständeratskandidaten aufzustellen. In die Bresche sprangen David Wüest-Rudin von den Grünliberalen und der Jungfreisinnige Julian Eicke. Zudem kandidiert Erich Weber von der VA. Ein Coup ist keinem der drei zuzutrauen. «Die Brisanz war sicher schon grösser», sagt auch Fetz. Wäre jetzt nicht der richtige Zeitpunkt zur Ablösung, beispielsweise durch einen Jungen wie Eicke?

«So wie Frau sein kein Programm ist, ist auch jung sein keines», sagt Fetz. Die Ständerätin möchte sich aber gerne mit den Jungen auseinandersetzen. Sie habe schon dem Präsident der Juso Basel-Stadt vorgeschlagen, er solle doch gemeinsam mit den anderen Jungparteien eine Podiumsdiskussion auf die Beine stellen. «Doch auch noch selber organisieren werde ich sie sicher nicht.» Für die Wahl am 18. Oktober würde wohl auch eine handzahme Anita Fetz ausreichen. Doch: Die gibt es nicht.